DRANGSAL – Zores (CD / LP)

Nix mehr 80er, nix mehr New Wave. Da schocken der grundsympathische Max Gruber und seine Gefährten von DRANGSAL ihre jüngst in adrettes schwarz gekleidete Fans, die gerade dabei waren, die Musikgeschichte der 1980er aufzuarbeiten, um mit dem umtriebigen Musikfan bei der Backstage-Party fachsimpeln zu können. Und dann das: Eine unfreiwillige DIE ÄRZTE-Platte, ganz ohne Absicht! Und dann auch noch zu 90% mit deutschen Texten. Provokation? Status: Unnahbar und überraschend bleiben? Mit der Entscheidung „Zorbes“ gänzlich vom Düster-Pathos des überragenden Erstlings „Harieschaim“ zu befreien, stoßen DRANGSAL ihre Fans ganz schön vor den Kopf. Nicht alle werden die Entscheidung mitgehen, denn auch wenn Neue Deutsche Welle-Eingängigkeit, Farin Urlaub-Textbuchschule und The Smiths-Melodieverliebtheit hier ganz hervorragend zusammenpassen, irgendwie hätte man sich doch gewünscht, dass der gute Max ein wenig mehr seine Industrial- & Dark Wave-Programmatik beibehält und dem Untergrund ein Stück beheimatet bleibt – aber wie immer ist das alles nur zutiefst subjektives Geplänkel. Ohrwürmer und Hits gibt es auf ZORBES reichlich, coole Lyrics für deine Instagram-Story inklusive. Er selbst bezeichnet die Neuausrichtung schlicht als „Popmusik“. Hat sicher mit gesundem Selbstbewusstsein und erwachsen werden zu tun. Album Nummer Zwei wird daher ganz klar polarisieren. Aber das ist  wohl auch gut so. Max und seine Freunde gehören schließlich zu den Guten und ebnen für viele Neueinsteiger den Weg in eine potenziell gruftige Subkultur. Wenn nicht er im Teenage-Subtext, wer denn sonst? (D. Charistes)