WHITE HOSPITAL – Holocaust (LP/CD)

SK81Die 1984 in Japan bei Eskimo Records erschienene LP „Holocaust“ des Projektes WHITE HOSPITAL gilt seit vielen Jahren als der „Heilige Gral“ des Industrial-Genres, was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass von den damals gepressten 300 Exemplaren kaum mehr eines aufzutreiben ist. WHITE HOSPITAL selbst erlangten ihren Status in der Szene erst, als sich Jun Konagaya und Tomosada Kuwahara in GRIM bzw. VASILISK aufteilte und in Folge dessen einige Klassiker des Genres schufen.  Nachdem vor einigen Jahren Vinyl On Demand mittels einer schönen Vinyl-Box das komplette GRIM-Oeuvre der 80er Jahre wieder zugänglich gemacht hat und VASILISK mit „Tribal Zone“ bzw. GRIM mit „Psycho Sun“ nach Jahrzehnten der Stille großartige Comeback-Alben auf Steinklang veröffentlicht haben, wurde es auch Zeit für eine Neuentdeckung des Ausgangspunktes WHITE HOSPITAL. Erstmals im CD-Format (und auch wieder auf Vinyl) präsentiert Steinklang Records das Album im Original-Artwork und dezent remasterten Sound, welcher die authentische Atmosphäre der alten Platte erhält und so dem geneigten Hörer die Möglichkeit gibt, sich in die damalige Zeit zurück zu versetzten. Natürlich sollte man sich dabei bewusst sein, dass 30 Jahre später der Sound des „Holocaust“ niemanden mehr vom Hocker reißen wird und gemessen an heutige Laptop-Aufnahmen aktueller Industrial-Musiker mehr als abenteuerlich klingt. Allerdings sprühen die Aufnahmen nur so vor Charme und legen ein würdiges Zeugnis des noch von Hand gemachten Industrial-Sounds im Stile der alten TEST DEPT., EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN oder THROBBING GRISTLE ab. Bei den 8 Tracks des Albums treffen nämlich rituelle Trommeln, Schrott-Percussions, noisige Tape-Loops, Bass, Synthesizer und eine Kirchenorgel auf wüstes Geschrei, der darüber hinaus eine erfrischend punkige Herangehensweise offenbart, wie eine bedrückend-klaustrophobische Stimmung entstehen lässt. Insbesondere der Kirchenorgel-Einsatz setzt dagegen gewisse sakrale und vor allem melodische Momente, die später auch für GRIM so typisch waren. Als Bonus enthält die Neuauflage jetzt die beiden Tracks der „White Christmas“-Single und drei bisher unveröffentlichte Live-Mitschnitte, die vor allem durch den Einsatz einer E-Gitarre eine leicht psychedelische Note haben. Neben der regulären CD-Auflage im Digipack ist „Holocaust“ (wie schon weiter oben erwähnt) auch wieder im LP-Format erhältlich, welches allerdings nur auf 300 Ausgaben im roten Vinyl begrenzt ist. Eine absolut empfehlenswerte Wiederveröffentlichung mit quantitativen Mehrwert, die vor allem Anhänger des Old School-Industrial ansprechen dürfte und im Zuge derer übrigens auch das Frühwerk von VASILISK wieder erhältlich ist, doch dazu an anderer Stelle mehr. (Marco Fiebag)