BJ NILSEN – Eye Of The Microphone (CD)

Wenn mir jemand Anfang der 90er gesagt hätte, Benny Nilsen wäre rund 20 Jahre später ein angesehener Experimental-Klang-Forscher, der selbst im Feuilleton Erwähnung findet, hätte ich mit dem Finger an die Stirn getippt. Zu jener Zeit grummelte er gerade mit seinem Projekt MORTHOND in dunklen Steinzeit-Höhlen herum bzw. hatte die Ehre, die überhaupt erste CD-Veröffentlichung auf Cold Meat Industry zu tätigen. Kurz darauf wurde der Name in MORTHOUND variiert und Benny Nilsen streifte mit den zwei folgenden Alben kurz DEAD CAN DANCE ähnlichen Gothic Kitsch und sogar Industrial Metal. Danach trennte sich sein Weg von dem schwedischen Kult-Label (welches übrigens gerade offiziell zu Grabe getragen wurde) und mit seinen neuem Projekt HAZARD zog er in die Welt hinaus. Der Sound war jetzt schon deutlich experimenteller, kälter wie abstrakter geworden und über die Stationen Malignant Records und Ash International landete er schließlich beim renommierten Touch-Label. Seit dem firmiert er unter BJ NILSEN und neben vielbeachteten Kollaborationen (JANITOR, STILLUPPSTEYPA, EVIL MADNESS) finden vor allem seine Fieldrecording-Arbeiten im Stile des legendären Chris Watson große Reputation. Mit seinem letzten Album „The Invisible City“ war er ja schon auf der Suche nach dem „geheimen“ Sound diverser Großstädte und auf dem neuestes Werk erforscht er diesen ausschließlich in London. Mit „Eye Of The Microphone“ könnte dieses nicht besser betitelt sein und Benny Nilsen addiert + verdichtet hier die Aufnahmen, welche über ein ganzes Jahr auf seinen akustischen Streifzug durch die britischen Metropole entstanden sind. Wer sich darauf einlässt, bei dem werden die Sinne regelrecht geschärft und laufen im Kopfkino dazu richtige Geschichten ab. Warum allerdings vieles davon eher nach brummenden Generatoren im Heizungskeller bzw. dem Soundtrack zu „Eraserhead“ klingt… findet es einfach selbst heraus! Additional zu „Eye Of The Microphone“ erscheint übrigens dieses Jahr im Berliner Architektur-Verlag Jovis noch das Buch „The Acoustic City“, welches der Frage nachgeht, auf welche Weise der Klang das Leben in der Stadt formt und zu dem BJ NILSEN eine CD beisteuern wird. PS: Mir ist auch gerade eingefallen, dass Benny Nilsens ehemaliger Cold Meat Industry-Label-Kollege Mikael Stravöstrand (ARCHON SATANI, INANNA) eine ähnliche Entwicklung genommen hat, jedoch inzwischen im Techno-Genre recht erfolgreich ist. Das sind Geschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann! (Marco Fiebag)