KERRETTA – Pirohia (CD/LP)

kerretta_pirohia„Pirohia“ von Kerretta; Post-Rock in der tendenziellen „Prog“-Variante? Im Vergleich z.B. zu anerkann-ten Genre-Größen wie Mogwai könnten Kerretta schon allein vom spielerischen Ausdruck nicht unter-schiedlicher sein: wenn Mogwai stets eine gewisse Schwere, eine Bodenhaftung besitzen und in ihrem Spiel ausdrücken, scheinen Kerretta tendenziell grundsätzlich in der Schwebe zu handeln. Selbst dann, wenn die volle Distortion-Kante gefahren wird. Das liegt natürlich an den Kompositionen und ihren „uplifting“ Harmonien, die einfach schon aus sich heraus ein Vorwärtstreiben, ein nach vorn, nach oben vermitteln. Das liegt aber auch am Spiel des Trios selbst, besonders dem von Schlagzeuger H. Walker, aber auch der (oft) Delaygitarre von Gitarrist David Holmes. Das liegt aber möglicherweise auch sehr stark an einem in den mittleren Frequenzen diesmal schon fast indirekt-ausgehöhlten Gesamtsound, der keine direkte Aggressivität entwickeln kann, soll oder auch will. Alles findet so in der Wirkung auf bzw. in der Wahrnehmung durch die Hörer immer ein wenig abseits der Körperlichkeit statt, die Hörer stehen im Eindruck nie direkt vor der (imaginären) Bühne, sondern hinten, am Saal-eingang: der Sound ist voll und klar, aber er greift dich (noch) nicht an. Gerade dadurch wirkt das Spiel noch flüssiger, mit großer Lässigkeit dargeboten und, auch wenn dieses Attribut absonderlich klingen mag, besonders in einem Zusammenhang wie diesem, elegant. In diesem großen, dynamischen Fluss finden sich dann aber auch zwei Überraschungen: „Kawea Tātou Ki Ngā Hiwi“, die #6, das einzige Stück mit Gesang, der nicht etwa durch die Bandmitglieder selbst übernommen wird, sondern durch Maories(?); der eigenartig-mystische Clash zwischen dem in einer völlig ungewohnten Sprache vorgetragenen, archaischen Gesang und der zwischen Schwebklang und heavy Attacken pendelnden Musik schiebt dieses Stück ganz nah an die Hörer…und: „The Last Rivers“, dem Abschluss des Albums, bei dem das Akkordspiel der Gitarre völlig zugunsten einer drückenden E-Bow Melodie verlassen wird. Ein atmosphärisch dichter, wirklich gelungener Abschluss. (N)