„Ich sehe uns da eher als Nischenprodukt“ ! – Interview mit RHEINGOLD

Wer kennt die 80er Gruppe Rheingold aus den NDW Zeiten nicht mehr ? Zwischen 1980 und 1984 produzierten Rheingold 3 Platten mit Elektropopsongs in deutscher Sprache. Der größte Erfolg war der Band um Frontmann Bodo Staiger mit dem Track „Dreiklangdimensionen“ (Deutsche Singlecharts Platz 17) beschieden, aber auch „FanFanFanatisch (Single-Charts Platz 24), der Song aus dem Film „Der Fan“ mit Desiree Nosbusch und eben Bodo Staiger in den Hauptrollen, avancierte zum ultimativen Hit. Im Jahr 1992 z.b. wurde Ex Mitglied Lothar Manteuffel Mitglied bei Electric Music mit dem Ex-Kraftwerk Musiker Karl Bartos. Nun erschien das neue Album „Im Lauf der Zeit“ und wir haben Bodo Staiger dazu einmal ein paar Fragen gestellt.

Hi Bodo, vielen Dank für die neue Platte und das ich eines meiner Jugendidole 
einmal interviewen darf.
 Mit Rheingold ward Ihr in den 80´s sehr erfolgreich und wer kennt
 nicht heute noch Euren Überfliegerhit zu NDW Zeiten „Dreiklangdimensionen“ , der noch immer im Radio läuft.
 Daher gleich mal nachgefragt, vor allem für die jüngeren Black-Leser …wie Eure Musikkarriere begann und wie Ihr damals auf die elektronische (da Du z.b.
Gitarre spielst) Ausrichtung Eures Projektes gekommen seid ? Inwieweit 
haben das eventuell die zwei Ur-und wieder aktuellen Mitglieder Lothar Manteuffel
 und Brigitte Kunz mit beeinflußt ?

Vorab muss ich klarstellen, dass Brigitte Kunz seit 1987 Staiger heißt und am neuen Album beteiligt ist. Lothar ist nicht mit dabei. Stattdessen sind Karl Bartos, Uli Luciano und Brigitte für die Lyrics zuständig, ich habe alle Instrumente eingespielt und die komplette Produktion gemacht, Gesang kommt von Brigitte und mir. Zur Frage:
Ich spiele seit meinem 10. Lebensjahr Gitarre, habe hier in Düsseldorf Ende 1960 in diversen Bands, z.B. mit MMW, Karl Bartos gespielt. Nach meiner letzten Station bei den „Lilac Angels“ habe ich 1980 das Projekt „Rheingold“ gegründet. Die elektronische Ausrichtung war von Anfang an geplant, ich habe zuerst alle Songs geschrieben, unter Einsatz der CR-78 Drummaschine von Roland und dem ARP Odyssey Synthesizer, bevor die Texte von Lothar Manteuffel dazu kamen. Das erste Album habe ich hier in Düsseldorf in der „Klangwerkstatt“ aufgenommen und mit Conny Planck in seinem Studio in Neunkirchen nachgearbeitet und abgemischt.

Zudem war ich dereinst ein großer Fan von
 der Film-Musik und dem für damalige Verhältnisse krassen Film „Der Fan“ mit Desiree Nosbusch und Dir in der Hauptrolle. Wie kam es dazu ?

Nach V.Ö. des ersten Albums im Dezember 1980 liefen unsere Songs im Radio, also auch in München, wo sie der Filmregisseur Eckhard Schmidt hörte und anfragte, ob ich nicht die Musik zu seinem neuen Film „Der Fan“
machen möchte. Das fand ich natürlich sehr interessant, also trafen wir uns in München zur Vorbesprechung. Zwei Wochen später kam dann der Anruf, ob ich nicht auch die Hauptrolle übernehmen wollte, wozu es dann auch kam.

Wie lief es dereinst allgemein in der Düsseldorfer Kulturszene so ab,
 dein ehemaliger Keyboarder(?) Rolf Meurer ist ja heute Sound Designer bei Kraftwerk. Gab es damals engere Kontakte zu Kraftwerk, Neu, T. Stumpff, NDW „Helden“ oder anderen ?

Rolf Meurer war nicht unser Keyboarder, ich habe alle Instrumente immer selbst eingespielt. Er hat aber bei einem TV Auftritt den Keyboardpart zu „Via Satellit“ übernommen. Natürlich gab es Kontakte zu den Kollegen, viele kannte ich ja über Jahre aus der Düsseldorfer Szene wie z.B. Ralf Hütter, Klaus Dinger und Michael Rother. Tommy Stumpff habe ich gerade erst beim Electri-City Congress in Düsseldorf nach langer Zeit wiedergesehen.

Bitte erkläre unseren Lesern einmal das Konzept eures neuen
 großartigen Meisterwerkes „Im Lauf der Zeit“?!  Welche Idee und wieviel Arbeitszeit wurde in das fantastische Album investiert und wie lief der Arbeitsprozess ab und vor allem : Wer kam auf die Idee wieder ein Album in der Originalbesetzung aufzunehmen ?

