MONNO – Cheval Ouvert (CD)

Was ist das wieder für bestialischer Black-Metal-Terrorismus?! Ein Album mit einem Schlagzeugsolo zu beginnen ist schon freaky, hat Stil, gibt Bonuspunkte. Gut, kann man mal machen, wenn man einen an der Waffel hat, aber wenn das Stück in den folgenden zehn Minuten nur aus einem solchen Schlagzeugsolo bestehen bleibt, während im Hintergrund irgendwelche Jazz-Skalen in furchtbar-dünner Aufnahmequalität durch den Transistor geschreddert werden, ist das selbst für mich als BLACK-Rezensenten nahe am Gehirnkollaps. Es benötigt weitere zwei selbstzerstörerisch-fiebrige Schleudertraum-Anläufe, bis ich letztendlich begriffen habe, dass das wieder einmal der guten, alten Konzeptionskunst geschuldet ist. Ist sie das? Die neue schönmalerische Zerstörungsformel aus dem Hause des belgischen Experimental-Labels Idiosyncratic um Sound-Designer Yannick Franck?

Was sich wie ein selbst aufgenommenes Masturbationsvideo von Lars Ulrich anhört, ist in Wirklichkeit ein selbst aufgenommenes Masturbations-Album von MONNO, selbsternannter Avantgarde-Rock-Schlagzeuger und Experimentalkünstler mit dringender Empfehlung einer Ritalin-Therapie. Das „Avantgarde“ im Waschzettel kann ich in diesem Zusammenhang wirklich nicht mehr lesen. Klar ist das virtuos. Applaus, Großvater ist sicher stolz. Aber wer soll das bitte hören? Falls wer Musik für die anstehende Backenzahn-OP sucht, das ist euer Opus Magnum! Wer die komabrutalen Balladen von NICOFFEINE psychisch zu stabil findet, der erhält hier mit „Cheval Ouvert“ eine neue ultimative Herausforderung. Da wird bis zur Erschöpfung auf die Toms und Snare eingedrescht bis Adern platzen und Fingerknochen brechen, Blastbeat-Rekorde aufgestellt und infernalischer Lärmakrobatik produziert, die Amps auf Maximum. Gitarren sind nur da, um sie nach dem Saitenaufziehen in ihre Einzelteile zu zerlegen. Das Schlagzeug steht hier überdeutlich im Vordergrund. Was im Hintergrund passiert, keine Ahnung! Ich übergebe an die Studenten des Earthquake-Epizentrums für experimentelle Musik der Hfm Demold. Ich passe!

Hier noch die nötige Portion Namedropping. Das geisteskranke Schlagzeuginferno wurde übrigens von SWANS-Schlagzeuger Roli Mossiman, der diese atonale DREAM-THEATER-Studie auf einer Farm in Polen aufgenommen hat. Was sich hier unter dem Deckmantel der Kunst weiht, ist wirklich nur noch für einen übersichtlich, selektierten Kreis von Jazz-Grenzgängern gedacht (300 Kopien!). Wer sich lieber anstatt Nägel in die Ohren zu rammen auf ultrabrutales Geknüppel mit Synthesizer-Schreien steht, verzerrtem Saxophon (solls geben, hab keins gehört) etwas abgewinnen kann und von unendlicher Loop-Wichserei einen Ständer bekommt, nur zu ihr elitäres Pack, das hier habt ihr euch wirklich verdient!

Bevor ichs vergesse. Das Schönste an dieser Platte ist dann definitiv nur noch das anarchische Comic-Artwork vom katalanischen Designer Marc O´Callaghan aus Barcelona. Muss ja auch Licht zwischen den Schatten geben. „Cheval Ouvert“ ist eine Platte für das Guinness-Buch der Rekorde, nominiert für mein bisher anstrengendstes Hörerlebnis in 2014, eine Platte für narzisstische Schlagzeuger und ihre übermenschlichen Prog- & Jazzcore-Kapellen. Eine Platte zum Senioren töten und Hamster quälen. Ob das jetzt wehtun oder für schön befunden werden soll, darf bei Bedarf gerne wissenschaftlich weiter erörtert werden. Ich bin raus. Ach ja, CD zu verschenken!


(Dimitrios Charistes)