MUSHROOM’S PATIENCE – Jellyfish (CD)

gg173Bei der neuen CD von MUSHROOM’S PATIENCE aus Italien bin ich mir nicht ganz sicher, ob das jetzt ein neues reguläres Album oder ein Kollaborations- bzw. Remix-Projekt ist. Weder Fisch noch Fleisch könnte man meinen, aber nein, es ist ja eine Qualle (Jellyfish)! Deren letzter Melancholie-Opus „Road To Nowhere“ ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her, wurde im vorigen Jahr an gleicher Stelle gehörig gewürdigt und dreht immer noch regelmäßig seine Runden im CD-Player des Schreibers. „Jellyfish“ ist jetzt vom Ansatz jedoch völlig anders und Raffaele Cerroni bzw. Dither Graf hat in enger Zusammenarbeit mit Walter Robotka von Klanggalerie für 12 der insgesamt 13 Songs Gast-Sänger wie -Musiker eingeladen, die somit völlig neue Einflüsse in das an sich schon breitgefächerten Klangspektrum des Projektes einbringen. Der musikalische Grundtenor ist dabei hauptsächlichst elektronischer Herkunft und teilweise sogar tanzbar, welcher dezent mit akustischen Tupfern bereichert wird und somit eine völlig neue Sichtweise auf den Klangkosmos von MUSHROOM’S PATIENCE wirft. Bei den musikalischen Gästen werden jedoch die zu erwartenden üblichen Verdächtigen wie NOVY SVET, AIN SOPH oder dieser komische Trompeter allerdings außen vor gelassen, was ich eigentlich auch ganz gut finde. Dafür wurde eine renommierte internationale Riege von Künstlern gewonnen, die in in dieser geballten Form wirklich nicht erwartet hätte oder hätte in diesem Kontext hier jemand den Ex-CABARET VOLTAIRE-Frontmann Stephen Mallinder oder die Reibeisen-Stimme des CADAVEROUS CONDITION-Sängers Wolfgang Weiss im Sinn gehabt? Dazu gesellen sich dann noch Genevieve Pasquier (THOROFON), Glenn Wallis (KONSTUKTIVISTS), Chris Connelly (FINITRIBE), Peter Hope (THE BOX), Frank Lebel (PLAY THE TRACKS OF), Echo Eerie (COLLAPSING NEW PEOPLE), Euski (ROMA AMOR), Mathias Kom (THE BURNING HELL), Leo Maury (NIEDOWIERZANIE) und Andrea EV (1997EV), die alle absolut überzeugende Interpretationen über das Ausgangsmaterials von MUSHROOM’S PATIENCE abliefern. Insbesondere die Wax Trax-Legende Chris Connelly (Ex-Mitglied von u.a. MINISTRY, REVOLTING COCKS, PIGFACE, ACID HORSE) gibt ganz im Stile seines letzten Albums „Day Of Knowledge“ mit dem Song „Patricia“ wieder wahlweise den jungen David Bowie bzw., Scott Walker und sorgt so für einen Höhepunkt der CD, dem aber auch die anderen Beiträge in nichts nachstehen! So bietet hier die THOROFON-Chateuse Genevieve Pasquier zum Beispiel die beste Leistung in ihrer bisherigen Karriere (der ich wahrlich nicht immer geneigt war) oder auch das Death Metal-Grunzen von Wolfgang Weiss über Electronica-Sounds nebst kurzen Gastauftritt vom Labelchef selbst sollte man zumindest mal gehört haben. Der Titel-Song und einzige vokalistische Auftritt von Dither Graf selbst erinnert mich dann an TARWATER, wie ebenfalls auch die Kollaborationen mit Peter Hope, Frank Lebel, Echo Eerie und Mathias Kom, was sicher an der entspannt-abgehangenen Stimmung aus Elektronik trifft auf Akustik-Instrumentarium liegen mag. Bei dem Song „Cynical“ mit dem charmanten Akzent-Gesang von Euski frage ich mich allerdings ernsthaft, ob KIRLIAN CAMERA nicht heute noch so klingen würden, wären sie nicht zur Jahrtausendwende mit der neuen Sängerin falsch abgebogen. Für wem das eine Option wäre, dem sei die aktuelle CD „On The Wire“ von ROMA AMOR ans Herz gelegt! Mit dem spacigen „Solar Rain“ findet „Jellyfish“ dann seinen psychedelischen Ausklang, der ebenfalls einmal mehr Werbung für das leider völlig unterbewertete Projekt 1997EV sein dürfte und deren aktuelles Tape auf Reue um Reue (wie auch alles andere) ich nur empfehlen kann. Obwohl im Vorfeld von „Jellyfish“ gemunkelt wurde, es wäre die letzte Veröffentlichung von MUSHROOM’S PATIENCE, hoffe ich einfach mal auf das Gegenteil und eine baldige weitere Begegnung mit den vielen Gesichtern von Raffaele Cerroni. (Marco Fiebag)