In Kurz – Wildern in den Genres Part II: Anemone Tube/ Dissecting Table – This Dismal World; Tetuzi Akiyama/ Tom Carter/ Christian Kiefer – The Darkened Mirror; Esmerine – Dalmak; Stranger By Starlight – Chalk White Nights; No Paris – Past Decussation; Born Of Six – Svapiti

Anemone Tube/ Dissecting Table – This Dismal World (Split-release auf LP, limitierter LP mit Inserts und Cassette; Peripheral Records)

Anemone Tube beginnt mit einem verhallt dunkel atmenden Noise; „In The Mausoleum“ ist damit wohl der erwartet düster kalte Ort, aber alles andere als ruhig. Vielmehr der Ort solcher Geister und ruheloser Seelen, die besser dort blieben, statt ihr Unheil nach außen tragen zu können; die irgendwann aufblitzenden Stimmen in der zunächst wie beruhigenden Abklingphase geben dann wahrhaftig den Rest. „From Anthropocentrism To Demonocentrism“ ist dann das Angebot eines Ausklangs, das Mißtrauen bleibt… Dissecting Table baut einen verführerischen noise-drone, ritualhaft getaktet und im Kern aus einem beschwörenden, predigenden Chor, der Titel 1000 Tones“ wirkt fast wie eine Untertreibung, ist bei aller noisigen Vielschichtigkeit aber paradoxerweise in der Lage, gleichzeitig so etwas wie das ruhige Zentrum im Auge des Sturms auszustrahlen… Irgendwie fazinierend. Bis „1000 Tones“ zunehmend zerbricht…Mastered übrigens von James Plotkin. …und auch die Tapeausgabe ist in ihrer Aufmachung in Silber auf Kupfer perfekt in der visuellen Gestaltung. Perfekt (für alle, die im übertragenen Wortsinne „hörbaren“ Noise vertragen)!

Tetuzi Akiyama/ Tom Carter/ Christian Kiefer – The Darkened Mirror (CD; Monotype)

Impro/ Americana/ free Zusammenarbeit in neun Teilen auf Vinyl; mit einer teils eher sperrigeren, dabei aber stets luftig transparenten Atmosphäre, Tom Carter typische Fuzz-Ausflüge finden allenfalls bei sehr gemäßigten Lautstsärken statt, die Stücke bleiben in ihren Längen immer überschaubar; über allem der Charakter einer entspannten, vielfach non-elektrischen Improvisations-Session.

Esmerine – Dalmak (CD/LP; Constellation/Cargo)

Duo, jetzt Quartett aus dem Godspeed You! Black Emperor, A Silver Mt. Zion und Set Fire To Flames-Umfeld mit einer „Reiseplatte“, entstanden aufgrund von Abstechern, die sie in die Türkei geführt haben, um dort dann auch mit ansässigen Musikern weite Teile dieses Albums aufzunehmen. Das Resultat ist eine Veröffentlichung, die teilweise derart stark nach türkischer Folklore klingt (für meine Ohren zumindest), dass ich eine alleinige Herkunft dortiger Musiker sofort glauben würde. Insbesondere dann, wenn die typische „orientalische“ Rhythmik aufgerufen wird…


Stranger By Starlight – Chalk White Nights (CD; Bad Paintings/ Cargo) 

Minimalistische Nachtexkursion mit einem in Hochform befindlichen Eugene Robinson als zentraler Säule mit seinem klagenden Gesang, der bewusst die Frage offen zu lassen scheint, ob er überwundene Schicksalsschläge musikalisch verarbeitet oder das gleiche im Angesicht kommender tut. Düster und durchaus pathosbefrachtet, dabei aber, trotz (oder eben gerade wegen) der bewussten und fokussierten Einfachheit der weiteren musikalischen Zutaten (Anthony Saggers) von teils soghafter Anmutung; bei „An Organist“ (mein Favorit) auch mal reduziert auf einen geradezu verschlingenden Drone… Und auch im Ausklang, „A Black Cat“, wird auf Rhythmik verzichtet und durch eine erst Americana mäßige, später schabend-dronige Gitarre dunkelste Atmosphäre aufgebaut, das Leiden des Sängers zu tragen. Sehr empfohlen!

No Paris – Past Decussation (Cassette; City Of Dirt)

Da ist am Anfang eine fast wissenschaftlich/ technisch wirkende Synth-“Vorstellung“. Einzeltöne, getupft, mit Delay; eine Melodie mit dem einen „falschen“ Ton, sperrig. Dann der Wechsel in die atmosphärischeren Bereiche mit dem zweiten Track dieser Cassette, „Constraints“, ein Weg, der auch mit dem abschließenden und längsten Stück „Outcome For You“ beschritten wird, ohne jedoch den grundsätzlich minimalistischen Gesamtansatz in Frage stellen zu wollen.

Born Of Six – Svapiti (CD; Important Records)

Kulturkreisübergreifende Droneexkursion offensichtlich indisch inspirierter westlicher Musikerinnen und Musiker (Amelia Cuni, Catherine Christer Hennix und Werner Durand). Traditioneller indischer Gesang als Kern. Ein fast (?) rein akustisch anmutendes Dronegewebe, Shrutiboxen, Blasinstrumente etc. Von meditativ zu uplifting, von Fläche zu Dynamik und zurück.

(N)