RAPOON – Song from the End of the World (CD)

Rapoon-8263702-1458339493-4761„Song from the End of the World“ ist bereits das zweite Album von RAPOON auf dem italienischen Glacial Movements Label, welches uns seit einigen Jahren mit ‚arktischen‘ Klängen des Cool Dark Ambient, oder wie man es nennen will, erfreut. Nachdem „Time Frist“ (2007) sicher als einer der Höhenpunkte der Reihe zu bezeichnen ist, hatte ich einige Erwartungen an dieses neue Album, die keineswegs enttäuscht worden sind. Ein wenig überraschend sind anfangs vielleicht die recht warmen, organischen Klänge, mit denen man bei „We travelled in waves“ empfangen wird: Melancholische, irgendwie staubig klingende Loops und minimalistische Melodiefragmente, die einen eine gute Viertelstunde angenehm einlullen. Thematisch wird es dann mit „A listening ice“ klassischer, d.h. kälter, doch auch hier verbreitet ein alles andere als unterkühlt klingendes Vibrieren akustische Spannung, während im Hintergrund Melodie- und leichte sogar Rhythmuselemente zu vernehmen sind: Das Eis hört – und im Eis gibt es einiges zu hören. Mit etwas Gesang (!) überrascht dann das kurze „call of tongues“, während man ansonsten weitestgehend dem instrumentalen Dark Ambient verhaftet bleibt, der allerdings z.B. beim nächsten Song, „A Prophecy lies under“, von getragenen Streichinstrumenten geprägt ist, was wiederum die ‚warme‘ Note dieses Albums ausmacht, aber das Ende der Welt, hier wohl eher geographisch als ‚apokalyptisch‘ zu verstehen, muss ja durchaus nicht nur Kälte evozieren. Genau diese Kälte ist es dann jedoch schließlich, die sowohl „An answer in ice“ als auch der folgende Track verströmen, der kalte, über die Weite streichende Nordwind ist zwar natürlich nur gesampelt, verbreitet jedoch durch Boxen oder Kopfhörer eine ungeheure Atmosphäre. Mit „The sky dances in green“ mündet die akustische Reise fast in weißes Rauschen, auch hier bleibt der Wind an unserer Seite bzw. in unseren Ohren und lässt uns Ferne erahnen und gute Musik erfahren. Ein wirklich schönes Album für jeden, der mit dieser Art von Musik das Entfernteste anfangen kann. Ganz anders als das ebenfalls sehr angenehme Rapoon-Konzert im Rahmen des Phobos, dem ich letzte Woche beiwohnte und das die eher rhythmische Seite dieses Projekts zeigte, und momentan mein „Dark Ambient“-Favorit. (flake777)