THE AUSTRASIAN GOAT – Principles Of Disillusion (2CD)

Eigenbrödler Julian Louvet gewährt uns eine Retrospektive seines bisherigen Schaffens. Mit seiner Doppelplatte „Principles Of Disillusion“ gibt es die gesammelten schwarzromantischen Todeswerke seines Black-Metal und Darkfolk-Projekts THE AUSTRASIAN GOAT jetzt endlich auch für Nicht-Tape-Kollektoren und Split-LP-Sammel-Fetischisten. 2008 als Soloprojekt gegründet, zeichnet sich fast acht Jahre nach Bandgründung weiterhin alleinig der Luxemburger Julian Louvet für sein Projekt THE AUSTRASIAN GOAT verantwortlich. Wer dunkle, harte Musik gerne in lichtfreien Räumen konsumiert, Platten von BURZUM, XASTHUR, NEIGE MORTE und BLUT AUS NORD hinter seinen BLUTENGEL-CDs versteckt und sich nach einem anstrengenden Feierabend dabei erwischt, mindestens einmal die Woche „Depressive Suicidal Black Metal“ in die Google-Suchleiste einzugeben, darf die Rasierklingen beiseite legen und sich zu diesen 19 harschen Zerstörungsorgien in seinem Weltschmerz fröhnen. Gesund ist das nicht, gut allemal, heilend – wohl kaum!

Die Gitarren klingen frostig und ultimativ evil, der verzweifelte Gesang ist mit krächzend noch eher blumig beschrieben und die dünne Produktion mit Fokus auf den Höhen, anstatt den Tiefen, erinnert an einstige WWW-Hypes wie AN AUTUMN FOR CRIPPLED CHILDREN oder VELVET CACOON. Klar, schwingt hier auch 80er-Jahre Nostalgie (DARKTHRONE) mit. Mit Bombast-BM-Bands wie den heißen WATAIN hat das natürlich nichts zu tun, vielmehr musiziert Louvet maximalst fernab der Szene und lockert sein Gekeife im Gesamtkontext gerne auch mal mit melodischen Instrumentalpassagen oder ambienthaften Zwischenstücken auf. Auf einzelne Songs einzugehen verbittet sich schon fast, als überzeugend sind aber die konzeptionelle Einstiegs-Trilogie „War“, sowie die hypnotischen Tracks „Amenorrhea“ und „Celebration“ zu nennen, die mit ihrer eiskalten Attitüde die panische Angst vor den baldigen Sommermonaten verstärken.

Auf „Principles Of Disillusion“ sind nun alle Singles, Split-Songs und Kollaborationen (NEIGE MORTE, L´ACEPHALE, HABSYLL, HOLLOW SUNSHINE) des umtriebigen Franzosen versammelt und garantieren schwärzeste Glut aus den Boxen, getrieben von Welthass und poetischer Todessehnsucht.

Und damit alle Leser dieser Rezension noch mit etwas Mehrwissen entlassen werden, hier noch ein kleinwenig Geschichtskunde. Das einstige Austrasien umfasste Bereiche aus den östlichen Bezirken Frankreichs, Belgien und Luxemburg, einem winzigen Teil des niederländischen Südens und auch Deutschland war mit einem kleinen westlichen Abschnitt mit dabei. Austrasien galt einst als Wiege der Karolinger, irgendwann um 584. Monsieur Louvet scheint wirklich unter urtiefer Nostalgie zu leiden…

(Dimitrios Charistes)