„Meine musikalischen Wurzeln liegen sehr stark in den 80er Jahren“ – Interview mit PURWIEN

Was als Elektro/Synth/Wave Duo im Jahre 1987 und dem Bandnamen -Second Decay – mit eingängigen und poppigen Englisch / Deutsch sprachigen Texten und kreativen Melodieführungen  in der Besetzung – Andreas Michael Sippel (Musik) und Christian Purwien (Sänger + Texter) begann, nimmt aktuell seine Fortsetzung mit den Soloaktivitäten von Christian Purwien !

Das Retro Kult Duo Second Decay bediente sich fast komplett analoger Synthesizer-Sounds/Keyboardklängen und zelebrierte den Fans „Träume und Melodien“ – soll heißen, tanzbare sowie melancholische Elektro Ohrwürmer wie z. b. die Szene Hits „I hate Berlin“, „Anders sein“  oder „I`m Leaving“ und „Hinter Glas“ aus der Fulltime Platte von 1994 mit Namen „Taste“ – dem wohl auch bekanntesten Album, auf dem sich sogar ein schicker Covertrack vom 70ziger Jahre Disco Evergreeen „Born to be Alive“ befand.  Ein paar Alben später haben Second Decay auch noch den Song „Das steht Dir gut“ von Rheingold grandios eingespielt. Ebenfalls guten Anklang fand das Frühwerk und durch Elan und Eleganz getriebene Platte “ La Decadence Electronique“ aus dem Jahr 1992 mit den Tracks „A Kind of Dream“ und „Chronomatic“ – hier sollten vor allem John Foxx und Gary Numan Fans einmal, soweit noch nicht geschehen, unbedingt hinein hören. In den Texten des Duos ginge es meistens um Aufklärung, Romantik, Bitternis, Verzweiflung und Abrechnung –  eine gewisse melancholisch, unterschwellige Traurigkeit war immer dabei. Es fehlte wohl zum ganz großen Durchbruch damals nur ein Majorlabel….aber dazu und zu aktuellen Fragen und Projekten stand uns Christian Purwien Rede und Antwort.

Hallo Christian, seit deinem Konzert in Hannover habe ich wieder meine Platten von Second Decay und dein Soloalbum mit der markanten Purwien Stimme in der Endlosschleife am Start, daher meine erste Frage zum Einstieg – wie/wo/wann hast Du dereinst die musikalische Welt für Dich entdeckt, wann war die Gründung?

Es gab ja keine wirkliche Gründung, da Purwien ursprünglich als reines Soloprojekt entstanden ist, die Bandsache hat sich dann daraus entwickelt. Die Arbeit an dem Material für mein Album habe ich bereits 3-4 Jahre vor der Veröffentlichung 2007 begonnen.
Wie kam es zu Eurem Bandnamen Second Decay und wie war Eure Ausrichtung geplant und schließen deine neuen Songs nahtlos an die „Vintage Retro Analog“ SD Vergangenheit an?

Der ursprüngliche Name war Decay in Bezug auf eine Funktion am Synthesizer. Das Second kam dann dazu, da es schon eine Band mit diesem Namen gab.

Wie seid Ihr in das breite Licht der musikalischen Öffentlichkeit getreten, will sagen, wo waren die ersten Auftritte mit SD oder gab es bei Dir gar ein musikalisches Leben davor?

Unsere erste gemeinsame Band hieß Blue Velvet und wurde 1985 zu dritt gegründet. 1987 haben wir (Andreas und ich) dann zu zweit weiter gemacht.

Wer hat bei Dir die Coverartworks z.b. bei der CD „Eins“ erstellt , hast Du da eine eigene Agentur für?

Nein, das Coverartwork habe ich mir selbst augedacht, bis hin zu Puppen die dort zu sehen sind (die habe ich selbst gebastelt) … gelayoutet hat das dann Marcel Schlepp (unser geliebter Trommler).

Hast Du eine musikalische Ausbildung genossen und welche musikalischen Einflüsse sind bei Dir am wichtigsten, gibt es Vorbilder?

Nein ich habe keine Ausbildung. Es gibt wirklich unzählige Musiker und Bands die ich mag, wobei ich hier nicht unbedingt von Vorbildern sprechen würde. Meine musikalischen Wurzeln liegen sehr stark in den 80er Jahren.

Mit welchen Künstlern der Szene und außerhalb verstehst Du Dich am Besten ??

Ich habe in all den Jahren viele Musiker kennen gelernt und auch mit vielen zusammen gearbeitet. Ich freue mich immer wieder auf Konzerten oder Festivals alte Kollegen wie z.B. Welle Erdball, Beborn Beton, And One oder Melotron zu treffen.

Wie werden die Songs bei Dir im Arbeitsprozess (Studio) aufgenommen, z.b. das fantastische Album „Eins“  gibt es da ein bestimmtes Konzept für oder woher nimmst Du Deine musikalischen Themen?

Die meisten Songs von „Eins“ habe ich Zuhause geschrieben und später mit Steffen Neuhaus (Keyboarder) produziert. Die Songs des neuen Albums „Zwei“ habe ich alle zusammen mit Thomas Kowa auf Ibiza geschrieben und produziert.  Deshalb wird das Album , das im August nun endlich erscheint auch unter dem Namen -Purwien und Kowa- erscheinen.

