MICK HARVEY – Intoxicated Woman (LP/CD)

MickHarvey_IntoxicatedWomen_Packshot-584x584Mit „Intoxicated Woman“ legt Ex-THE BAD SEEDS Mick Harvey das schon vierte Album mit englischsprachigen Cover-Versionen von der französischen Skandal-Musiker-Ikone Serge Gainsbourg vor. Waren die beiden Vorgänger „Pink Elephants“ und „Delerium Tremens“ mehr was für die Spezialisten unter den Gainsbourg-Fans, bedient sich „Intoxicated Woman“ (wie schon „Intoxicated Man“) bei den eingängigeren und erfolgreicheren Phasen des Meisters. Für die insgesamt 15 neuen Interpretationen hat er sich reichlich weibliche Unterstützung geholt, wenn auch die göttlich-laszive Anita Lane leider wieder fehlt und auch die eigentlich naheliegende PJ Harvey, in deren Band ja der bekanntlich nicht verwandte und verschwägerte Mick Harvey ebenfalls federführend ist. Dafür leisten Andrea Schröder, Channthy Kak, Xanthe Waite, Sophia Brous, Lyndelle-Jayne Spruyt und Jess Riberio, so wie sein Sohn Solomon Harvey reichlich vokalische Beihilfe. Mit dem Hit „Je T’aime…“ geht es als Einstieg gleich in die Vollen, wenn auch dieser erotische Klassiker diesmal nicht ins Englische übertragen wurde (weil er das schon in den 90ern zusammen mit Anita Lane und Nick Cave getan hat), sondern auf Deutsch zusammen mit Andrea Schröder gestöhnt wird. Die dunkel-.rauchige Stimme (und wohl nicht nur die) des neuen deutschen „Mädchenwunders“ hätte Serge Gainsbourg sicher auch gefallen und deshalb darf sie im weiteren Verlauf des Albums gleich noch zwei Mal ran. Wenn auch die anderen Beteiligten dann nicht so prominente Namen wie Jane Birkin, France Gall und Brigitte Bardot bei den Originalen haben, so sind sie ihnen zumindest stimmlich ebenbürtig. Selbst wenn Mick Harvey musikalisch einen Teil der Songs reduziert und somit ihrer typischen Schwülstigkeit beraubt oder diese gar atmosphärisch in die australische Wüste transformiert, sind immerhin „Contact“, „Striptease“, „Cargo Cult“ und der Grand Prix-Siegertitel „Puppet Of Wax, Puppet Of Song“ von 1965 immer noch als frankophile Klassiker zu erkennen. Letztendlich muss ich selbst gestehen, das mich damals in den 90ern Mick Harvey mit Serge Gainsbourg sozialisiert hat und eventuell geht es ja jetzt 20 Jahre später einigen Leuten genauso, in dem sie diese wirklich empfehlenswerte Reihe gerade erst entdecken. Laut Harvey ist mit „Intoxicated Woman“ das Kapitel Gainsbourg jetzt abgeschlossen, was ich etwas schade finde, denn die berühmte Reggae-Phase des Meisters wurde bisher nicht in dieser Reihe berücksichtigt und zum Beispiel eine Version von „Daisy Temple“ hätte ich schon interessant gefunden. PS: Achtung – die Vinyl-Ausgabe des Albums hat zwei Songs weniger gegenüber der CD bzw. bietet diese leider nur im Download-Code mit an! (Marco Fiebag)