CHROME – Ghostmachine (CD)

Knapp 15 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung auf Dossier ist „Ghost Machine“ nun bei Klanggalerie als remasterte Wiederveröffentlichung erschienen.

Der Digipak sieht schmuck aus, was auch kein Wunder ist, da dessen Gestaltung auf dem Original-Artwork basiert. Der Opener haut einem gleich ein hartes, verzerrtes, repetitives Gitarrenriff um die Ohren, das einem diese sehr schön freibläst, wobei der Titel „Requiem“ und ebenso das völlig abrupte Ende auf einen gewissen Sinn von Ironie deuten: Hier ist sicher mehr und mehr Abwechslung drin. Diese Andeutung wird auch sofort vom zweiten Stück in die Tat umgesetzt, welches zunächst fast nach „harmlosem“, altmodisch rhythmischen Discotrack klingt, dann jedoch durch den Gesang von Helios Creed seinen ganz eigenen, unheimlichen Charakter gewinnt. Bei „Roots“ fräst sich diese Stimme durch und über einen Song, der ansonsten viele Rock’n Roll Elemente beinhaltet, während es bei dem darauf folgenden „The Farm“ ganz deutlich in die (amerikanische) Industrial Ecke geht: Hier erfreuen uns Chrome wieder mit harten Riffs Gitarren und verzerrtem Sprechgesang (für die, die es hilfreich finden, Vergleiche zu hören, sei hier der Name Ministry erwähnt). Experimenteller und komplexer ist der Titeltrack, der sehr ryhthmisch ist und mit minimalistischen repetitiven Melodieelmenten arbeitet und wirkt. Sehr „cool“ finde ich „Parameters“, das einerseits aus Noise-Kollegen (und Feldaufnahmen?) besteht, andererseits aber auch aus entspannten, stellenweise fast meditativen Gitarrenklänge – wobei diese „Stücke“ eben nicht harmonisch ineinander verwoben sind, sondern sich übergangslos ablösen – eben weil man es kann und will, wieso Harmonie? Über die nächsten beiden Tracks bleibt man dem druckvoll harten, dabei immer mal wieder leicht schrägen Sound treu, bevor dann mit „Inner Space“ ein zunächst eher leises, dabei aber alles als minimalistisches Stück beginnt, welches u.a. in einer Röhre (?) aufgenommene Sounds, geheimnisvolles Flüstern und Noise-Loops beinhaltet und auf  achteinhalb Minuten eine ganz eigene Stimmung erzeugt. Beim „Black Plastic Back“ gibt es dann quasi noch einmal eine auf die Zwölf, was die „Stromgitarren“ und die untergehende Stimme angeht. Den Abschluss bildet  das dunkel-dröhnende „Drown“, welches mit Space- und kratzigen Noise-Sounds beginnt und sich dann zu einem der fast schon „poppigeren“ Songs entwickelt, wobei hier Rhythmus und Gesang ziemlich im Rahmen bleiben, ohne dass dabei das Gefühl verloren geht, gleich könnte irgendwie, irgendwo ein akustischer „Ghost“ auftauchen und der ganze Song implodieren (was dann tendenziell sogar nach etwa 6 Minuten kurz geschieht…).

Obwoh ich alles andere als ein Experte für Chrome bin, die es ja nun auch schon seit über 40 Jahren gibt, finde ich dass Ghost Machine ein sehr abwechslungsreiches und gelungenes  „industrial rock“ Album ist, welches sich nicht nur langjährige Fans und Sammler dieser Band zu Gemüte führen sollten. (flake777)