AIDAN BAKER – The Sea Swells A Bit (2LP)

aidan_baker_the_sea_swells_a_bit(1)Reissue der CD von 2006 auf dem italienischen Label A Silent Place. Nachdem es zunächst lange dauerte, bis Aidan Baker als Solist und als Teil seiner verschiedenen Projekte (allen voran Nadja) die Chance zu Vinylveröffentlichungen bekam, reißt nun die Serie der Widerveröffentlichungen ehemaliger CDs / CDrs als Vinyledition nicht ab.

Die hier vorliegende Doppel-LP auf dem französischen Label Ici D‘ Ailleurs erweitert den ursprüngli-chen 3-Tracker formatgerecht um einen Bonus-Track, der konzeptgerecht das Thema der Platte um die Live-Umsetzung des Titelstücks ergänzt. Neben der Musik die größte Veränderung ist das Cover: zeigte die CD eine japanisch angehauchte Zeichnung einer Welle, so etwas wie eine bildhafte Weiter-führung des Titels, wird das neue Gatefold von der morbid / imposanten Innenansicht eines runden Fabrikbaus beherrscht, gezeichnet von den Spuren des Verfalls und der Verwahrlosung. Bildgewaltig, aber eigentlich ohne Bezug zur Musik, Aidan Bakers Soundverständnis aus warmen Drones; ineinan-der fließend, in sich bewegend, plus zahlreicher kleiner Sounds, auch geräuschhaft, eingebettet in den Gesamtfluss, mehr wie ein vereinzelt aufblitzendes Glitzern auf der Oberfläche als echte Widerborsten. Und natürlich für die lange Laufzeit angelegt, mit subtiler Verdichtung und trotz geradezu endlos erscheinenden Aufbau mit dem Gefühl für die Veränderung im richtigen Moment. Ein Sound, der die im Titel angedeutete Analogie zum Wasser bzw. Meer durch seine Umhüllung der Hörer von der ersten Sekunde nicht nur bestätigen kann, sondern diese Wirkung tatsächlich auch geradezu wie unwillkürlich und unabwendbar erzeugt.

„The Sea Swells A Bit“ ist eine der Veröffentlichungen, die diesen Sound in der von seinen Live-Konzerten bekannten Art des Aufbaus auf Tonträger bringt; quasi auf Tonträger manifestiert. Und trotz der Vielzahl von Aidan Baker Releases seitdem hat „The Sea Swells A Bit“ keine Patina angesetzt; in Komposition, Aufbau und Arrangement. Aber auch mit den in einzelnen Parts ergänzend eingebauten instrumentalen Erweiterungen wie Schlagzeug hat Aidan Baker auf „The Sea Swells A Bit“ bereits eine Klangmischung entworfen, deren Anziehungskraft ungebrochen ist. Selbst nun, da er diesen Ansatz mannigfaltig weiter erprobt, variiert und verfeinert hat. Und, wenn man so will, schließt sich so auch der Kreis mit dem neuen Cover: ähnlich wie das Meer in Geräusch und Anblick immer gleich und zugleich immer anders ist und dabei stets die gleiche Anziehungskraft auszuüben in der Lage ist, so sind auch die Momente des Zerfalls wie auf dem Cover abgebildet trotz ähnlicher Struktur immer wie-der aufs neue seltsam anziehend. Und: trifft das, bei aller Variation und Evolution, die nicht unter-schlagen werden soll, nicht auch auf die Musik Aidan Bakers zu?

Und jetzt bitte: „Book Of Nods“ auf Vinyl. Label, meldet euch!

(N)