ARCANA – Petrichor (CD)

Ein Arcana Winterwerk genau zur passenden Zeit. „Petrichor“ der Titel der Platte ist die Benennung für den starken Duft , der von Mutter Erde ausgeht, wenn der Regen gefallen ist ! Die neue Platte von Peter Bjärgö a la Arcana aus Schweden, woher auch sonst, ist man fast gewillt zu fragen, mit Namen „Petrichor“ also, hat wieder diese schön, typisch dunkle und warme Grundstimmung.Die Neoklassik/Dark Ambient oder auch melancholische Gothic/Dark Wave Veröffentlichung glänzt einfach von der ersten bis zur letzten Sekunde, ist wunderbar kunstvoll arrangiert und instrumentiert. Die zwölf Tracks sind eine Zusammenstellung aus EPs, Compilationsbeiträgen, älteren Songs die bisher keine Verwendung gefunden hatten oder jeweils nicht in das Konzept des gerade zu produzierenden Albums paßten. Die düsteren Klangteppiche umgarnen den geneigten Hörer und die Vocaleinsätze von Male und Femalen Wechselgesang sowie Chören, Chanteusen, Elfen oder Feen  lassen den cineastischen Eindruck der Platte komplett in einem andere Licht erscheinen, zudem hat Peter die Anteile akustischer Gitarren in manchen Stücken im Vergleich zu den Vorgängeralben etwas verstärkt, was den Tracks dann dieses gewisse organische Neofolk Flair verleiht und etwas vom sakralen Dark Ambient Abstand nehmen läßt. Großartige Kompositionen und Klanglandschaften mit choralen Soundmalereien, die sich von  anderen Dark Ambientprojekten wie z.b. Raison D` Etre, die eher hallige Industriegebäude vetonen , abheben und entfernen, sich aber der Hinwendung zu mehr Offenheit und Ethno Weltmusikalischen Klängen leiten lassen. Schon das Intro auf „Petrichor“ präsentiert dunkle, getragene Klänge mit Orgelangereicherten Anschlägen, bei „Emperor of the Sun“ klingt es  durch die Sopran ähnliche  Frauenstimme , als wären hier die Neoklassiker von Stoa am Werk gewesen. In „Eclipse of the Soul“  wiederum dominieren die schweren, dumpfen Glockensounds, mit in sich wiederholenden Melodiebögen und in „Body of Sin“ denkt man sofort an Death in June, da hier neofolkige Gitarren zum Einsatz kommen, ein originäres Hörerlebniss. Die Tracks im allgemeinen kommen wunderbar sphärisch, transzendental, hypnotisch und ätherisch daher und werden von Peter mit einer dominierenden Perccusionarbeit präsentiert, die melancholisch,  grandiose Melodieführung tut ihr übriges.

In „Part I – II – III“ dem mit fast 16 Minuten längsten Stück auf  der Platte und bei „Part IV“  umweht  wiegend,  rhythmisch orientalischer Flair die Arcana Sounds, fast meint man hier bei Dead Can Dance zuzuhören und befindet sich gerade  im Zelt mit einer arabischen Schönheit, die den Bauchtanz vollführt, musikalisch gefangen in einer Märchenwelt aus „Tausend und einer Nacht“ sozusagen. Die Aufnahmen sind teils mystisch arrangiert und eventuell sogar für ein geheimnisvoll umwittertes Paralelluniversum geschrieben worden. Bei „The Irreversible Truth“ taucht man dann wieder in tiefe wehmütige, melancholische Träume und wird hin und hergewogen in dunklen Mollklängen und schwelgerisch geht es dann gleich weiter mit „The Cage“ und Enya ähnlichem Gesang. Die Tracks „Precious Stone“ und „Dehkbala“ sind dann wieder einmal wahre Kleinode, die im mitreißenden Klängen von einer Sopran Chanteuse a la Stoa in Hall begleitet werden, wundervolle Stücke von einem  Album, das zum Schweben, Träumen, Halten, Fallenlassen geradezu einlädt. Der mächtige  großartige Klangzauber der Kompositionen und die ausgefeilten orchestralen Arrangements von Arcana bestätigen die Ausnahmeerscheinung der Gruppe über die vielen Jahre hinweg, die rhytmischen Soundcapes und elegischen Arrangements prägen den Charakter der Veröffentlichung, die medidativ leuchtenden Klangwelten und Melodiebögen ziehen den Hörer in die Gefilde der Traumwelten hinab, der pulsierende Herzschlag der Streicher und die anmutigen Orchestersounds mit den darüber schwebenden Melodien kommen einem vor wie ein Lichtstrahl der sich im Fenster einer Kirche bricht.

Fazit : Diesen Klängen kann man sich nicht entziehen, ein Album zum Abschalten und Herunterkommen in diesen hektischen Zeiten und zum Abtauchen in andere vernebelte Welten des Darkwave. Allen Freunden dieser innovativen und zeitgenössischen musikalischen Ausrichtung sei diese Platte einmal unbedingt ans Herz gelegt.

(Sven Erichsen)