AD:KEY – Anthropozän (CD)

ADkeyreviewAuch das vierte Album des Electro-Traumpaares Andrea und Rene Nowotny alias AD:KEY bietet wieder deutsche EBM der 90er Jahre und im Stil der ARMAGEDDON DILDOS und ORANGE SECTOR bzw. ganz klar von der DAF beeinflusst. Das Duo mit dem gewissen prolligen Randberliner Charme (weiß auch nicht, warum ich das so gerne schreibe) schließt dabei nahtlos an den Vorgänger „Astrogator“ an, ohne diesmal groß neuen Impulsen und Einflüsse Raum zu geben, was aber auch von der anvisierten Zielgruppe sicherlich gar nicht gewünscht ist. Knochentrocken und zackig treibend die Songs im typischen Stechschritt vorwärts und werden von dem gebellten zweistimmigen Sprechgesang getragen, der sich durch seine monotonen Wiederholungen regelrecht ins Hirn einbrennt. „Kontrovers“, „Autodynamik“ oder „Wahre Liebe“ heißen die Hits des Albums und sind definitiv der Soundtrack für das obligatorische „Nahkampfgefecht“ beim nächsten „Familientreffen“-Festival in Sandersleben. Doch auch ruhigere Nummern, wie der Titeltrack oder „Scherben der Nacht“ wissen zu gefallen und machen die insgesamt 11 neue Songs zu einer absolut runden Angelegenheit. Oben drauf gibt es noch eine aktuelle Version des alten AD:KEY-Hits „Hoch die Hämmer“ vom Debüt-Album und die DEPECHE MODE-Cover-Version „Stripped“, wobei letztere verzichtbar bzw. leider weniger gelungen ausgefallen ist. Gab es bei „Astrogator“ noch eine komplette Remix-CD als Bonus dazu, bietet „Anthropozän“ im Anschluss nur 5 Neubearbeitungen befreundeter Musiker, was ich persönlich jedoch besser verdaulicher finde. MRDTC, RECTOR SCANNER, LEAETHER STRIP, SERPENTS und PLASTIC NOISE EXPERIENCE geben sich die Regler in die Hand und deren Neuinterpretationen diesmal sehr abwechslungsreich ausgefallen sind. Das mehrfach ausklappbare Digipack ist dann noch die „Leinwand“ für zwei Acryl-Gemälde (gar nicht mal schlecht übrigens) von Rene Nowotny und enthält zusätzlich ein Booklet, welches das Pärchen ebenfalls sehr fotogen in Szene setzt. Wer die CD direkt bei Emmo.biz Records bestellt, hat noch die Möglichkeit, diese im preisgünstigen Paket mit der neuen RECTOR SCANNER-CD zu kaufen. Bekanntlich war ja RECTOR SCANNER das Vorgänger-Projekt von AD:KEY, wo Rene Nowotny damals noch solo agierte. Das zweite Album „Herzschlag“ ist seiner Zeit allerdings auf Grund einer Label-Pleite nie erschienen und erblickt nun erst rund 10 Jahre später das Licht der Welt. Die 12 deutschsprachigen Tracks ergeben dabei ein solides, aber noch ausbaufähiges Electro-Album, aus dessen fruchtbaren Fundament ja wenig später konsequenterweise AD:KEY entstanden ist. Auch hier gibt es zum Abschluss 4 Remixe von Dave Anderson, ARMAGEDDON DILDOS, FOR A SPACE und T.A.N.K., welche allesamt etwas aus der Zeit gefallen und die Formationen ja auch alle gar nicht mehr aktiv sind. Deshalb ist die CD nur auf 300 Exemplare limitiert und eher als flankierende Beigabe für das „Anthropozän“-Album gedacht. (Marco Fiebag)