dunk!festival : 10.5. – 12.5., Zottegem, Belgien

Der Zenit des Postrock-Hypes war für viele vor ungefähr fünf Jahren erreicht. Seitdem hält sich aber eine beständige Zahl an namhaften Bands an der Pole-Position, während immer neuer Nachwuchs entsteht und die Szene global zu einer eingeschworenen Gemeinschaft werden lässt. Seit 2005 steht das belgische dunk!festival sowie das gleichnamige Label für die Bewegung leidenschaftlicher Musikfans und gilt als eines der besten Liebhaber-Festivals um gepflegte Instrumental-Musik und bietet weiterhin Entdeckungen progressiver Experimente um alle Grenzbereiche der Rockmusik. In den letzten Jahren konnten die Veranstalter namhafte Acts wie GOD IS AN ASTRONAUT, PELICAN, THIS WILL DESTROY YOU, JUNIUS, MAYBESHEWILL oder MASERATI im beschaulichen Städtchen Zottegum begrüßen. Abgerundet wird das Programm mit der Offenheit gegenüber weiteren Extremspielarten des Genres wie Post-Metal, New Artwork, Sludge oder Drone. Und so reihen sich weitere prominente Namen wie z. B. SWANS, SUNN O ))), THE BLACK HEART REBELLION, MONO oder EARTH als weiteres Schmankerl in das liebevoll-kuratierte Line-Up ein. Auf alle Fälle, ein Gourmetfestival für Menschen, die Musikkultur tatsächlichen leben und in idyllischer Waldkulisse drei Tage unter Gleichgesinnten aus aller Welt den Alltag vergessen möchten. 2017 veranstaltete das Team gleichzeitig eine US-Version des etablierten Profils in Burlington, Vermont. Freunde anspruchsvoller, experimenteller und tiefsinniger Rockmusik kommen an diesem Festival daher nicht vorbei. Und auch wenn die Ticketkapazitäten begrenzt sind.  Einmal im Leben sollte man dieses liebevoll kuratierte Event als Postrock-Fan besuchen. Ein Kurztrip in unser schönes Nachbarland Belgien ist ohnehin immer eine Reise wert.

Im Gespräch mit BLACK:  Wout Lievens, Mitorganisator des dunk!festivals.

Hallo Wout, schön, dass du Zeit für das Interview gefunden hast. Als einer der Organisatoren bitte ich, dich kurz vorzustellen. Was lässt das DUNK-Festival aus der Masse des neueren Festival-Booms herausstechen?

„Ich bin seit der ersten Edition 2005 mit von der Partie und als Co-Organisator tätig. Weiterhin betreibe ich das Label „dunk!records“ und bin für die Pressearbeit verantwortlich. Außerdem spiele ich Schlagzeug in der Band STORIES FROM THE LOST. Als Festivalkonzept haben wir uns nach einigen Jahren experimentieller Musik, auf die die Sparten Post-Rock, Post-Metal, Drone, Neo-Classical und Sludge spezialisiert. Das Wunderbare an unserem Festival ist die Tatsache, dass wir musikliebende Menschen aus aller Welt bei uns in Belgien begrüßen dürfen, die oft ihre Freunde oder Familienmitglieder mitbringen – so entsteht ein sehr familiärer und harmonischer Vibe, der spürbar ist. Wir bieten weiterhin einen hohe Standard an Lichtinstallation und einer top ausgestatteten Soundanlage – ich denke, das wird honoriert und hat sich herumgesprochen.“

 Wie bereits angesprochen bewegt ihr euch im Spartenbereich der Postrock-Szene. Wie kuratiert ihr das Festival zwischen Headliner, Geheimtipps und Newcomern?

„Jedes Jahr erarbeiten wir gemeinsam  ab August ein für uns ideales Konzept-Line-Up. Es beginnt anschließend mit der Kontaktphase, den Bands und ihren Booking-Agenturen. In den Folgemonaten geht es schließlich um die Bestätigung. Am Ende landen wir dann aber meist doch doch oft bei einem völlig anderen Line-up. Unser Ziel ist es immer die Balance zwischen großen namhaften Bands und spannenden Newcomer-Acts zu halten. Wir haben schließlich ein sehr musikbesessenes Publikum mit einem hohen Anspruch bei uns zu Gast – da freuen wir uns umso mehr, wenn sie von uns kuratierte Bands noch nicht kennen und sich erstmals live überzeugen lassen können. Natürlich können und wollen wir auch nicht drei Tage ausschließlich Postrock-Bands spielen lassen – das wäre dann doch etwas eintönig auf Dauer. Experimente sind da wichtig: Gruppen mit Gesang, seltsames, obskures und dazwischen immer auch etwas mehr „heavy“.

Welches sind die größten Transformationen, die das Festival seit seiner Gründung vor über 20 Jahren durchgemacht hat?

