SOLSTAFIR – Berdreyminn (CD)

Solstafir liegen sicher seit den letzten beiden Veröffentlichungen voll im Trend, soll heissen das ähnlich Sigur Ros, viele Hörer zwischen Metal, Alternative und Pop auf die Nordlichter aus Island abfahren. Der gemeinsame Nenner ist hier mal wieder ein dickes Plus an Atmosphäre und Individualität, welche natürlich vor allem durch den isländischen Gesang seine Exotik geniesst.

Solstafir speisen aus der Kraft des nordischen Metals, der Dynamik des Postrock, der Geradlinigkeit des 80er Wave/Gothrock und ihrer letztlich unverwechselbaren Herangehensweise, die Vergleiche schwierig macht. Sangesbruder Addi hat diese emotionale Kraft in der Stimme (er wimmert ach so herrlich), mit der er jeden Freund rockiger dunkler Klänge sofort im Boot hat. Ein weiteres dickes Plus auf der Habenseite Solstafirs ist die Kunst, völlig umbemüht aufs seeligste zu rocken, den Sonnenuntergang immer vor Augen, das vor allem mit einer Leidenschaft, bei der kein Auge trocken bleibt. Solstafir lieben das Spiel mit der Dynamik, oft werden simple rockige Strukturen in intensive rauschartige Monster verwandelt.

Diese Feinheiten wurden zuletzt von Album zu Album verfeinert, veredelt.. ja weicher gemacht. Manch Fan der 1.Stunde wird vermutlich sagen, eher poliert. Ich denke das wird den Isländern nicht gerecht, lebt auch dieser neue Longplayer aus dem Wechselspiel kraftvoller nordisch schimmernder Sonnenuntergangs-Hymnen, psychedelisch balladigen Parts und dieser Solstafirschen Leidenschaftlichkeit, die dieser Band eine absolutes Alleinstellungsmerkmal verpasst. Bereist der Opener „Silfur-refur“ lässt alle wichtigen Solstafir-Dynamik Momente blitzen, rauschartige Wall of Sound Gitarrenberge, Orgel-artige Psychedelic Untermalung, und der ach so typisch flehende Gesang bemühen wieder aufs blumigste Bilder des einsamen Wolfes, der auf abseitigen Pfaden dem Sturm trotzt. Bei dem folgenden „isafold“ lassen Solstafir auf irgendwie kauzige Weise ganz traditionelle Classic Rock Riffs den Song einleiten, um nur kurze Momente später mit viel Augenzwinkern die grossen Fields of the Nephilim(psychonaut) mit fast identischen Bassläufen zu huldigen. Herrlich-und letztlich durch den prägnanten Gesang ist es am Ende trotzdem ein typischer Solstafir-Stampfer! Das darauf folgende „Hula“ hat diese weiche Seite eines Band-Klassikers wie „fjara“, elegisch, schleppend, für Solstafir-Verhältnisse sehr weich und poppig. Man steht staunend mit Blick aufs Nordlicht-geblendet von so viel Anmut-zum Weinen schön. Herrlich melancholisch allemal-fürs driften im eigenen Kopfkino wie gemacht-könnte ruhig viel viel länger als die knapp 7min gehen.Was ne Schande bei den tollen Chören im Background!

Spätestens nach dem Dreierpack ist man wieder voll im einsamen Kosmos der Isländer angekommen, der einen gerade unter Kopfhörer schön rausträgt und man um so besser versteht, warum diese Band immer mehr Hörerschichten ergaunert. Diese Kraft in der gesanglichen Emotionalität gepaart mit dieser unverwechselbaren kraftvollen Rockigkeit, die irgendwie unwiderstehlich kickt-das eint sie mit Bands wie Anathema, Katatonia,Dredg,Sigur Ros uvm., ohne da musikalische Parallelen ziehen zu wollen. Nur wird bei beispielsweise diesen Bands eben das Mass an Atmosphäre, Emotion über Szenezugehörige Schemata gestellt. Solstafir reizen immer mal wieder die Soundbreite aus(hvit saeng), in dem sie ein Restmaß an kraftvollen Metal-Riffs kurzzeitig messerscharf integrieren um auf die Schnelle in Schwerelosigkeit zu verfallen, die mit Streichern und dronigen Bässen Sigur Ros Momente herbeiruft. Und sie klingen dabei immer so verdammt schmissig dahinrockend, das vor allem Live die Vorfreude auf so manch neuen Song gross sein wird.

Das dann folgende „dyrafjordur“ atmet eine postrockige Schwere, Weite Verlorenheit…wunderschön. Elegische Pink Floyd Anklänge in den Gitarren, viel Echos und Hall, sehr ausladend. Im letzten Song des Albums „blafjall“ wird nochmal alles gebündelt, Orgellike Untermalung, rocken sich Solstafir mit witzigerweise z.Teil sehr an alte Fields of the Nephilim Gitarrenlicks durch ein Meer an Kunstnebel, lassen kurzzeitig dicke Metal Riffs stampfen, um dann gen Ende nochmal richtig wild metallastig abzugehen. Geil und perfekt zum Rausschmiß!

Gut das man letztlich mit Songlängen weitab des Mainstreams konsequent um die 7min jedem Song seinen Raum zum Atmen, zur nötigen Vereinnahmung des Hörers gibt-ja so muss diese Art des schwermütigen nordischen Sounds eben auch angelegt sein. Man will sich schliesslich darin verlieren dürfen-über Berge fliegen, in Vulkane schauen, dem Nordlicht einen Seufzer voller Demut schicken, angesichts dieses Schönklanges. Die Produktion tut ihr übriges, lässt sie mit leichten 70s Anleihen Raum für die Instrumente, immer leicht hallig,der Leidenschafts-Gesang Addis natürlich ein wenig im Vordergrund, die Drums gleichzeitig kraftvoll aber luftig, immer mit dem nötigen Druck, Gitarren die im richtigen Moment bratend aber auch mit der Eleganz für die nötigen Zwischentöne,um die so spezielle Dynamik eines Solstafir-Songs herzustellen. Seltsam die teilweise deutlichen Kritiken mancher Seiten, sicherlich sind manche Kanten geglättet, doch am Ende steht ein sehr kompaktes, kraftvolles Nordlicht-Rock Album, was von ruhig bis kraftvoll alle Dynamiken abdeckt, emotional wie eh und jeh packend…man darf wie immer mit Solstafir in der schwarzen Wüste in den ewigen Sonnenuntergang rocken. Empfehlung!

(R.Bärs)