TROUM & RAISON D’ETRE – De Aeris In Sublunaria Influxu (CD)

a3965824582_10Auf „De Aeris In Sublunaria Influxu“ gehen zwei absolute Größen des Dark Ambient-Genres eine Kollaboration ein, die sich in ihren Einzel-Inkarnationen zueinander doch schon deutlich unterscheiden. Zum einem wären da die norddeutschen TROUM, welche ja mit der Vorgängerband MAEROR TRI und ihrem Label Drone Records das gleichnamige Genre überhaupt erst so richtig erfunden haben und mit TROUM jetzt zu den führenden Vertretern gehören. Ihr melancholisch-melodischer Gitarren-Drone-Sound setzt selbst nach all den Jahren immer noch Maßstäbe, wenn auch ihre Diskografie inzwischen etwas inflationär geworden ist. Zum anderen wäre da der schwedische Cold Meat Industry-Veteran RAISON D’ETRE, welcher in den 90er Jahren durch sakral-hymnisch gefärbten Dark Ambient mit Death Industrial-Einschlag sogar in der schwarzen Gothic-Szene Fuß fassen könnte, ohne dabei peinlich zu wirken. Spätere Werke waren dann jedoch wesentlich kälter und abstrakter ausgefallen, um mit seinem letzten Album „Mise En Abyme“ im vorigen Jahr wieder zu seinen Wurzeln zu finden. Jene CD erschien übrigens auf Transgredient Records, was ja ein Seitenarm von Drone Records ist und sich so der Kreis zu TROUM schließt. Beide Projekte haben sich nun zwischen 2011 und 2014 ausgetauscht und letztendlich ist aus dieser Fern-Beziehung „De Aeris In Sublunaria Influxu“ entstanden. Nicht immer geht ja so ein „Aufeinandertreffen der Titanen“ gut aus und gerade bei dieser Angelegenheit hier war ich mehr als skeptisch, ob sich zwei so altgediente Projekte wirklich noch gegenseitig befruchten können. Und gleich der Opener „Folia“ scheint mir recht zu geben bzw. lässt mich etwas ratlos zurück, denn man hat überhaupt keine Chance, sich in den knapp drei Minuten auf den schwermütigen Flächendrone, der von hektisch schabend-klappernden Geräuschen überlagert wird, einzulassen – zu schnell ist dieser leider einfach vorbei. Dies war allerdings nur das mehr oder weniger rhythmische Intro auf das Kommende, denn die restlichen 6 Tracks bieten die geballten Vorzüge beider Projekte, die so gut miteinander verschmolzen sind, dass eine jeweilige Zuordnung schwierig fällt. Das zu tiefst atmosphärische Hörbild bestimmen natürlich lange flächige Drones, welche sich subtil steigern und meist spirituell-einlullend fließen, aber auch schon mal bedrohlich tönen können. Doomig verlangsamte Kirchenglocken, hinplätscherndes Wasser und andere Feld-Aufnahmen werden dabei dezent in den Soundfluss eingewoben, ohne dass das an sich doch schon luftige Gesamthörbild in rund 70 Minuten mehr belastet wird. Die relativ zurückgenommene bzw. leise Abmischung der CD (wie auch schon bei dem bereits erwähnten „Mise En Abyme“-Album) tut ihr übriges, sich ganz auf diese wirklich mehr als geglückte Kollaboration zu konzentrieren. Ich bin begeistert und für mich ist „De Aerris In Sublunaria Influxu“ definitiv DAS Dark Ambient-Album des Jahres 2015! Kurioserweise erscheint die CD, deren Haupteinzugsgebiet eigentlich Europa darstellt, auf dem brasilianischen Label Essence Music und ist auf 700 Exemplare limitiert. Des weiteren gab es noch eine zusätzliche Box-Edition, die eine Bonus-CD-R mit drei zusätzlichen Tracks enthielt, welche auf 120 Exemplare begrenzt war und natürlich sofort ausverkauft war. (Marco Fiebag)