EDEN – The Edge Of Winter (CD)

Für die Australier von Eden muss man schon ein Paar Jährchen zurückblicken. Veröffentlichte man 1992 den absoluten Geheimtip „Gateways to the Mysteries“-ein Album, was damals bereits und auch später irgendwie selten bis nie erhältlich war und letztlich schon seinerzeit schnell zu einem absoluten Geheimtip in der Gothic/Wave/Etherial Szenerie wurde. Diese Platte galt unter Insidern als eine der wenigen ernsthaften Alternativen zu den grossen Dead Can Dance-wurden hier auf kongeniale Weise Elemente aus Wave/Goth vermischt mit Psychedelic/Tribal/Ethno/World-Music. Der Nachfolger aus dem Jahre 1997 „fire and rain“ viel dann noch um einiges organischer, introspektiver und vor allen Dingen ätherischer aus, tauchten Eden hier in psychedelische Traumwelten ab, die traditionelle wavige Goth-Gitarren und vor allem viel ambiente Klangwelten offenbarte, die den Hörer tief in die Welt von Bandleader Sean Bowley tauchen ließ. Diese Veröffentlichung auf einem der prägendsten Label der 90s für ätherische Wave-Music Projekt Records(good old times) ließ trotz seines sehr experimentellen Ansatzes auf weiteres Großes hoffen, blieb dann aber das letzte musikalische Lebenszeichen der Band. Nun knapp 20 Jahre später tauchen die Australier wie aus dem Nichts wieder auf, debütieren im Schauspielhaus beim WGT mit tollen visuellem Setting und neuer CD „the edge of Winter“. Musikalisch keine reine Winterplatte-steigen Eden mit dem epischen „Death of a Diamond“  aufs einfach nur schönste in diese Art ätherischer Gitarrensounds ein, die man als Fan in den 90s von Bands wie Love Spiral Downwards, Slowdive, Lycia, This Ascension und vielen mehr so sehr lieben gelernt hat. Wehmütige, sehnsuchtsvolle Effekt-beladene Gitarren, auf denen der schon immer so ausdrucksstarke Gesang Bowley´s thront, der dem von Brendan Perry(Dead can Dance) nicht unähnlich ist und war.

Ich muß gestehen, als Fan dieser Etherial-Wave Sounds schien mir dieser Sound irgendwie verloren, schienen relevante Bands in den letzten Jahren absolute Seltenheit geworden zu sein. Ich wagte nicht mehr darauf zu hoffen, mit solchen Schönklang in Berührung zu kommen bzw. Melodien zu hören, die an die Hochzeiten dieser Heavenly Voices/Etherial Wave Grosstaten heranreichen könnten. Glücklicherweise hat sich Bowley nach all den Jahren mit einem Album zurückgemeldet, was alle wichtigen Zutaten mitbringt, das alte Waver-Herz wieder wachzukitzeln und mit romantisch verklärten Sounds milde zu stimmen.  Mit Songs wie den wunderschönen „Girl with the Violin“ oder „all the time in the world“ bekommt man die volle Dosis perlende Wave-Gitarren, Joy Division-like Bass-Akkorde und der jederzeit Pathos-getränkte Gesang Bowley´s. Waren es bei „fire and rain“  noch vorrangig psychedelisch ambiente Untiefen, so malen Eden auf diesem Comeback bis auf wenige Ausnahmen in warmen basslastigen Gitarren-Arrangements, die eine gewisse zeitgemässe Nähe zu Shoegazer-Grössen wie Slowdive und vor allem den australischen Helden von The Church nicht unähnlich sind. Man schafft den perfekten Schulterschluss aus klassischen Wave aber auch zeitgemässen Indie/Alternative Sounds, sind doch gerade in letzter Zeit diese poppigen psychedelischen Gitarrensounds wieder sehr im Trend. Benannte Ausnahmen sind das sehr mystische „suantriade“-ein sehr an Dead can Dance mahnender Song. Auch der Titelsong schlägt die Brücke zu den alten Veröffentlichungen, erhebt Bowley seine mächtige Stimme hier sehr choralartig zu dunklem Ambient, sehr spirituellen Flächensounds…hat dann fast was vom großen Scott Walker.

Im weiteren Verlauf begeistern das nur wunderschöne wavige Gitarrenpop-Stück „perfume Garden“,welches mit treibenden, perlenden Rhythmen tief in die Glanzzeiten des 80er Gitarren-Wave zurückschaut und somit jeden Freund dieser verklärten Klänge so manch Freudenträne bescheren sollte. Das gleiche gilt für die folgenden „December“(7min) und vor allem den 9-Minüter „fryerstown, welche durch die tolle warme Produktion den Hörer mit abermals herrlich melancholischen Akkorden tief eintauchen lassen-fantastisch, wie diese Songs nicht enden wollen und die Gitarren den Hörer sehr, sehr weit in ein Meer aus Wolken hinaustragen-so muss diese Art Etherial-Wave klingen! Perfekt und ich will ehrlich sein, in dieser Qualität lange nicht mehr zu hören gewesen. Irgendwie fühl ich mich so manches Mal auf sehr positive Weise an die geniale „After everything ..“ der australischen Wave/Psychrock-Helden von The Church erinnert, die auf besagten Album auch auf letztlich unspektakuläre Weise ein eintauchen in atmosphärische Klangwelten ermöglichten, denen man sich immer wieder hingeben wollte. Tolle Melodien, sphärisch dunkel, sehr breite episch angelegte Songs(tolle warme tiefe Produktion), die eine Unendlichkeit, Zeitlosigkeit ausstrahlen, ja irgendwie glücklich machen lassen. Da könnte man böswillig meinen, das wäre zu langatmig-im Gegenteil, wunderbar wie Eden den Songs einen Raum zur Entfaltung gewähren, feine psychedelische Gitarrenmuster mit poppigen Wave verschmelzen, verführt einem zum ständigen Dauer-Repeat.  Das verspielte Ethno-angehauchte Instrumental „Sky above“und der instrumentale Rauschmeißer „Winter“ ein wunderschöner dunkler Wave-Track, lassen ein Album ausklingen, was für mich wie aus dem Nichts erscheint, und mich auf nur positive Weise an sämtliche Grosstaten dieses Stilistik erinnern und nach vielen Jahren mit Mangel an relevanten Veröffentlichungen den Glauben zurückbringt, was im Bereich des ätherischen Gitarrenwave tatsächlich noch möglich ist. Eden machen die jahrelange Abstinenz vom Business mit einem der jetzt schon wertvollsten Alben des Jahres 2017 aufs eindringlichste wieder gut. Danke Sean Bowley und Mitstreiter.

 

(R.Bärs)