Terry Burrows & Daniel Miller: Mute – Die Geschichte eines Labels 1978 bis morgen (Buch)

Nachdem der Verlag Blumenbar 2017 schon eine erweiterte Neuauflage der ultimativen DEPECHE MODE-Bibel „Monument“ veröffentlicht hat, erschien jetzt gegen Ende des Jahres ein weiteres interessantes Buch, welches eng mit der englischen Synthie Pop-Band verknüpft ist. Hierbei handelt es sich um die Geschichte ihres jahrzehntelangen Label Mute, das ihnen Anfang der 80er Jahre zu ihrer heutige Weltkarriere verholfen hat und anderseits durch deren finanziellen Erfolg es dem Labelboss Daniel Miller ermöglicht wurde, andere Künstler langfristig aufzubauen, wie gewagte Experimente durchzuführen.

Mit dem Label Mute sind dadurch Namen wie unter anderem NICK CAVE & THE BAD SEEDS, ERASURE, YAZOO oder MOBY ebenfalls zu Weltstars geworden, aber auch eher sperrigen Künstlern wie zum Beispiel LAIBACH, Boyd Rice (NON) oder Diamanda Galas wurden so eine weitreichende Plattform ermöglicht. Für mich selbst war Mute nach der Wende 1989 eine wichtige Sozialisation (aber nicht wegen DEPECHE MODE) und Platten mit den hellblauen Intercord-Labels und dem „Walking Men“-Logo machen einen nicht unwesentlichen Teil meiner Plattensammlung aus. Später konnte ich den neuen Signings von Daniel Miller nicht mehr ganz so folgen, jedoch hat er nach seinem Neustart bzw. seiner Trennung von der EMI inzwischen wieder meine vollste Aufmerksamkeit. Wer jetzt auf den über 300 Seiten des wirklich schweren und luxuriös aufgemachten Buches allerdings die minutiöse Geschichte des Labels und launige Anekdoten erwartet, muss dann leider enttäuscht werden, denn Daniel Miller ist kein Mensch, der in der Vergangenheit lebt, sondern nur an dem Neuen und der Zukunft interessiert ist. Deshalb beschränken sich die Informationen zur Historie von Mute eher auf Wikipedia-Niveau und das Hauptaugenmerk liegt im wahrsten Sinne des Wortes auf die Artwork und dem Design des Labels. Gerne hätte ich mehr Interna um den Ärger mit DAF, die Political Correctness-Kontroversen um Boyd Rice, den Weggang von Nick Cave oder das wahre Innenleben von DEPECHE MODE erfahren, aber da muss man wohl weiter auf die wahrscheinlich nie erscheinende Biographie von Daniel Miller warten. Dafür bietet „Mute – Die Geschichte eines Labels 1978 bis morgen“ ein illustriertes Füllhorn an Fotos und Cover-Artworks bzw. denen vorausgehenden Skizzen wie Layout-Schritten, welche gleichfalls sehr anschaulich die Entwicklung der Copy-Paste-Technik, die Arbeit mit Rubbellettern und Polaroids bis hin zum digitalen Entwurf darstellt. Des weiteren werden die diversen Sub-Labels von Mute kurz vorgestellt und es gibt eine vollständig bebilderte Diskografie. Qualitative Fadenheftung (!), die originelle Rückenbindung und der stabile Buchdeckel mit dem Mute-Logo-Relief runden dann den hochwertigen Eindruck des Buches gelungen ab, dessen Preis von 34 Euro absolut gerechtfertigt ist. Macht sich sehr gut im Bücher-Regal und auch als Geschenk für Freunde! (Marco Fiebag)