COH – Plays Everall (PIC-LP)

Ivan Pavlov spielt hier die Stücke des 2014 verstorbenen John Everall, der manchen sicher als „Tactile“ ein Begriff ist.

Es geht hier, wie ich finde, noch einmal um einiges minimalistischer und kühler zu Sache, als man es von den sonstigen Kunstwerken elektrinischer Musik COHs gewöhnt ist, und mehr als einmal fühle ich mich – durchaus positiv – an Computerspielemusik meiner Kindheit erinnert, die natürlich nicht ganz die Eleganz und Klangfülle der Stücke erreicht, die einem hier geboten werden. Sechs Titel sind auf der wunderschön aufgemachten Schallplatte enthalten, das siebte ist nur auf der beiliegenden CD drauf. Das Album beginnt mit den beschwingten Up-Beat „2016“, das einem gleich die minimalistischen Clicks & Cuts einhämmert, während das folgende „Impossible Machinery“ eine irgendwie schwebende Stimmung verbreitet, bevor es mit „Wavetrap“ dann wirklich so richtig schnell und repetitiv weitergeht, wobei man die feinen Töne im Hintergrund zunächst leicht überhören könnte, doch gegen Ende ist es genau das, was von den Elektroklängen übrigbleibt. Gleichermaßen zum Träumen lädt einen „State Calm“ ein.

Es fällt mir nicht leicht, die gesanglosen, reduzierten Klänge COHs hier zu beschreiben, aber „Alone (Mininal Selfie)“ schafft es dann, eine irgendwie sehr melancholische und fast majestätische Stimmung zu verbreiten, dabei erklingen hier (natürlich) nur elektronischen und zudem eher hohe Töne und Klangfarben, trotzdem kommt hier ordentlich Stimmung auf. Eine Stimmung, die das passend „Overbeat“ betitelte Stück am Ende, welches das Labelinfo als „hectic gabber derivate“ bezeichnet, hinwegfegt.
„Hunger“ ist sicher für etliche der interessanteste Track und sosehr ich auch COH mag und schätze, kann ich mich da nicht ausnehmen, da doch fast alles, was mit John Balance (und Coil) zusammenhängt, einen ganz besonderen Reiz ausübt. Und, was soll ich sagen: Ja, es ist ein großartiger Track, nicht nur aber natürlich auch ganz besonders wegen der Tatsache, dass hier John Balances Stimme zu hören ist, „hunger, fierce hunger…“. Allerdings ist dieser Titel bereits als Stück von „Tactile“ erschienen und insofern nichts wirklich Neues. Mir liegen die Lieder nur digital vor, ich kann aber sagen, dass das Album nach allem, was ich online gesehen habe, sowohl akustisch wie visuell wirklich gelungen ist. Auf 333 Exemplare limitiert.  (flake777)