HERBST IN PEKING – Maritime Noir (CD)

Mit „Splitter der Schöpfung“ meldeten sich HERBST IN PEKING 2016 eindrucksvoll auch an der Album-Front zurück, nachdem die ostdeutsche Independent-Institution nach ihrer Reunion vor allem Live unterwegs war bzw. mit diversen EPs und einer limitierten Best Of brillierte. Die „Maritime Noir“-CD versammelt jetzt um das leicht modifizierte „We Are Instruments“ vom „Splitter der Schöpfung“-Album ähnlich mantrahafte Songs. Als erstes wäre da „Es gibt keine Freiheit“, bei dem Sänger Rex Joswig mit emotionsloser (und doch so betörend-sonorer) Stimme uns so treffend den Lauf der Welt erklärt. Dieser zwingende Song mit einem Hammer-Text vom anarchistischen Poeten Bert Papenfuß wäre einfach zu schade gewesen, um nur auf der „A Taste Of Moloko+“-Compilation (die natürlich weiterhin absolut empfehlenswert ist) sein Dasein unter vielen anderen zu fristen! Gleich im Anschluss dann die Instrumental- oder Pure Version vom bereits erwähnten „We Are Instruments“, dem dann mit „U-Boot nach Jerusalem“ die Demo-Version jenes höchst atmosphärischen Songs folgt. Danach gibt es einen Remix vom Band-Klassiker „Shame“, der in alten Zeiten der Band auf der Bühne schon mal über 15 Minuten dauern konnte. In der Bearbeitung durch Tom van Alp hier allerdings etwas kompakter, sowie dezent elektronisch rhythmisiert, aber nicht weniger hypnotisch. Zum Abschluss gibt es dann noch einmal „Es gibt keine Freiheit“ in der How Deep Is The Sea-Version, was die CD auf eine Gesamtspielzeit von knapp 50 Minuten bringt. Wenn man bedenkt, dass das Material bis auf die Ausnahme „Shame“ eigentlich ja nur das Grundthema von „We Are Instruments“ variiert, ist HERBST IN PEKING hier ein Meisterwerk des organischen Ambient Trance gelungen, denn zu keiner Zeit langweilt das Endlos-Loop-Grund-Gerüst des Tracks aus Fotoauslöser-Geräusch und Echolot mit halluzinierenden Gitarrenspuren den Hörer. Auch wenn „Maritime Noir“ letztendlich nur eine Zugabe zu „Splitter der Schöpfung“ darstellt, ist es für mich eines der Alben des Jahres 2018! Deshalb brauche ich auch keine synthetischen Drogen, denn meine Droge ist akustisch und heißt HERBST IN PEKING! (Marco Fiebag)