DORIAN WOOD – Rattle Rattle (LP/CD)

Dorian Wood ist ein Fleischberg von Mann, Latino und schwul. Allerdings ist sein massives Körpergewicht nicht durchtrainiert, wie zum Beispiel bei unserem Käptn‘ RUMMELSNUFF, sondern zeugt seine Leibesfülle eher von einem maß- und zügellosen Lebens. Genau so klingt auch seine Musik, die ich irgendwo zwischen ANTHONY & THE JOHNSONS, Scott Walker, MARC & THE MAMBAS, Tom Waits und THE DRESDEN DOLLS verorten würde. Zwar führt der bombastische Auftakt „Bodies“ im Stile der alten TEST DEPT. etwas in die Irre, aber spätestens mit dem zweiten Song ist man völlig im Cabaret- und Zirkus-Tingeltangel gefangen. Mal aufbrausend theatralisch, monströs orchestral, atonal verstörend und dann wieder zerbrechlich intim tönen die insgesamt 10 Songs – himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt liegen hier ganz nah beieinander. Höhepunkte sind für mich neben dem bereits erwähnten Opener, das von spanischer Mythologie und Marina Abramovic beeinflusste „La Cara Infinita“ und der an alte EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN erinnernde „Halber Mensch“-Chor-Drone „The Lady“. Unterstützt wird Dorian Wood auf „Rattle Rattle“ durch ein ganzes Heer von Gastmusikern, deren Krönung ein 45-köpfiger Chor namens THE DIFFICULT WOMAN ist, was übrigens alles nur durch eine Fundraising-Kampagne ermöglicht wurde. Ein intensiver düsterer-wütender Trip und wer also mal wissen möchte, wie eine schwule Apokalypse klingt, dürfte mit „Rattle Rattle“ nah dran sein. Die Vinyl-LP ist mit einer mageren Auflage von nur 263 Exemplaren im roten Vinyl und Siebdruck-Cover schon jetzt ein Sammlerstück, welches sicher bald zu horrenden Preisen gehandelt wird! (Marco Fiebag)