PAINKILLER – Execution Ground (2LP)

a2459095065_10PAINKILLER waren Anfang der 90er Jahre fast schon ein Superlativ für ein grenzwertiges All Star-Projekt, welches durch John Zorn (NAKED CITY), Bill Laswell und Mick Harris (NAPALM DEATH) betrieben wurde. Die ersten zwei Alben wurden über die Extrem-Metal-Institution Earache veröffentlicht, womit das eigentlich Experimenten aufgeschlossene Label schon damals seine Grenzen auslotete. Die Nerven aufreibende Fusion aus Free Jazz und Grind Core war wahrlich nichts für gemeine Hörer, die in ihren selbstauferlegten Genre-Mauern gefangen waren und verstörte selbst beinharte Industrial-Jünger. So fragte auch mal meine Tochter völlig entsetzt beim hören von PAINKILER, ob die da eigentlich gerade ein Schwein schlachten?! 1994 folgte dann mit „Execution Ground“ ein Doppel-Album, bei dem der Dub- und Ambient-Einfluss mehr betont wurde, was sich auch in der deutlich erweiterten Länge der einzelnen Tracks manifestierte. Insbesondere der zweite Teil bzw. die zweite CD von „Execution Ground“ bestach durch herrlich rollende Bass-Attacken, morbide Ambient-Atmosphären mit Verwesungsgeräuschen und unheimliche Vokal-Fetzen, was letztendlich jedoch ein deutlich ausgeglicheneres Hörbild gegenüber dem skizzenhaften Grind Jazz-Gefrickel der ersten beiden Werke bietet. Die insgesamt 5 je rund viertelstündlichen Tracks stellen für mich das Opus Magnum von PAINKILLER dar, denn danach verließ Mick Harris das Projekt und man trat in wechselnder Besetzung nur noch ganz selten Live in Erscheinung. Die gerade angesprochene Länge der Tracks auf „Execution Ground“ war sicher auch ein Grund, warum das Album damals nur im CD-Format bei Subharmonic erschien, wobei sich meiner Meinung nach gerade der digitale Tonträger im Ambient-Genre anbietet wie perfekt eignet. Karlrecords hat sich nun an dieses Thema gewagt und „Execution Ground“ erstmals im Vinyl-Format veröffentlicht. Da ja wie bereits erwähnt das Konzept des Albums eigentlich auf das digitale Longplay-Format zugeschnitten war, ist dieses an sich löbliche Vorhaben allerdings etwas differenzierter zu betrachten. Theoretisch hätte es für das Vinyl-Format 5 Vinyl-Seiten benötigt, um dem gesamten Material seinen Platz einzuräumen, was am Ende eine 3fachLP mit einer unbespielten Seite bedeutete hätte. Wahrscheinlich in Ermangelung eines Bonus-Tracks, Remixes, Eatchings oder in Abwägung der hohen Kostenfrage wurde deshalb der Track „Pashupatinath“ einfach weggelassen bzw. ist nur im Download mit inbegriffen. Etwas unglückliche Entscheidung deshalb, weil jenes Stück auch als Ambient-Version auf dem Album zu finden ist und somit der Vergleich wie quasi das Herzstück von „Execution Ground“ fehlt. Zur Haptik und Fertigungsqualität der auf 500 Exemplare limitierten 180g-Pressung kann ich leider auch nichts sagen, da mir das Album nur als Promo-CD-R zur Verfügung stand, was in Anbetracht einer erstmaligen Vinyl-Veröffentlichung eigentlich irgendwie sinnlos ist. Stellt sich am Ende nur die Frage, ob denn inzwischen wirklich alles auf Krampf im Vinyl neu aufgelegt werden muss, selbst wenn das Ausgangsmaterial gar nicht dafür konzipiert ist und nur, weil der Markt dafür gerade boomt?! (Marco Fiebag)