CABARET VOLTAIRE – #7885 (Electropunk To Technopop 1978-1985) (2LP/CD)

Musiker und Bands die auf Mute veröffentlichen können sich meist glücklich schätzen, denn das britische Referenzlabel legt sich für diese so richtig ins Zeug und ist dabei völlig loyal zu seinen Künstlern. Bestes Beispiel CABARET VOLTAIRE, deren Backkatalog seit Anfang der 90er Jahre bei Mute verwaltet wird und die nicht müde werden, deren Vorreiterrolle in das kulturelle Bewusstsein zurückzurufen. Neben den Alben-CD-Wiederveröffentlichungen auf dem damaligen Mute-Unterlabel Grey Area erschienen immer wieder diverse Compilation, von denen hier stellvertretend nur „The Living Legends“ und „The Original Sound Of Sheffield“ genannt seien. Nach dem wieder unabhängigen Neubeginn von Mute vor einigen Jahren sind natürlich CABARET VOLTAIRE auch wieder ein Thema und neben der Redux-Version des legendären „Johnny Yesno“-Films & -Soundtrack in einer dicken DVD/CD-Box und einigen remasterten Vinyl-Wiederveröffentlichungen, war vor allem die ausführliche Box „#8385 (Collected Works 1983-1985)“ ein wahres Denkmal für das Wirken der einflussreichen Band. Da diese jedoch auf Grund ihres Umfangs nicht ganz billig war bzw. wegen der Limitierung inzwischen schon ausverkauft ist, schicken Mute jetzt eine weitere Best Of der CABs ins Rennen. „#7885 (Electropunk To Technopop 1978-1985) deckt dabei zwei Phasen der Band ab, welche durch den Weggang von Chris Watson aus dem Trio-Bandgefüge getrennt werden. Gleichzeitig mit THROBBING GRISTLE, CLOCK DVA, oder FAD GADGET experimentierten damals CABARET VOLTAIRE in der Grauzone von Punk und Industrial mit neuen elektronischen Einflüssen und legten so den Grundstein für spätere Generationen von Musikern. So ebneten CABARET VOLTAIRE den Weg für solche Bands wie HUMAN LEAGUE, DEPECHE MODE, OMD, MINISTRY usw., weshalb deren Vorreiterrolle ähnlich wie der von KRAFTWERK nicht oft genug betont werden kann. Diese erste Phase der CABs wird auf dieser Compilation dann durch solche Minimal Electro Punk-Klassiker wie „Do The Mussolini (Headkick)“, „Nag Nag Nag“ oder „Silent Command“ dokumentiert, die noch heute die Angst-Atmosphäre des kalten Krieges, der grauen Thatcher-Jahre und des RAF/IRA-Terrors atmen. 1981 verließ Chris Watson die Band in Richtung THE HAFLER TRIO, um später (hauptsächlich für die BBC) ein renommierter Experimental-Komponist und Field Recordings-Experte zu werden. Die Musik des verbliebenen Duos Richard H. Kirk und Stephen Malinder wurde dann ab 1983 eingängiger und Einflüsse von Pop, Dance, Funk, House und Dub gewannen immer mehr die Oberhand im eh schon rhythmischen Klangbild von CABARET VOLTAIRE. Durch „Sensoria“, „James Brown“ und „I Want You“ sind hier ebenfalls repräsentative Hörbeispiele für dieser Periode vertreten und mit 18 Tracks bietet „#7885“ insgesamt einen sehr guten Einstieg in die Discografie von CABARET VOLTAIRE. Eine empfehlenswerte musikalische Geschichtsstunde also, nach der man unweigerlich tiefer in die Materie eindringen möchte bzw. absolut angefixt ist! (Marco Fiebag)