THE BLUE ANGEL LOUNGE – A Sea of Trees (CD/LP)

Die deutsche Postpunk Band THE  BLUE ANGEL LOUNGE aus Hagen ( hier kamen auch NENA und EXTRABREIT dereinst her ) hat wieder ein neues Meisterwerk veröffentlicht und zwar ihr Drittes , das sich „A Sea of Trees“ betitelt, ein wahres Fühlhorn mit 11 wundervollen Kleinoden, da hat das Warten auf jeden Fall Sinn gemacht. Die Sounds basieren auf einem Mix aus dunklem Tristesse-Pop und psychedelischen Wavefolk, eben ihren großen Vorbildern VELVET UNDERGROUND nicht unähnlich, dazu gesellt sich eine Prise – Düster Goth! Der Name THE BLUE ANGEL LOUNGE übrigens entstammt einem Club in New York City, in dem CHRISTA PÄFFGEN alias NICO im Jahre 1960 ihr wohl erstes Konzert auf amerikanischen Boden gegeben hat.

Die Band die in 2006 von Dennis Melster und Nils „O“ Ottensmeyer in Hagen gegründet wurde und 2010 ihre Platte „Narcotica“ sowie ein paar EPs auf dem legendären Berliner Label 8mm-Bar veröffentlicht hat –  hier präsentieren generell Gruppen aus dem Shoegaze und Psychrock Bereich ihre musikalischen Ergüsse – ist nun mit der neuesten Veröffentlichung beim renommierten amerikanischen Label – A Recordings – von Anton Newcombe gelandet, ein kluger Schachzug und zudem ein Achtungserfolg, der für die Zukunft der Combo einiges verspricht, auf dem Label sind nämlich Groups wie THE KVB, DEAD SKELETONS oder DEARTY BEACHES beheimatet. Die musikalischen Klänge von THE BLUE ANGEL LOUNGE werden meiner Meinung nach ebenfalls von Bands wie JOY DIVISION, AND ALSO THE TREES, EDITORS, INTERPOL, eben die bereits erwähnten VELVET UNDERGROUND, SPACEMEN 3 und natürlich NICO stark beeinflusst.

In deutschen Landen kaum bekannt, aber im Ausland stetig abgefeiert und das auf Festivals der Extraklasse wie Roskilde, Austin Psych Festival sowie auf dem Reeperbahnfestival in Hamburg und diversen kleineren Gigs. Auf dem neuesten Streich nun werden Gitarren mit Klänge aus dem Harmonium gekoppelt wie im Track „“Plane Communication“ und „The Pain you got from me“ – die Gitarrensounds strömen melancholisch wie in dem einzig Deutschen Track Namens „Mutter“ – der Drummer pointiert mit einfachen, festen und trockenen Beats das Soundästhetische Klanggerüst von THE BLUE ANGEL LOUNGE. Dennoch entsteht eine immer etwas unterkühlte Atmosphäre wie beim Opener „Winter“ –  die aber dezent strukturiert daher kommt, auf der anderen Seite wirkt eben genau das Alles im Kontext wiederum völlig frisch und neu !

Überhaupt , die ganze unterschwellig, morbide Stimmung der Platte erinnert einen irgendwie immer an den Anfang der 70ziger Jahre, Das Lebensgefühl und die ebenso dronnige Rock Musik von THE DOORS sind von der Atmosphäre auch nicht so ganz weit weg, da hier kunstvoll die depressive Dunkelheit mit den schleppend, schleichenden Psycho Rhythmen und den hypnotisierenden Dramen in den Songs und dem atonalen, teils monotonen Stimmen von Nils verwoben wurden. Überhaupt die Sangesstimme bei THE BLUE ANGEL LOUNGE – diese klingt in Songs wie „Desolate Sands“ oder der fragilen Ballade „Woods“ (Sea of Trees) wie das männliche Pendant zu NICOS  bekannten Organ, einfach unglaublich wie Nils das gekonnt umsetzt.

Die Klänge der neuesten Veröffentlichung “ A Sea of Trees“ besitzen zudem eine starke Affinität zum BRIAN JONESTOWN MASSAKER, die ähnlich diese typisch monotonen VELVET UNDERGROUND Sounds wie keine andere Band vor ihnen, kreiert haben. Egal, eine grandiose Herbstplatte ist entstanden, die zwar im Mai veröffentlicht wurde, aber auch im Hier und Jetzt genossen werden kann und sollte. Je öfter man diese Platte hört, desto mehr Geheimnisse entlockt man ihr, es gibt einige zu entdecken und man muss manchmal Geduld haben, hat sie sich aber dem Hörer geöffnet und offenbart, möchte man THE BLUE ANGEL LOUNGE nicht mehr missen, absolute Kaufempfehlung, unbedingt reinhören.

Ich persönlich freue mich schon auf ihre Tour im Herbst.

(S.Ericksen)