HURTS – Desire (CD / 2LP)

Sind HURTS mit ihrem „Weichspüler-Pop für die Massen“ tatsächlich BLACK-relevant? Ich finde schon. Immerhin spielen Theo Hutchcraft und Adam Anderson mittlerweile bei den ganz Großen mit – und freuen wir uns nicht alle hier, wenn 80s-Vibe und Stilsicherheit in der eher gruseligen deutschen Pop-Landschaft den guten Ton angeben?

Mit ihrem vierten Album „Desire“ haben sich die beiden Briten vollends von Erwartungsdruck emanzipiert. Sie bewegen sich längst in ihrer ganz eigenen Klasse. Waren die ersten beiden Studioalben „Happiness“ und „Exile“ noch von einer atmosphärischen Gothic-Note beeinflusst, regieren seit „Surrender“ die großen Gesten und das definitive Selbstbekenntnis, eine Popband zu sein. Stilsicherheit in visuellen Dingen inklusive.

HURTS gehören zweifelsohne zu den erfolgreichsten britischen Newcomer-Bands aller Zeiten, ihre Singles „Wonderful Life“ und „Some Kind Of Heaven“ sind moderne Evergreens. Auch wenn dem Duo immer wieder vorgeworfen wird, sich stets zu wiederholen und allein auf „Trademark-Sound“ und Style zu setzen. Das ist nicht verkehrt, wollten HURTS ohnehin nie Underground sein, sondern viel mehr Schwung und Ästhetik in die europäischen Charts bringen. War das letzte Studioalbum in gewissen Songs nahe an der Kitschgrenze und die balladesken Momente doch etwas überhöht, muss man den beiden Songschreibern zugestehen ihren Sound gefunden zu haben und diesen konsequent weiter auszudifferenzieren – den Ladys gefällts ohnehin, während die Herren  so sein wollen wie Theo Hutchraft: Ikone, Gentleman, Sexsymbol.

Und auch wenn HURTS ursprünglich für Synthie-Pop der Marke TEARS FOR FEARS, ALPHAVILLE oder EURYTHMICS stehen, sind sie doch mittlerweile dann am Besten, wenn die Elektronik gegen Akustikgitarre oder sanfte Piano-Klänge wie im starken Abschluss-Track „Magnificent“ eingetauscht werden und Hutchrafts Stimme ganz alleine die Stücke und ihren fragilen Pathos-Pop trägt.

Selbstverständlich gibt es auch wieder reichlich Disco-Vibe, wie in den Stücken „People Like Us“ oder „Boyfriend“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die beiden Vorab-Singles „Beautiful Ones“, in denen das Duo stark Position gegen Transgender-Gewalt bezieht, und dem anschließenden Hit „Ready To Go“ zünden bereits beim ersten Hören und unterstreichen die kalkulierte Schema Formel eingängiger HURTS-Tracks, für die sie von Millionen Hörern auf der ganzen Welt gefeiert werden.

Natürlich könnte die Musik auf dem vierten Album mutiger, eindrucksvoller, pompöser oder gewagter sein – letzten Endes darf man nicht vergessen, dass sich hier ursprünglich zwei  arbeitlose Kids zur Mission gemacht haben, Pop-Hits für das neue Jahrtausend zu schreiben. Wer hätte gedacht, dass sie mit ihrer Musik einmal Arenen und Stadien füllen werden? Von daher beklatschen wir HURTS zu ihrem  verdienten Erfolg und freuen uns über eine Band, die für Qualität und stilsichere Sorgfaltspflicht im zeitgemäßen Pop-Allerlei steht.

Ein Live-Konzert dieser Formation ist übrigens ein Erlebnis der Extraklasse und sollte durchaus in schwarzer Grazilität besucht werden.  (D. Charistes)