THE ALVARET ENSEMBLE – Skeylja (CD)

Das zweite Album des Alvaret Ensembles, der länderübergreifenden Experimental-, Improgruppe, deren teils Ambient- und Droneelemente, teils akustisch geprägte Improvisationsmusik umfassende Klangsprache bei aller Düsternis des Ausdrucks auch immer so etwas wie ein Versprechen von der Wendung zum Guten zu umfassen scheint. War das erste Album, „Alvaret Ensemble“, ein in weiten Teilen skelettiertes, reduziertes Nachtfieber, das sich ein einziges Mal aus seiner intim fiebrigen Abwartung zu einem Ausbruch bewegte, ist „Skeylja“ durchaus vielschichtiger in seinen grauen Ebenen.

Dabei ist auch „Skeylja“ zweifellos wieder ein Nachtalbum; dieses Mal aber eines der Sorte, das gegen den halluzinierenden Fiebertraum des Debüts auch einzelne (im Vergleich) schon fast verstörende Noise-Elementen setzen kann und Ausbrüche wagt, deren Kraft wenige Andeutungen vorab kaum voraussehbar gewesen wäre. Und dann wieder diese hypnotischen, eigentlich vollkommen reduzierten Stücke entwickelt, in denen Jan Kleefstra mit ein paar gemurmelten friesischen Worten über ein paar Pianotupfer von Greg Haines im völligen Gegensatz zu der rudimentären Instrumentierung ganze Räume öffnen kann. Möglicherweise ist diese, in sich an jeder Stelle fast paradoxerweise völlig homogene Bandbreite von „Skeylja“ auch eine Folge des Aufnahmeprozesses, der das Alvaret Ensemble bis nach Island geführt hat, um dort mit einer Gruppe weiterer Musiker zu fusionieren und gemeinsam Musik zu schreiben. Diese dann, in einer Art musikalischen Erinnerung, in einer Folge von neun Konzerten in den Niederlanden live nachzuerleben (wobei jedes Konzert von einem einzelnen Bandmitglied „kuratiert“ wurde, heißt: die musikalische Direktive wurde jeden Abend aufs Neue festgelegt) und erst dann, im Anschluss an diesen Prozess von Erschaffen und Prüfen, das Album aufzunehmen. Perfektes Album und ein Musterbeispiel, dass viele Köche nicht immer zwangsläufig heißt, den Brei zu verderben. Eben wenn sie alle an einem gemeinsamen Gericht arbeiten. Sehr empfohlen.

PS: die Musiker: Ingi Garðar Erlendsson (Tuba, Trombone, Thranophone) , Greg Haines (Piano) , Kira Kira (Voice, Electronics) , Jan Kleefstra   (Voice, Poems), Romke Kleefstra (Guitar), Borgar Magnason (Contrabass), Eiríkur Orri Ólafsson (Trumpet, Electronics), Sytze Pruiksma (Percussion)

(N)