Alex Ogg – California über alles – DEAD KENNEDYS, wie alles begann

fullview.phpDieses Buch mit dem Untertitel „DEAD KENNEDYS – Wie alles begann“ ist schon erstaunlich, denn es ist das erste Buch überhaupt, welches sich mit der Geschichte dieser legendären amerikanischen Punk-Band beschäftigt. Um so erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass deren Debütalbum „Fresh Fruit For Rotting Vegetables“ genau so einflussreich war, wie zum Beispiel „Never Mind The Bollocks“ von den SEX PISTOLS und das der LP beiliegende Poster fast alle „Punk-Kinderzimmer“ der 80er Jahre zierte, wie das DK-Logo auf den Lederjacken prangte. Zwar lösten sich die DEAD KENNEDYS Ende 1986 nach nur 4 Alben auf, aber Sänger und Bandkopf Jello Biafra hielt mit seinem Label Alternative Tentacles und seinen zahlreichen Projekten & Kollaborationen (LARD, NOMEANSNO, D.O.A. TUMOR CIRCUS, MELVINS, Mojo Nixon) den Geist der Band aufrecht. 1998 wird er allerdings von seinen Ex-Kollegen verklagt und verliert vor Gericht den Prozess um angeblich unterschlagene Tantiemen, welche ihnen zustehen würden. Diese veröffentlichen danach den Backkatalog der Band in neuen Abmischungen und gehen mit einem anderen Sänger auf Tour. Ab diesem Zeitpunkt sollte sich jeder ein eigenes Urteil über die jeweilige Position der verhärteten Fronten machen und vorliegendes Buch liefert dazu die beste Entscheidungshilfe. Alex Ogg hat nämlich intensiv auf beiden Seiten der Streit-Parteien recherchiert und eigentlich war das Ergebnis für das Booklet der 25 Jahre-Edition des Debüt-Album der DEAD KENNEDYS geplant gewesen, was aber letztendlich an den verhärteten Positionen beider Fraktionen scheiterte. Auf 240 Seiten und in 14 Kapiteln zeichnet er nun minutiös den Aufstieg der DEAD KENNEDYS und insbesondere die Zeit um die Entstehung des „Fresh Fruit For Rotting Vegetables“-Albums nach, dem ausführliche Einzelinterviews mit allen Beteiligten und Zeitzeugen zu Grunde liegen. Leider streift man dann den weiteren Werdegang der Band bis zur Auflösung nur bruchstückhaft und wie ja schon erwähnt, liegt der Fokus ganz klar auf dem Debüt-Album. Trotzdem eine äußerst interessante und spannende Angelegenheit, die garantiert im Anschluss zum Griff ins Plattenregal animiert. Erwähnenswert noch die gelungene Übersetzung ins Deutsche durch Joachim Hiller, welche das Lesen sehr flüssig gestaltet und was ja sonst bei vielen Musikbüchern leider nicht immer der Fall ist. Das Buch ist im typischen DEAD KENNEDYS-Stil reich bebildert und wird durch eine Diskografie, wie eine zusammenfassende Timeline abgerundet. Im Zuge der Lektüre hatte ich übrigens passenderweise die Gelegenheit, Jello Biafra mit seiner aktuellen Band THE GUANTANAMO SCHOOL OF MEDICINE Live zu erleben und fast parallel tourten auch die DEAD KENNEDYS in Deutschland – kann das eigentlich Zufall sein?! (Marco Fiebag)