NEUN WELTEN – The Sea I’m Diving In (CD)

Neun Welten – 8 Jahre Abstinenz. Ähnlich lange wie Ihre Labelmates Klimt 1918. Gehörten die frühen Werke doch schon ganz zu den typischen Prophecy-Werken, voll von tiefromantisch Natur-Mystik-inspirierten Folk, Klassik und mehr, so dürfte man gespannt sein, ob man an die alten Werte anknüpft oder wo die neue Reise hinführt. Man durchläuft in so vielen Jahren als Mensch und vielmehr als Künstler sicherlich ne Menge an Wandel und Veränderung, hinterlassen neue Einflüsse musikalisch doch sicher ganz viel neue Inspirationen und Spuren. Wandelte man seinerzeit unter dem Einfluss der Empyrium-weiland Phase, also sehr verwunschener eigenwilliger Mystik-Folk, so hat man eine neue Leichtigkeit im Sound gefunden, die den Neun Welten super zu Gesicht steht. Natürlich ist die Band nicht komplett aus ihrem Korsett gestiegen, alle Trademarks sind erhalten geblieben. Man musiziert weiterhin auf feinen, leisen Sohlen, sehr atmosphärisch-alles riecht nach Wald und Meer. Der Fokus ihres früher doch sehr Folk-lastigen Soundgerüsts wurde aufgepeppt, man lässt Alternative-Rock, Postrock,Shoegaze, Progrock-Elemente wohldosiert hinzuströmen, die den behutsamen Sound aufpeppen, zeitgemässer erscheinen lassen und hoffentlich neue Hörerschichten finden lässt. Erstmalig im Englischen, werden Texte, welche von Edgar Allan Poe inspiriert sind, zum Besten gegeben. Das Kernthema des Albums ist Wasser-ein Element, das sinnbildlich für Romantik und Seelenruhe steht, aber auch für Verheerung und Zerstörung. Diese Extreme versucht man auf irgendwie erzählerische, konzeptionelle Vortragsweise zu vermitteln und das gelingt ob der Soundtrack-artigen Kulisse, die durch wie immer hervorragenden Einsatz der Violistin Aline Deinert(Empyrium) gekennzeichnet ist, und dies letztlich auf sehr emotionale Weise vertont wird. Mit zusätzlicher Hilfe des Produzenten und Soundtrack-Komponisten Matthias Raue(Tatort) und Drummer/Sänger Niko Knappe von den Dark Suns rundete man alles zum Gelingen in Produktionstechnischer Hinsicht ab. Die Platte lebt von einem sehr warmen, differenzierten organischen Sound-den diese Art Musik auch benötigt um sich zu entfalten.Man darf sich an so einiges aus dem Label-eigenen Bandprogramm erinnert fühlen, sei es die nebulöse Traum-artige Aura der Finnen von Subaudition, weiterhin winkt der wehmütige folkloristische pathetische Einfluss Empyriums, vor allem erinnern mich Neun Welten an Projekte wie die schwer melancholischen Shamrain aus Finnland, die in Melancholie-Bädern aufs vortrefflichste sich suhlten, dem Shamrain/Autumnblaze Projekt Scarlet Youth, was auch gerade auf deren Debüt mit tollem wavigen treibenden Rockelementen zu begeistern wusste. Eben gerade dieser leicht rockige Ansatz gibt der neuen Ausrichtung aufs schönste einen Flow über Albumlänge, den man sich sehr schwer entziehen kann. Effektbeladene E-Gitarren, die wehmütige Akkorde weinen, die schluchzende Violine und eine Art von Gesang, eher ein Flüstern, ein Raunen, ein Ahnen, das die Stille des Waldes nicht zu stören wagt-wunderschön. Neun Welten bleiben im tiefsten Herzen Herbstmusik-die Blätter fallen in jedem Song, das Meer spürt den nahenden Winter, und trotzdem erlaubt ein der vorrangig rockige Sound diese neue frühlingshafte Helligkeit erkennen zu lassen. Ob letztlich treibender Sound oder Innehalten, es bleibt stetig ein kraftvoller waviger, angenehm mystisch dunkler Rock von verharrend leisen, intimen bis wirkungsvoll aufbegehrenden Ausbrüchen, die zu jeder Sekunde stimmig funktionieren. Gerade der Gesang, irgendwie angenehm unaufgesetzt, bescheiden, fügt sich in das immer etwas nebulöse traurige Klangbild perfekt ein. Das Album ist als Ganzes durchgehend homogen, Highlights wie die nur wunderschön Herzzerreissenden „drowning“, „the dying Swan“, das Shamrain-like „cursed“(tolle traurige Gitarren) und das treibende „in mourning“ erstrahlen auf besondere Weise. Hier wird in jeder Sekunde mal wieder diese so nötige kraftvolle Melancholie heraufbeschworen, die erlebbar wird durch den einsamen Walk durch Herbstbeschienene Wälder, beim Blick über Steilklippen im nahenden Herbst/Winter-wenn die Natur mit besonders kraftvollen Pinselstrichen gekennzeichnet ist und fühlbar wird. Somit ist „the Sea im diving in“ definitiv für Fans o.g. Bands ein Muss, für Freunde der Prophecy-Kommune sowieso, aber letztlich auch für Liebhaber neofolkiger leicht rockiger Stimmungen, die es lieben sich in stimmungsvollen, Moll-lastigen Farbtönen hinzugeben. Neun Welten bleiben sicher was für Liebhaber von Nischensounds-haben aber mit dieser tollen neuen Veröffentlichung einen grossen Schritt getan, da die Zugänglichkeit, die gewisse Leichtigkeit, das angenehm Rockige doch eine neue Offenheit in der musikalischen Ausrichtung beweist und ich wünsche dieser sympathischen Band alles Gute auf diesem Weg!

(R.Bärs)