WIEMAN – The Classics Album (CD)

wieman_the_classics_albumWahrscheinlich ist auch das Cover ein Sample: der Marlboromann, eingefangen bei der Arbeit, vor der Zigarettenpause. Im Inneren dann Stars’n’Stripes, aber dekonstruiert. 44 Minuten, 6 Stücke, 6 Jahre Entstehungszeit; das Ganze zusammengesetzt aus Samples. Plunderphonics? Eher nicht, selbst wenn es rein definitorisch passen könnte. Aber, paradoxerweise: „The Classics Album“ ist über weite Strecken schon fast clubkompatibel-trackig-homogen; auch wenn das so natürlich(?) nie(?) in einem solchen laufen könnte / würde / dürfte. Und dadurch weit entfernt von so manchen hyperambitioniert hyperüberdrehten Vertretern des Genres. Die Abstrusitäten fehlen dabei nicht, aber sie ordnen sich ein, meist. Oder dürfen die Intros und Outros besetzen. „The Classics Album“ besitzt so einen Flow in Atmosphäre und musikalischer Stimmung, der in seiner Ruhe schon fast genrefremd ist; Wieman bezeichnen das Ganze daher(?) selbst als Meltpop. Und genau dieses Schmähwort „Pop“ ist hier gar nicht falsch und auch genau so wenig negativ aufzufassen; scheint vielmehr die Haltung der Macher auszudrücken, eine „Hörbarkeit“ ohne vorauseilendes billigendes Wissen um ein Konzept erzielen zu wollen. Wobei dann eine zweite Stufe des Genuss auf die wartet, die „The Classics Album“ dann auch mal analytisch / konzeptuell hören: ich habe, z.B., irgendwann angefangen, aus dem durchgehenden, rhythmisch-maschinellen, kaum verständlichen Stimmsample der #1, „With A Lat Of Verve“, das Wort „Milchglas“ herauszuhören. Pausenlos wiederholt… Das sind dann so ganz eigene Hitqualitäten; Ohrwürmer im Guten wie im Schlechten (…und, nebenbei: vielleicht bilde ich mir das ganze zu allem Überfluss sogar nur ein). Hinter dem Projekt steckt zur Hälfte der niederländische Experimentalmusik John Peel (nicht böse gemeint, in Bezug auf keinen der beiden, tot wie lebendig) Frans de Waard (zusammen mit Roel Meelkop), der ja seit langen in einer Vielzahl von Projekten seine Vorstellungen von Experimentalmusik dekliniert. Und, nochmal Hörgenuss: dass die 44 Minuten so eine lange Entstehungsgeschichte hatten, hört man zum Glück überhaupt nicht. Ob es dabei die etwas überraschend herausstechenden Metalgitarren gegen Ende gebracht hätte; geschenkt: ihre Atomisierung und ihr Einbau in die Struktur des Ganzen ist jedenfalls genau so gut wie bei allen anderen Samples (und auch keine Beschädigung des Gesamtflows).

(N)