DASHA RUSH – Sleepstep – Sonar Poems For My Sleepless Friends (2x12"/CD)

56948Dasha Rush ist eine Techno-Djane aus der Sowjetunion, die über die Station Paris und nach zwei Alben für Fullpanda Records bzw. deren Sublabel Hunger To Create inzwischen in Berlin im Exil angekommen ist (wo auch sonst). In ihrer Berufung als Djane führt sie ja eigentlich einen permanenten Krieg gegen den Schlaf, aber nun scheint sie die Fronten gewechselt zu haben, um ihre ruhelosen Freunde im Kampf für den Schlaf zu unterstützen. Im Chemnitzer Minimal-Experimental-Label Raster-Noton hat sie dafür einen neuen Partner gefunden, der jetzt ihr drittes Album voller traumhaften Sleepstep veröffentlicht. Unterschwellig repetitiv groovende Rhythmen ohne richtige Beats, an Si-Fi-Soundtracks erinnernde Drones und zuckende Piano-Fragmente legen in über 70 Minuten das Fundament für einen nervös-flackernden Ambient-Sound, der nicht nur einmal an die unvergessenen COIL („Musick To Play In The Dark“) erinnert. Wenn allerdings der unterkühlte wie gleichzeitig warme Sprechgesang von Dasha Rush ins Spiel kommt, muss ich sofort an die ebenfalls wunderbar-entrückten LLOVESPELL aus Leipzig denken. Mein persönlicher Favorit ist unter den insgesamt 16 Tracks „Sail Away To Her“, welches herrlich schwebende wie pulsierend-brandende Sounds mit einer sakral-religiösen Atmosphäre verknüpft, die eventuell auf die slawischen Wurzeln von Dasha Rush verweist. Ein düster-melancholischer „Stalker“-Trip in die endlose Nacht und wie gemacht für einen verstörenden Chill Out im Berghain. Trotzdem ist „Sleepstep – Sonar Poems For My Sleepless Friends“ gemessen an der Diskografie von Raster-Noton das bisher zugänglichste Album auf dem Label und für mich definitiv ein heißer Anwärter auf die Top 10 für 2015. Für die Vinyl-Auflage im Doppel-12“-Format wurde das Album allerdings um 5 Tracks reduziert, dafür liegt aber der Download für das komplette Material bei und bei der auf 100 Exemplare begrenzten Deluxe-Edition zusätzlich noch die CD. Letztere finde ich übrigens diesmal ausnahmsweise mal das bessere Format für den Sleepstep von Dasha Rush, denn wer dreht schon 4 x im Halbschlaf Platten um?! (Marco Fiebag)