HERMANN KOPP – Cantos Y Llantos (7")

Der „Minimal Geiger“ Hermann Kopp meldet sich zurück und das in mehrerlei Hinsicht. Erschienen doch in letzter Zeit lang ersehnte Vinyl-Wiederveröffentlichungen der beiden Soundtracks für die Jörg Buttgereit-Splatterfilme „Der Todesking“ und „Nekromantik“, auf denen Hermann Kopp mit seiner schrägen Geige sehr zur tragend-schaurigen Atmosphäre beitrug. Des weiteren machte das amerikanische Dark Entries-Label die einzige Platte seiner ersten Band KEINE AHNUNG aus dem Jahre 1983 auch wieder im Vinyl-Format zugänglich, welche ja in Minimal Wave-Kreisen einen hohen Kultstatus inne hat. Mit der Single-EP „Cantos Y Llantos“ gibt es jetzt aber auch neues Material und die insgesamt 4 Tracks setzten mit ihrem morbiden Charme den 2008 mit dem Album „Under A Demon’s Mask“ eingeschlagenen Weg fort, als das Galakthorrö-Label dem im spanischen Exil lebenden Musiker aufgespürt hatten bzw. ihm zu einem musikalischen Comeback überreden konnten, dem in Folge eine Single und ein weiteres Album folgte. „Cantos Y Llantos“ setzt sich nun mit dem Brauchtum und der Folklore seines Exils auseinander – natürlich auf seine ihm eigene surreal-morbide wie knarzigen Art, die er selbst als Nekroklassik bezeichnet. Durch den rauen spanischen Gesang werden dabei sogar Erinnerungen an NOVY SVET geweckt, welche ja eine Zeit lang ebenfalls mal im Exil in Barcelona lebten. Im Vergleich zu den voran gegangenen Veröffentlichungen von Hermann Kopp auf Galakthorrö erscheint mir der Sound hier etwas fragmentarischer, aber auch harscher und wuchtiger, wenn auch seine markante Geige zum Teil ein wenig in den Hintergrund rückt. Dies steht ihm jedoch sehr gut zu Gesicht und weckt auf eventuell noch Kommendes gespanntes Interesse. Die vorbildlich gepresste Single ist wie bei Galakthorrö üblich mit einem rauen schwarz/grauen Karton-Cover umhüllt, welches das eben gehörte perfekt illustriert und handnummeriert auf 550 Exemplare ist. Beste Single, die mir in diesem Jahr in die Finger gekommen ist! (Marco Fiebag)