NEW ORDER – Music Complete (2LP/CD)

cd_packshot_rgbcols_1Eigentlich braucht man über NEW ORDER nicht viel Worte zu verlieren und die aktuelle Lage um die Band dürfte allseits bekannt sein. Es ist schon irgendwie cool, das NEW ORDER jetzt bei Mute gelandet sind, auch wenn ihr 9. Album in fast 35 Bandjahren das erste ohne Bassist Peter Hook ist. Da ich persönlich zum „Team Hooky“ gehöre, konnte ich mir ein NEW ORDER-Album ohne seinen „singenden“ Bass nicht vorstellen, welcher ja auch schon den Sound von JOY DIVISION so geprägt hatte. Aus diesem Grund kündigte Sänger Bernard Sumner wohl gleich eine „Tanzplatte“ mit „Music Complete“ an bzw. eine Rückkehr zur elektronischen „Blue Monday“-Phase von NEW ORDER. Doch gerade das Zusammenspiel von elektronischen Dance-Sounds mit dem konventionellen Rock-Instrumentarium machten NEW ORDER in den 80er Jahren so einzigartig wie erfolgreich. „Republic“ war dann ihr einziges Album in den 90ern, bis auf den Ausnahmesong „Regret“ fast völlig elektronisch ausgefallen und gilt allgemein als ihr schlechtestes Werk. Der erste Höreindruck von „Music Complete“ gab dann jedoch erst einmal Entwarnung, denn Gitarre, Bass und Drums sind gleichberechtigt im wirklich deutlich elektronischer ausgerichteten Soundbild vorhanden. Leider wollten die insgesamt 11 neuen Songs in rund 65 Minuten Spielzeit bei mir nicht so richtig zünden, so oft ich der damit längsten Platte in der NEW ORDER-Geschichte auch immer wieder eine Chance gab. Zum einen fand ich den Gesang von Bernard Sumner diesmal extrem gelangweilt und seine Lyrics sehr holprig. Zum anderen gibt es mit Elly Jackson (LA ROUX) Iggy Pop und Brandon Flowers (THE KILLERS) auffallend viele Gäste, die neben den schon bekannten Background-Sängerinnen Dawn Zee und Denise Johnson, eher stören als bereichern. Erst nach 5 Tagen platze dann bei mir völlig überraschend der Knoten, als ich mit dem Album unter Kopfhörern eingeschlafen war und zwischen „Academic“ und „Nothing But A Fool“ wieder aufwachte und das Ganze plötzlich einen Sinn ergab. Seit dem läuft das Album rund um die Uhr hoch und runter, wenn auch ich im Mittelteil mit „Tutti Frutti“ (wie der Name schon erahnen lässt) und „Stray Dog“ noch nicht so richtig warm werde. Insbesondere letzteres sorgt mit der knorrigen Stimme von Iggy Pop für einen abrupten Bruch, welcher das erste Gedicht von Bernard Sumner überhaupt im Stil einer American Gothic Novel rezitiert und so gar nicht auf das Album passen will bzw. eventuell als Instrumental oder Single-B-Seite besser aufgehoben wäre. Der überwiegende Teil der Songs ist dafür NEW ORDER in melodiös-hymnisch-tanzbarer Reinform mit leider recht konventionellen Bass-Einsatz. Trotzdem eines der Alben des Jahres 2015 und verwegen zu träumen, wie dieses wohl mit Peter Hook ausgefallen wäre?! PS: Diesmal übrigens noch ein großes Loblied auf die schwarze CD-Ausgabe des Albums, welche richtig fett und druckvoll klingt! (Marco Fiebag)