THOMAS KÖNER – Tiento de las Nieves (CD/2LP)

ThomasKoner_TientoDeLasNievesDurch die (in diesem Sinne nicht unentscheidende) Zusammenkunft von „Idee“, „Inspiration“, „rechter Zeit“ und „Ausführung“ hat sich Thomas Köner bereits in den 90er Jahren seinen Platz in der Musikgeschichte gesichert und im Weiteren, auch durch eine Ausweitung in visueller Hinsicht, durch Installationen, Vertonungen von historischen Stummfilmen und eigenen audio-visuellen Arbeiten, ausgebaut. Und als ein gemeinsames Merkmal sind alle diese Arbeiten, die unter dem Namen Thomas Köner erscheinen, geprägt von einer beispiellosen Fokussierung, einer Konzentration auf das Wesentliche, wobei dieses Wesentliche in der Definition von Thomas Köner noch wesentlich gewissenhafter und kompromissloser ausgesucht scheint, als bei allen denen, die ähnliches von sich (und ihren Arbeiten) behaupten.

Die instrumentale Ästhetik war dabei bisher zumeist in ähnlicher Weise konzentriert auf eine Art nackter wie dunkler Elektronik (hier gemeint als Sammelbegriff konkreter instrumentaler Ästethik nicht zuordnungsfähiger Klänge, egal auf welchen Medien sie ursprünglich erzeugt wurden); nur von Fall zu Fall in ihrer nahezu einsam erscheinenden Konzentration ergänzt durch weitere, auch dann äußerst sparsam verwendete Zutaten. Und nun „Tiento de las Nieves“. Ein Album, das tatsächlich ein erkennbares Instrument in den Vordergrund stellt. Aber, wie von Thomas Köner zu erwarten, in einer Art, die den Klang des Instruments gleichermaßen nutzt wie weiterführt, quasi in den eigenen Klangkosmos überführt und sich dort wie einen Nachhall seiner selbst manifestieren lässt. Das in diesem Sinne in einem warmen Hallraum stehende Piano, in seinem harmonischen Spiel reduziert auf einzelne, fast wie Fragmente zwischen langen Pausen auftauchende Teile von Akkorden, ist so zwar klar identifikationsstiftender Ausgangspunkt eines ganzen Albums, stellt sich mit eben dieser Herangehensweise aber weitab aller Synonyme für eine etüdenhafte Abarbeitung am Klavier und seinen technischen wie klanglichen Möglichkeiten. Wie um dies noch zu verstärken mischen sich Nachhall des Pianos und subtile elektronische Verlängerung zu gleichermaßen monolithischen wie scheinbar(?) schwebenden Clustern, deren Veränderung über die mehr als eine Stunde gehende Laufzeit subtile Verschiebungen erahnen lässt… und sei es, dass diese allein im Kopf der Hörer geschehen. „Tiento de las Nieves“ ist damit gleichzeitig ein typisches Album von Thomas Köner, gleichzeitig jedoch definitiv sehr eigen, gleichermaßen dunkel und leicht. Ein Paradoxon der Extraklasse. Auf Vinyl + CD.

(N)