In 2017 soll dann auch auch eine Nachfolge CD für „Eins“ erscheinen, zusammen mit einem Roman Namens „Pommespornopopstar“ – erzähl uns bitte etwas darüber?

Ja der Roman wird sogar vor dem Album , am 6 Juli erscheinen…Dazu gibt es viel zu erzählen, deshalb hier einfach mal der Klappentext des Romans: Kein Hit, zwei Musiker, drei Probleme. Millionen haben ihre Platten nicht gekauft, Hunderttausende ihre Konzerte niemals besucht und jeden Abend übernachten dutzende Groupies weit entfernt von ihrem Hotelzimmer. Kurz und gut: Purwien & Kowa sind die unerfolgreichste Band der Popgeschichte. Und nun müssen sie innerhalb von nur einer Woche ein Hitalbum schreiben, sonst werden sie von den Hells Angels exekutiert und von der Deutschen Bank gevierteilt. Die beiden fliegen nach Ibiza, nehmen in Rekordzeit eine CD auf und steigen der Vorzimmerdame des erfolgreichsten CEOs der Musikindustrie hinterher, um einen Termin bei ihm zu ergattern. Doch sie haben nicht mit schwerhörigen deutschen Touristen, der Plattenfirmenputzfrau und Gott höchstpersönlich gerechnet. Denn die wollen alle ein Wörtchen mitreden, was ein Hit ist und was nicht.

Was hälst Du von der Idee eure großartigen ersten Alben von SD – einmal als Unplugged Gitarren Versionen zu erstellen, zündet sowas?

Ich glaube nicht das dies funktionieren würde, dafür ist das Album einfach zu statisch, das würde sich nur sehr schwer umsetzen lassen.

Was sagst Du zu dem „Kavaliersdelikt“, der CD Piraterie, wenn also Songs von Musikern von irgendwelchen Seiten illegal heruntergeladen werden?

Das ist eine Realität mit der wir uns „leider“ abfinden und arrangieren müssen. Die Büchse der Pandora ist nun mal geöffnet und wird sich sicher nicht wieder schliessen lassen. Ich glaube es gab einen Punkt, an dem man das hätte durchaus verhindern können, aber dazu hätten einfach alle an einem Strang ziehen müssen.

Und wie ist Deine Meinung zum leidigen Thema – mehr Radioeinsätze – von z.B. der Musik, wie Du sie zelebrierst? Wie kann man solchen Sounds wieder zu mehr Radioeinsätzen verhelfen?

Gar nicht bzw. nur als Nische und genau darin liegt und lag schon immer das Problem. Radiosender sind kommerziell ausgerichtete Wirtschaftsunternehmen, indem für Musik wie unsere einfach kein Platz ist.

Wie stehst Du zur wieder aufflammenden Liebe der Vinylkultur, ist die CD demnächst ein aussterbendes Medium  und ist die Zukunft tatsächlich der digitale Megatrend – das Streaming ( Bandcamp und Co. ) ?

Ich liebe Schallplatten und viele andere anscheinend ja auch, entgegen jeder Prognose kaufen so viele Leute wieder Vinyl, das finde ich cool. Es ist nur schade das das passiert, nachdem die meisten Presswerke bereits geschlossen wurden. Ich finde Streaming total unsexy, wenn ich eine Band oder einen Song gut finde, möchte ich ihn besitzen und nicht für eine limitierte Zeit ausleihen.

Wie sieht es mit Videos aus, ist Dir das wichtig in Audiovisuellen Zeiten so etwas zu produzieren, es gibt ja zu einigen Songs von Dir tolle Clips?

Ja durchaus. Ich betreibe selbst eine Videoproduktionsfirma und es wird auch zum neuen Album eine Menge Videomaterial geben.

Ihr habt als SD schon viele  Auftritte im Ausland, z.B. Brasilien, absolviert, wo war es am besten und wirst Du selber wieder zur neuen CD touren?

Ja das ist gerade in Planung, ich werde im Herbst/Winter mit dem neuen Material live spielen und auch Lesungen zum Roman machen.

Was sind Deine All Time Heroes im heimischen Plattenregal?

Ups, da gibt es wirklich zu viele. Um einige hier mal zu nennen, hier mal stellvertretend….

David Sylvian, Stephan Eicher, Andreas Dorau u.v.a.

Was hatte es eigentlich mit dem „Bewerbungsvideo“ für Stefan Raab auf sich, wie kamst Du auf die skurrile, ironische Idee?

Ich dachte ich würde da gerne mal hin und mir von Stefab Raab persönlich sagen lassen das unsere Musik doof ist-naja, hat ja leider nicht geklappt.

Was möchtest Du in naher Zukunft mit Deinen Projekten noch erreichen, eventuell mal einen thematisch passenden Film komplett vertonen oder einen Song zum Tatort beisteuern wie früher die Tracks von Frank Duval?

Ja warum nicht, Tatort wäre sehr gut, keine schlechte Idee.

Ich fand schon den Dieter Bohlen Tatort Track „Midnight Lady“ super!!!

 

(S.Erichsen)