„Auf dem ersten Tagesfestival spielte ich noch mit meiner eigenen Band und bin erst in den kommenden Jahren in die Organisationsarbeit eingestiegen. Luc, mein Vater, der das Festival eigentlich gegründet hat, hatte immer eine Vision alle Spartenbereiche der Rockmusik auf einem Festival zu versammeln. Ich denke, die größte spürbare Veränderung ist die Entwicklung vom Tagesfestival, zum Zwei- und mittlerweile Dreitage-Festival. Außerdem gibt es seit einigen Jahren auch eine zweite Bühne, prominentere Namen und verschiedene Spielorte. Anfangs noch ein Indoor-Festival, sind wir mittlerweile zum idyllischen Outdoor-Festival (mit Zeltbühne) umgestiegen.“

Auf welche Künstler freust du dich in diesem Jahr ganz besonders?

„Das ist wie immer eine schwierige Frage. Als Booker freue ich mich natürlich auf jede einzelne Performance. Natürlich auch auf jeden einzelnen Auftritt der „dunk!records-Bands“: LETHVM, [ B O L T ], RANGES und viele andere. Ich versuche außerdem immer in der ersten Reihe die Konzerte zu genießen. RUSSIAN CIRLES, CASPIAN, ROSETTA und EF sind live immer eine Offenbarung. AU REVOIR kann ich jedem nur wärmstens empfehlen. Außerdem freue ich mich auf die Post-Hardcorer von CRANIAL. Mein persönlicher Ansprch ist es, von jeder Band mindestens eine handvoll Songs mitzunehmen:“

Kannst du uns an dieser Stelle etwas über die aktuelle alternative Musikszene in Belgien erzählen. Wir erkennen hier ein starkes Interesse an euren Bands – allen voran die Akteure aus dem CHURCH OF RA-Umfeld.

„Wir denken hier längst auf einem europäischen Level. Hier sind Bands aus Belgien wie  All We Expected, Lethvm, Terraformer, Celestial Wolves, Ilydaen and Stories From The Lost ganze vorne mit dabei, wenn es um Qualität innerhalb des Genres geht. Alle Bands haben ihre ersten Alben via dunk!records veröffentlicht, worauf wir sehr stolz sind. Und natürlich gehören AMENRA, THE BLACK HEART REBELLION und BRIQUEVILLE zu meinen persönlichen Lieblingsbands. Ja, es tut sich was in unserem kleinen Land.“

Was kannst du uns über deine eigene Band berichten?

„Seit 2011 spiele ich Schlagzeug bei STORIES FROM THE LOST. Vor einigen Wochen haben wir unser drittes Album veröffentlicht. Jedes Mitglied hat seinen ganz eigenen musikalischen Background und besondere Fähigkeiten, so dass es primär um den Spaß am gemeinsamen Entstehungsprozess von Musik geht. Musikalisch kann man das durchaus in die Sparte Post-Metal mit einem Touch Elektronik einordnen. Ich freue mich über einen Hördurchgang unseres Albums „Exoplanet“ via Spotify, Soundcloud oder Itunes. Es ist übrigens unser erstes Album mit Gesang!“

Was können Neu-Entdecker des DUNK-Festivals 2018 erwarten?

„Neben einem liebevoll zusammengestellten Line-Up, herausragender Technik mit Audio- & Lichtshow ist es vor allem die Erfahrung, das Festival mitten in einer aufregenden Waldlandschaft zu genießen und Menschen aus aller Welt kennen zu lernen, die Musik genauso innig lieben, wie man selbst. Neben einer eingefleischten Crew, die in diesen Tagen alles gibt, legen wir vor allem Wert auf frisch zubereitetes Essen, belgisches Bier und kultige Afterpartys.“

Zottegem ist eine Kleinstadt in der Provinz Ostflandern, wo das Festival beheimatet ist. Gibt es dort empfehlenswerte Aktivitäten, die man parallel zum Festival unternehmen kann?

„Ein kleines Ritual unserer Besucher ist der Spaziergang durch die wunderbare flämische Waldlandschaft. Der beste Tipp ist es, vor oder nach dem Festival noch einen Abstecher in unsere benachbarte Szene- und Kulturstadt Ghent zu machen (nur 30 Minuten Autofahrt von Zottegem). Es ist eine wundervolle Stadt, perfekte Größe um Kreativität, belgisches Essen und Szene zu entdecken und dem wunderschönen historischen Altstadtzentrum einen Besuch abzustatten – übrigens auch die beheimatete Basis des CHURCH OF RA-Umfeld. Auch andere besuchenswerte Städte wie Antwerpen, Brüssel oder Brügge sind leicht zu erreichen.“

Was ist eine deiner persönlichen Liebingsmomente vergangener Festivaleditionen?

