SCREAM SILENCE – Heartburnt (LP/CD)

ScSi_heartburnt_dpack-coverDa war ich wohl wirklich etwas vorschnell, als ich kürzlich das „As The Camp Burns“ von FRANK THE BAPTIST zum Gothic-Album des Jahres ausgerufen hatte, in der Überzeugung, dass auf diesem Sektor so schnell nichts weiter mehr kommen würde. Allerdings habe ich die Rechnung ohne SCREAM SILENCE aus Berlin gemacht, die nach ihrem kurzen Ausflug zum Branchenriesen Out Of Line jetzt wieder über ihr eigene Plattform Plainsong Records veröffentlichen bzw. das inzwischen schon 9. Album mittels Crowdfunding (wie auch schon Eingangs erwähnte FRANK THE BAPTIST) finanzierten. Das neue Werk „Heartburnt“ ist einfach wieder typisch für SCREAM SILENCE und setzten konsequent den etablierten Stil der Gothic-Band fort, auch wenn sie selbst sich gar nicht mehr so gerne mit diesem Genre-Etikett identifizieren können. Deshalb gibt es deshalb auch bei den 10 Songs vermehrt Einflüsse aus dem Love Metal-, Post Punk- und Prog Rock-Bereich, die SCREAM SILENCE sehr gefühlvoll und regelrecht geschmeidig in das samtige Gothic Dark Wave-Korsett einbinden. Bestes Beispiel dafür der Titel-Song mit unerwartet wie plötzlich hereinbrechenden Metal-Gitarren-Riffs, als man es im Arrangement eigentlich gar nicht mehr erwartet hatte. Die „Conversation 16“-Cover-Version von THE NATIONAL aus deren melancholischen „High Violent“-Album ist ein weiterer Beweis für den „Blick über den Tellerrand“ und eine gewisse Verwandtschaft zu dem Indie-Sound von INTERPOL oder EDITORS. Die restlichen Texte stammen diesmal übrigens nicht von Sänger Hardy Fieting, sondern wurden von dem englischen Dichter und Komiker Anthony J. Brown extra für SCREAM SILENCE geschrieben. Eine weitere Premiere für die Band ist der deutschsprachige Song „Etwas starb in mir“, welcher in seiner Artikulation sofort an Peter Heppner denken lässt, ohne jedoch die prägnante Stimme von Hardy Fieting zu verleugnen. Und wo wir gerade bei Premieren sind – mit „Heartburnt“ erscheint erstmals ein Tonträger von SCREAM SILENCE im Vinyl-Format bzw. als 140g-Pressung im rotem Vinyl und in ein luxuriöses Klappcover gehüllt. Ein klasse Album, welches gleichzeitig atmosphärisch berührt, aber auch flott mitreißen kann! Eigentlich DAS Gothic-Album des Jahres, aber Gothic wollen ja SCREAM SILENCE leider nicht mehr sein… (Marco Fiebag)