WOLVES IN THE THRONE ROOM – Thrice Woven (CD / LP)

Nach ihrem atmosphärischen Ambient-Werk „Celestite“ (2014), folgt drei Jahre später das sechste Album der gefeierten und mythendurchrankenden US-Band  WOLVES IN THE THRONE ROOM, die noch immer auf einer Farm irgendwo im Nordwesten der USA Gemüse anbaut und sich autark ernährt (so zumindest die einschlägigen Presse-Info), was das Image der Band sehr stark geprägt und zu einer gewissen Kultband deklariert hat.

Nun ist zum neuen Album „Thrice Woven“  überall von der neu erfundenen Stilette „Blackgaze“ zu lesen – sagt zumindest das Feuilleton, in dem die Wölfe bereits seit ihrem Erstlingswerk „Diadem Of 12 Stars“ abgefeiert werden. Das ist natürlich Blödsinn.
Das Brüdergespann Aaron und Nathan Weaver sowie ihr Mitstreiter Kody Keyworth spielen noch immer hypnotisch-melodischen Black Metal, dessen Thematik sich stark mit Naturmystik und der Huldigung zur Naturliebe ausdrückt. Wurde bei den Vorgängerwerken noch versucht die Musik in „Transcedental BM“ oder „Post-BM“ zu klassifizieren, ist es heuer also „Blackgaze“, was möglicherweise durch den verstärkten und begleitenden Einsatz von Synth-Elementen zurückzuführen ist.

Dabei macht das Trio nicht viel anders als auf ihren Überalben „Two Hunters“ oder der starken „Malevolant Grain“-EP. Noch immer klingen die Gitarren entspannend, anstatt aggressiv, was durch den kehligen Schreigesang von Nathan Weaver hingegen seinen direkten Kontrast erhält. Noch immer hämmert das Schlagzeug durch die Songs und noch immer lockern perfekt eingesätzte Traumpassagen die Stücke auf. So haben sich die Amis starke Gäste auf ihr Album eingeladen. Gleich in zwei von insgesamt fünf Songs betört die bezaubernde Schwedin ANNA VON HAUSSWOLFF mit ihrem elfenhaften Gesang und auch STEVE VON TILL von NEUROSIS veredelt „The Old Ones Are With Us“ mit seiner markanten Erzählstimme, während die Gastmusiker Phil Petrocelli und Zeynep Oyku Ylmaz als Zusatzmusiker Percussion- und Grand Harp-Klänge beitragen. Perfekt eingerahmt wird die Atmosphäre der Musik dieses Mal von einem Gemäde des russischen Okkultisten Dennis Forkas, dessen mittelalterlicher Look die Traumwelten der Band stimmungsvoll einfangen und somit von der malerischen Perspektive  komplementieren.

Ein familiäres Gemeinschaftswerk also, organisch dicht und unfassbar atmosphärisch. Und man muss es wieder einmal ins Klischee drehen: „Thrice Woven“ ist ein Black Metal-Album für den nebelverhangenen Waldspaziergang geworden und entfaltet gerade dann seine rituelle süchtig machende Anziehungskraft. Ein nahezu perfektes Album, dass mit jedem Hördurchgang wächst und die Ausnahmestellung dieser Band unterstreicht. Ob für Neueinsteiger oder treue Wegbegleiter – „Thrice Woven“ wird alle befriedigen, die ihren Black Metal gerne naturverbunden, magisch und weltentrückt genießen. Ein Meisterwerk!  (D. Charistes)