KIM KI O – En Az Iki, En Fazla Sekiz / Digerleri Nerde? (MC)

1Was wissen wir eigentlich über die türkische Musikszene? Ok, der Pop-Sänger Tarkan war in den 90ern auch in Europa ein Begriff, aber sonst schwappte außer Gastarbeitern, Flüchtlingen, Asylanten und Immigranten nicht viel zu uns herüber. Wie es um die musikalische Underground-Szene dort bestellt ist, kann man nur mutmaßen, aber zum Beispiel die Cold Dark Wave-Band SHE PAST AWAY könnte sich in den letzten Jahren einen Namen in der Gothic-Szene machen, zumindest in den Teilen, die sich inzwischen wieder verstärkt an den Wurzeln der Bewegung orientieren. Und dann wären eben auch noch das weibliche Duo KIM KI O, die 2009 völlig überraschend auf der „Radio Resistencia“-Compilation von Enfant Terrible auftauchten und dieser starke Auftritt wenig später die phantastische 12“ „Dans“ dort nach sich zog. Ihre charmant-putzige Mischung aus Lo-Fi-Synth-Sound, minimaler Beat-Box-Rhythmen, rauen Basslines und türkischen Shoegazer-Gesang begeisterte damals auch Hans Johm von ANTLERS MULM, der jetzt auf seinem Label Sea State die ersten beiden CD-R’s aus dem Jahre 2007 bzw. 2008 von KIM KI O im Tape.-Format wiederveröffentlicht. Jenes analoge wie „warme“ Format ist natürlich bestens geeignet, den DIY-Kosmos von KIM KI O authentisch wieder coverzu geben, der sich für mich so klingt, als hätten die frühen NEW ORDER mit THE CURE und MY BLODDY VALENTINE eine Demo-Session gemacht. Insbesondere das so schroff-grummelnden Bass-Spiel steht im starken Kontrast zu dem verhuschten Gesang der Mädels, was jedoch gerade den Reiz von KIM KI O ausmacht. Natürlich ist das exotischer Stoff für Spezialisten und Liebhaber, aber wenn man schon mal die Möglichkeit geboten bekommt, in den Underground-Sound fremder Kulturen reinzuschnuppern, sollte man nicht lange zögern! Beide Magnettonbandkassetten sind liebevoll gestaltet, auf jeweils 80 Exemplare limitiert und mit Download-Code + einem zusätzlichen Sticker versehen. PS: Ebenfalls sehr empfehlenswert der Beitrag von KIM KI O für die ANTLERS MULM-Remix-Kassette „The Moon Bog: Other Tours“, wie überhaupt! (Marco Fiebag)