ROZZ WILLIAMS & GITANE DEMONE – On The Altar (LP)

Zum 20. Todestag von Rozz Williams sind auf Dark Vinyl zwei dezent, aber stylisch aufgemachte Alben von Rozz Williams und Gitane Demone erschienen, die über insgesamt neunzehn Songs hinweg – wenn auch selbstverständlich  keinen Überblick über das beeindruckende Oeuvre der beiden Ausnahmekünstler – so doch einen sehr schönen (kleinen) Einblick in deren Live-Schaffen bieten. Zunächst liegt mir „On the Altar“  vor, dem ich mich nun hörend zuwende.

Mit einigem Feuer und Leidenschaft geht es mit „Spiritual Cramp“ los, welches wie die komplette erste Seite A 1996 in London aufgenommen worden ist. Auch bei „The Drowning“ geht nichts von dem Drive verloren, selbst wenn hier die (Post-)Punk Elemente weniger deutlich zu vernehmen sind. Das gefühlvoll-dramatische, stellenweise melancholische „Cervix Couch“ ist für mich ein erster Höhepunkt dieser Scheibe, auch ist hier erstmals Gitane Demones Gesang zu vernehmen.
Wieder mehr in die Vollen geht es bei „Sleepwalk“, wobei hier gerade in dessen gitarrenlastigeren Passagen deutlich wird, dass das Erbe bzw. die Einflüsse des Blues immer noch hör- und spürbar sind. Ohne Gitarre, nur mit Klavier und Gesang beginnt zum Schluss der ersten Seite dann „Ashes“, welches in einem Stimmen- und Schlagzeug-Crescendo endet. Danach vernimmt man noch etwas begeisterten Applaus, der ansonsten weitestgehend herauseditiert worden ist.
Die beiden ersten Stücke der B-Seite entstammen dem selben Konzert. Da ist zunächst das von Gitane Demone deutsch gesungene „Lament“, welches durch den Akzent einen ganz besonderen, melodramatischen Reiz entfaltet. Während Rozz hier weiterhin auf Englisch singt, bedankt sich Gitane sogar mit einem „Dankeschön“.
Nach „The Luxury Of Tears“ erklingen zwei Aufnahmen aus Manchester, ebenfalls im April 1996 aufgenommen. Bei „The Angels“ muss Rozz noch ohne weibliche Unterstützung beim Gesang auskommen, was er aber gut schafft. Gitane gesellt sich erst bei „Cavity“ dazu, was für mich auch das Stück auf dieser LP ist, bei dem die „Gothic“-Elemente am deutlichsten herauskommen – und das hängt nicht nur daran, wie Rozz das Wort „blood“ zelebriert! Wobei, das hat wirklich etwas!
Als „Bonus Track“ (wohl im Vergleich zur CD) ist „Awake at the Wall“ betitelt, welches einem Konzert in Miami (1995) entstammt und mich ein weiteres Mal zwar weiterhin froh sein lässt, dass ich damals im KUZ Christian Death sah, allerdings ist es doch bedauerlich, dass ich Rozz Williams nie live erlebt habe. „On the Altar“ kann, wie alle Live-Alben, die Atmosphäre natürlich nur zum kleinen Teil einfangen, ist aber wirklich ein intensives Album, das nicht nur als Erinnerung oder „Tribut“ funktioniert, sondern einfach großen Spaß macht zu hören!  (flake777)