PHILIPPE LAURENT im Interview

PHILIPPE LAURENT kenne ich schon seit Langem als eigenständigen Komponist wirklich schöner elektronischer Musik „für Maschinen“, aufmerksam wurde ich auf ihn indes durch seine Kollaboration mit LES JOYAUX DE LA PRINCESSE auf dem sehr gelungenen „Mysteria Mithrae“ Sampler. So war es für mich eigentlich ganz klar, mit ihm auch über dieses Projekt zu sprechen, sobald sich mir die Gelegenheit dazu ergab.

? Wie bist du denn auf diesem für deine Musik doch eher ungewohnt dunklen Sampler „Mysteria Mithrae“ gelandet?

Es waren anfangs LJDLP, die mich dazu aufgefordert hatten, an der Zusammenstellung „Mysteria Mithrae“ teilzunehmen. Ich wollte, dass das angegeben wird, um ihr (der Band) zu danken. Also hieß es auf dem Cover „Philippe Laurent und LJDLP stellen vor …“ Vielleicht haben einige Leute geglaubt, dass es eine Komposition von LJDLP war. Diese Arbeit hatte ich aber schon Anfang der 90er Jahre im Kopf. Ich habe schon damals in meiner Musik über eine thematische Einbeziehung nachgedacht: Bereits 1989 hatte ich begonnen, eine Oper für Maschinen zu schreiben und meine Doppel-Instrumental-CD „Faste occidental“ wurde 1994 herausgebracht Diese Aufzeichnung beinhaltete ein Quartett für Saiten-/Streichinstrumente et Klavierstücke ebenso wie Stücke, die klassische Töne, elektronische Töne und Töne von industriellen Maschinen und Presslufthammern mischten. Ich glaube, dass es wichtig ist zu wissen, dass meine Arbeit von Anfang an eine geschriebene Musik ist.

? Ursprünglich dachte ich, „Lumière Bleue“ wäre eine Kollaboration von dir und LJDLP gewesen, habe mittlerweile aber gelesen, nur du hättest dieses Stück komponiert. Was kannst du uns hierzu sagen?

Ich habe „Lumière bleue“ („Blaues Licht“) selbst komponiert und gemischt.

? Was war denn nun der Beitrag von LJDLP?

1995, einige Monate vor „Lumière Bleue” hatte ich das Stück „Electro-positivisme“ aufgenommen, heute immer noch unveröffentlicht auf Vinyl. Diese Musik beginnt mit einem rhythmischen Teil elektronischer Klänge und endet in einer anderen Stimmung mit Klängen von klassischen Instrumenten. In diesem Endteil hatte ich ein Klavierstück entwickelt. Als LJDLP sich dieses Stück anhörte, legte er mir nahe, eben dieses Klavierstück für die Kompilation „Mysteria Mithrae“ zu verwenden. Ich dachte, dass das eine gute Idee ist und habe anschließend ausgehend von diesem Thema „Lumière bleue“ komponiert.

? Wieso blieb dies die einzige Zusammenarbeit mit LJDLP?

Das ist nicht die einzige Zusammenarbeit mit LJDLP, denn zur gleichen Zeit habe ich die CD „Östenbräun“ von Death in June & LJDP gemischt und eines ihrer Konzerte vertont.

? Wie bist du auf die Idee zu dem Titel „Lumière bleue“ gekommen? Durch das Märchen?

Inspiriert haben mich das Feenmärchen der Gebrüder Grimm natürlich und der Film „Das blaue Licht”, von Carl Mayer und Béla Balázs, aber es ist auch die Musikalität der Worte. Damals wurden meine Titel häufig durch plastische Kunst und Architektur inspiriert. 1993 habe ich Titel wie „Der blaue Reiter” geschrieben, „Quartette de la première sécession“, „Splendeur géométrique“ oder „Tzara twist“ auf dem Album „Faste occidental“.

? Und wie kamst du generell dazu, Musik für Maschinen zu machen?

Am Anfang waren es die Synthesizerklänge, die mir gefielen, dann ging es prometheisch weiter. Ich habe 1978 verstanden, dass ich in der Musikbranche allein arbeiten muss, um eine radikale elektronisch künstlerische Richtung einschlagen zu können. Nur das Anhäufen von Maschinen konnte mir diese Arbeit ermöglichen, aber das Benutzen der Maschinen war für mich eine künstlerische Entscheidung, nicht einfach eine technische.

? Lebst du denn auch in einer „industrial area“?

Ja, ich bin in einem Arbeiterviertel aufgewachsen und als Jugendlicher arbeitete ich in einer Fabrik. Dann bin ich auf die schiefe Bahn geraten und ich habe begonnen, mich künstlerisch zu betätigen (lächelt).

? Schreibst du deine Kompositionen denn auch noch per Hand auf?

Bis in die 80er schrieb ich meine Musik noch auf Papier, aber Anfang der 90er habe ich begonnen, den Computer zu benutzen, um Partituren zu schreiben.

? Hat die Art des Schreibens auch einen Einfluss auf das Komponieren?

Das Lesen von Partituren hat mir besonders am Anfang geholfen die Musik der Komponenten zu studieren, die mich interessierten: Bartok, Wagner, Bach, Mozar usw. Das half mir auch zu erkennen, wie ich bestimmte Progressionen von Akkorden kreieren und die Taktsequenzen zusammensetzen und strukturieren kann.

? Warum ist es so schwer, an deine musikalischen Arbeiten heranzukommen?

Ich bin auf der Suche nach Labels immer auf Schwierigkeiten gestoßen. Natürlich haben sich die kommerziellen Labels nicht für meine Arbeit interessiert, aber die Indie-Labels haben meine Musik auch sehr oft abgelehnt. Zum Beispiel wartet mein unvollendetes Konzert „Les Illuminés de Bavière“, 1996 begonnen, immer noch auf ein Label.Meine Musik gehört eben nicht in eine präzise Kategorie, sie entspricht nicht den Stereotypen und bedient sich nicht vorübergehender Modeerscheinungen oder simplistischer Ideologien. Der Vorsatz, nie das zu imitieren, was es schon gab, ist für mich immer ein künstlerisches Ziel gewesen, aber es hat mich auch isoliert.

? Wie sieht es mit einer Wiederveröffentlichung deiner Kassetten aus?

Ein Vinylalbum meiner 80er Musik ist 2011 unter dem Namen „Hot-Bip“ auf dem Label Minimal Wave Records erschienen. Ein Stück aus dem Jahr 1983 ist jetzt bei Electric Voice Records auf einer 12“ Split-EP 12 erhältlich. Andere Stücke dürften 2014 unter dem neuen Label Girouette Records herauskommen. Ich finde Labels für meine Musik 25 Jahre, nachdem ich sie komponiert habe (lächelt). In der Zwischenzeit gebe ich als „Hot-Bip“ Konzerte!

? Ich freu mich drauf! Merci!

(flake777 with more than a little help bei der Übersetzung)