„Sehr in Erinnerung geblieben ist die spontane Backstage-Party von 65daysofstatic von 2012. Nach der Show hingen die Musiker backstage herum und haben auf ihren Laptops nach Musik gesucht. Einige Bier später wurde aus der improvisierten Session eine regelrecht ausartende Party, als wir die Laptops an unsere PA-Anlage angeschlossen hatten und das Ganze zu einer riesigen Party vor und hinter der Bühne geworden ist. Tatsächlich hatten wir dann unsere eigenen Security-Kräfte vor der Bühne stehen, die uns aufgefordert haben, die Musik leiser zu drehen, da unsere Camping-Besucher sich über die Lautstärle beschwert haben. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob wir das dann auch getan haben – aber ich erinnere mich einen perfekten Festivalausklang. Seitdem organisiert unser BBQ- & Pommes-Team diese Aftershow-Partys – ihr werdet dieser also nicht entgehen können.“

Welche Namen stehen bei euch ganz groß auf Wunschliste für kommende Editionen?

„Ich glaube, eines Tages müssen wir es noch schaffen, die Götter des Postrock GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR nach Belgien zu bekommen. Diese Band hat enorm viel für die Szene getan und ihre Live-Shows sind stets eine Grenzerfahrung. Alles ist hier natürlich eine Frage der Organisation und des Budgets – aber ihr könnt euch auch im nächsten Jahr auf einige Überraschungen freuen. Wir arbeiten fieberhaft daran, unsere Wunschbands auf dem DUNK präsentieren zu können!“

Was kannst du uns über eure Gäste erzählen?

„Bereits seit längerem haben wir ein sehr internationales Publikum. Da das Line-up, dass wir anbieten, sehr spezifisch ist, kommen die Menschen von überall her um Bands zu sehen, die rare Live-Auftritte spielen oder kaum in ihrer Region zu finden sind. Dazu muss ich sagen, dass die Postrock-Gemeinde ein sehr dankbares und unkompliziertes Publikum ist. Über die Jahre sind viele unserer Gäste enge Freunde und Unterstützer der Idee geworden. Wir sind während des Jahres in engem Kontakt, chatten über neue Musik und besuchen diese in ihrer Heimat, wenn wir mal Urlaub machen möchten:“

Zum Schluss bitte ich dich noch um ein paar Worte zur DUNK-Edition in den USA. Gibt es hier einen Unterschied zum europäischen Setting?

„Die US-Edition können wir mit der Hilfe von David Zeidler (Young Epoche) organisieren, der in Burlington lebt. Der Unterschied zur belgischen Edition ist ,dass es sich in den USA um ein Indoor-Festival handelt, da wir in Amerika nicht die Kapazitäten und das Budget für den enormen Aufwand eines Outdoor-Festivals leisten können. In Belgien kümmern wir uns um alles selbst. In den USA mussten wir einen Produktions-Manager anheuern, der uns konstruktiv unterstützt hat, da es dort unüblich ist eine derartige Anzahl qualitativer Bands auf einem Festival spielen zu lassen. In Belgien wird alles von Freunden und Familienmitgliedern organisiert – nur die Techniker sind externe Kräfte. Auch die Zelte und Gastro-Stände werde von Volunteers aufgebaut. Das in den USA zu organisieren, ist unmöglich für uns, was an den unterschiedlichen Regularien liegt. Bis auf die organisatorischen Handicaps bieten wir auch in den USA ein qualitatives Festivalpaket für Freunde der anspruchsvollen Rockmusik an.“

Die letzten Worte gebühren dir.

„Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Menschen bedanken, die sich für die Postrock-Szene stark machen, die unser Festival im Mai besuchen werden und Ihnen eine wunderbare Erfahrung wünschen, die hoffentlich das Potenzial hat, eines der schönsten Wochenenden des Jahres zu werden. Es gab eine Zeit, da hatten wir Nachbarn aus der unmittelbaren Umgebung, die mit der Musik vor Ort ursprünglich nicht viel anfangen konnten. Dem positiven Vibe des Festival ist es aber geschuldet,  dass diese mittlerweile zu  Fans und Enthusiasten geworden sind und mittlerweile in der ersten Reihe stehen. Viele von Ihnen hatten oft keine Ahnung, dass es Musik wie diese gibt. Das bestärkt uns natürlich immer weiterzumachen. Vielen Dank auch an euch für das Interview und die Leser. Es ist immer schön ein Gespräch mit Menschen zu führen, die sich für die Sache stark machen.“

Wir sehen uns im Mai! Vielen Dank für das Gespräch.

(D. Charistes)

Das dunk!festival 2018 ist die 14. Edition in Zottegem, Belgien. Es findet vom 10.5. bis 12.5. statt. Das diesjährige Line-up: Russian Circles, The Ocean, Caspian, Ef, Rosetta, Grails, Ranges, Tides Of Man, Zhaoze, Soup, Aue Revoir, Worriedaboutsatan, Thot, Cranial, Hemelbestormer, Ohgod, Radara, [BHOLT], LETHVM, BESIDES, ASTODAN, THE ILLS, LA BESTIA DE GAUVADAN,  I AM WOLVES … Sechs weitere Headliner-Namen werden in den nächsten Tagen noch bekanntgegeben.