KLAUS SCHULZE – Eternal (The 70th Birthday Edition) (2CD)

Der Wunsch wird mir sicher nie erfüllt werden, nämlich Alt-Keyboarder und Elektronic-Pionier Klaus Schulze einmal live zu erleben, denn leider ist Klaus gesundheitlich schon länger etwas angeschlagen und wird wohl nicht mehr auftreten, dabei würde ich Alben wie „X“ ( Thematisch mit sechs Künstler Biographien umgesetzt ) oder die legendäre Reihe „The Dark Side of the Moog“ , aber ebenfalls die Klassiker  „Timewind“ ( 1975 ) und „Moondawn“ ( 1976 ) oder „Mirage“ ( 1977 ) und Tracks aus seiner umfangreichen „La vie Electronique“ Reihe sehr gerne einmal auf einer Bühne miterleben. Am 4.8.2017 wurde Synthie-Dino Klaus Schulze nun 70 Jahre alt und hat sich und uns vor allem als langjährige Fans ein schickes Present kredenzt, nämlich die gelungene Doppel CD „Eternal “ mit einem sechsseitigen Digipack, 20 seitigem Booklet mit vielen Fotos und wunderbaren Zeilen zum Geburtstag von dem Grenzwellen Moderator und langjährigen Freund Schulzes Ecki Stieg. Dieses Geburtstagsalbum hatte Klaus Schulze übrigens vor guten 10 Jahren als ein entspanntes Piano-Synthie Album eingespielt und veröffentlicht es nun zur Feier seines 70. Geburtstages, eine wie ich finde, großartige Idee des Elektro Meisters. Natürlich betören die kosmischen Klänge von Schulze wieder einmal außerdordentlich, auf CD 1 der Geburtstags Edition wird uns also ein bisher sozusagen komplett unveröffentlichtes Album mit drei großartigen Kompositionen aus 2006-2007 präsentiert  und enthält mit „Rhodes Romance“ einen über 47 Minuten langen Track, der von seinen pulsierend, treibenden und trippigen Beats und organischen, fließenden und meditativ angehauchten Synthlinien lebt. Beim Track „Minority Report“ mit seinen 13 Minuten mußte ich sofort an den Science Fiction Thriller aus 2002 von Steven Spielberg und mit Tom Cruise in der Hauptrolle denken. Hier hätten die hervorragend futuristisch angelegten Sounds sogar  durchaus zum Film gepaßt. Wiederum geht dafür dann der nächste Song „Mongolia“ mit seinen Ethno-Einflüssen und exotischen Chören und passenden 18 Minuten Länge eher in die experimentiele Richtung. Auf der folgenden CD werden ebenfalls 3 Longtracks geboten, die Klaus dereinst als Demoversionen für Keyboardhersteller aufgenommen hat. Dabei brilliert Track vier „Schrittmacher“ mit melodischen Synthgerüst in 13 Minuten und ebenfalls dabei ist das bisher (allerdings in sehr stark verkürzter Form) bekannte „Ion/Andromeda“, das es speziell hier nun endlich einmal in der fantastischen, fast einstündigen Vollversion mit Vocoderstimmen und seinen sanften Beats  in Verbindung mit „Andromeda / The Grand Trance“ mit den so typischen Sequenzerläufen von Klaus zu genießen gibt. Ich bin der Meinung, das der Elektronik-Pate mit diesem Birthday Doppel Album wieder einmal ein feines Meisterwerk produziert und abgeliefert hat. Klaus Schulze, der für viele Leute in der Elektroszene als Wegbereiter der „Berliner Schule“ gilt und für viele Fans in aller Welt eine Art „Johann Sebastian Bach“ der elektronischen Klangerzeugung darstellt und dafür International gefeiert wird, hatte ja bereits bis 1971 für 3 Jahre bei Tangerine Dream mit Edgar Froese und Conny Schnitzler mitgespielt und am ersten Album von Tangerine Dream mitgewirkt,  bevor er dann zu Ashra Tempel gewechselt ist und dort mit Manuel Göttsching und Hartmut Enke musiziert hat. Auch hier war er am Debütalbum beteiligt und im Jahr 1973 gab Schulze dann sogar schon sein erstes eigenes  Livekonzert, dem viele weitere u.a. in Derby-England, Dresden, Rom, Paris, Hamburg und mit Pete Namlook vor dem Kölner Dom folgten. Als Produzent war er u.a. im Jahr 1978 für die NDW Band Ideal tätig, sowie für Robert Schröder, der ebenfalls ein Synthpionier der alten Schule darstellt und sogar einige Zeit bei Klaus wohnte. Die beiden haben seinerzeit sogar ihre ersten Synthesizer selbst „gebastelt“, wie Robert mir im Interview erklärte.  Soundtrackmässig hat Klaus Schulze z.b. den Score zum Film „Angst“ in 1984 produziert, auffallend waren auch seine CDs zu „Body Love 1 + 2“ – einem Eroticfilm aus dem Jahr 1970. Zudem hat Schulze die Oper „Totentag“ vom österreichischen Lyriker Georg Trakl grandios mit Sängern und Sängerinnen in äußerst professioneller Weise im Jahr 1984 umgesetzt. Legendär sind auch seine Live-Auftritte mit der Dead Can Dance Sängerin und Chanteuse Lisa Gerrard, mit der Klaus Schulze 2008 die Doppel CD „Farscape“  und die Doppel Live CD / DVD „Rheingold“  beim Loreley Konzert aufgenommen hatte. Im selben Jahr leistete er seinen Beitrag zum Schilleralbum „Sehnsucht“ mit dem zeitlosen 12 minuten Stück „Zenit“ ! In 2010 dann trat Klaus Schulze in Japan auf und das Großereigniss wurde natürlich in Ton und Film aufgenommen und als „Big in Japan – Live in Tokyo“ als 2 DVD/CD der Öffentlichkeit präsentiert. Hier ist ihm eine wundervoll musikalische Reise in Optik und Klangvielfalt gelungen.
Mein Fazit : Kopfhörer auf und die „Eternal“ Doppel-CD einfach direkt in den Player legen, Kopfkino an und rein musikalisch in die opulenten Galaxien und anderen Welten des Klaus Schulze beamen lassen, nur bitte die Rückkehr nicht vergessen.

(S.Erichsen)