Wie schon gesagt, am neuen Album ist nicht die Urbesetzung beteiligt. Das Konzept besteht aus der musikalischen Aufarbeitung meiner Vergangenheit, angefangen beim Krautrock der späten 60er Jahre bis zum aktuellen Rheingold-Sound. Es gab über Jahre musikalische Skizzen, die ich dann seit 2014 weiterentwickelt und produziert habe, einzige Ausnahme ist der letzte Song des Albums „Sternstaub“, den habe ich 1980 für das erste Album aufgenommen und 2010 bei der Digitalisierung unserer alten 24-Spur Tapes wiederentdeckt.

Wie habt Ihr Euch damals auf den klangvollen Bandnamen Rheingold geeinigt ? Wer ist dafür verantwortlich ?

Ich suchte für mein erstes eigenes Projekt vor allem einen deutschen Namen, der auch die Musik widerspiegelte, daher Rheingold

.

Wer macht das Coverartwork bei Euch für die Veröffentlichungen ?

Das Cover des ersten Albums habe ich selbst gemacht, später waren Lothar, Emil Schult und andere beteiligt. Das Cover von „Im Lauf der Zeit“ hat unsere Tochter Nina gemacht, die Fotos dokumentieren eben auch den Lauf der Zeit.

Wie seid Ihr in das Licht der Öffentlichkeit getreten, wo waren die
 ersten Live Auftritte, wie hat sich das entwickelt ?

Unser erster Auftritt mit Rheingold als Trio war auf der Funkausstellung in Berlin 1981. Aber wirklich live hat es Rheingold nie gegeben, nur Playback in TV und Film.

Habt Ihr alle eine musikalische Ausbildung genossen und wie seid Ihr
 an Eure jeweiligen Instrumente gekommen ?

Ich habe drei Jahre am damaligen Robert Schumann Konservatorium klassische Gitarre studiert.

Welche musikalischen Einflüsse gibt es bei Euch, gibt es Vorbilder,
wie sieht Eure Motivation und Inspiration aus…habt Ihr je an englische Texte gedacht ?

Angefangen mit den 60er Jahren von STONES über BOWIE bis OMD, aber auch der frühen deutschen Szene wie CAN, TANGERINE DREAM, NEU!, LA DÜSSELDORF und KRAFTWERK, das waren meine musikalischen Einflüsse, Vorbilder gibt es da eigentlich nicht. Mit englischen Texten haben wir es ja Anfang der 80er ein paarmal versucht, aber die eigene Sprache macht uns doch authentischer.

Was sagt Ihr zum Thema mehr oder überhaupt Radioeinsätze von
 z.b. solch Klängen wie Ihr sie aktuell zelebriert, wie könnte man so was 
mehr anschieben ?

Das Radio heute ist ja sehr Mainstream orientiert, viele Playlists sind vorgegeben und standardisiert. Man nennt das „Formatradio“. Ich sehe uns da eher als „Nischenprodukt“

Wie sieht es mit Videos aus ? Ist das für Euch wichtig Clips 
zu den Tracks für z.b. Youtube und andere Kanäle zu produzieren ?

Diese Frage höre ich oft, es wäre schon wichtig ein gutes Video zu haben, wir arbeiten daran, das ist aber auch eine Frage des Budgets.

Habt Ihr schon Auftritte im Ausland absolviert, wo hat es Euch am 
besten gefallen ?

Wie gesagt, unsere Auftritte beschränkten sich immer auf Film und TV und dann nur in Europa. Wir waren in der Schweiz, in Belgien und Italien. Rom, Mailand und Rimini waren schon beeindruckend.

Was sind Eure All Time Heroes im heimischen Plattenregal ? Was 
zückt Ihr immer mal wieder zum Hören heraus ?

Wir hören relativ wenig Musik zuhause, ich bin täglich in unserem Tonstudio mit Musik unterwegs, da weiß man auch die Ruhe zu schätzen.

Was außer Musik bereichert noch Euer Leben, außergewöhnliche Hobbys 
oder Filme, Bücher ?

Definitiv Bücher und unsere Kinder!

Wie steht Ihr zum Thema Musikpiraterie, also illegal heruntergeladene 
Songs oder ist es für eher kleine Bands ein Vorteil, dadurch eventuell sogar 
bekannter zu werden ?

Ich denke, es ist fair und selbstverständlich, wenn Arbeit und Leistung des Künstlers honoriert und bezahlt werden.

Da ich ein Fan vom guten alten Vinyl bin, wie steht Ihr zur gerade
 wieder auflebenden Vinylkultur ?Veröffentlicht Ihr auch in Vinyl oder 
ist die Zukunft wirklich das digitale Streaming, also Bandcamp und Co. ?

Vinyl klingt in meinen Ohren immer noch besser als digital, aber man sieht ja wie schnell die Entwicklung im digitalen Zeitalter ist, ich denke da wird es in Zukunft noch einige Überraschungen geben. Das Comeback der Vinyl-Scheibe finde ich gut, aber wer weiß wie lange dieser Trend anhält.

Wird es weitere Veröffentlichungen von Rheingold geben, gab es jemals Nebenprojekte oder was wird in der Zukunft noch geplant ?

Nebenprojekte gab es nie, dafür bin ich als Toningenieur/Produzent in unserem Studio fleißig und arbeite seit fast 30 Jahren mit vielen internationalen Künstlern. Jetzt sind wir erstmal mit dem neuen Album beschäftigt, kümmern uns um Promotion oder machen Interviews mit einem Online-Magazin.

(Sven Erichsen)