TROUM – Mare morphosis (CD)

„Mare morphosis“ bringt die Trilogie der „Power Romantic“ zum Abschluss, die das selbstklingende Meer, „Mare Idiophonika“, einleitete und deren Mittelteil das den Menschen verschlingende Meer, „Grote Mandrenke“, bildet. Auch hier widmen sich TROUM also dem womöglich schönsten Drone der Welt, dem Meer. Das Album beginnt zunächst wenig spektakulär wirkend mit Sounds und einem Rhythmus, der abzuebben scheint – was natürlich auch insofern passt, da ja nicht wir die Struktur des Meeres bestimmen, es also durchaus nicht gezwungen ist, zu Beginn anzuschwellen – bevor es dann orchestral majestätisch aufbraust, wobei der Rhythmus im Kontext des Schaffens der Band als durchaus fast lebhaft und in jedem Fall kräftig zu nennen ist und das Symphoniehafte auch durch den Einsatz von Bläsern hervorgehoben wird (vgl. zur „Sinfonie“ auch die Rezi auf nonpop.de).

Vielleicht ist ja meiner Fantasie geschuldet, aber der anfängliche Klang dessen, was ein zweites oder drittes Lied/Stück sein könnte (die CD kommt indes, unteilbar wie Wasser, mit einem Track aus), erinnert mich tatsächlich etwas an das großartige „Flood“ der SISTERS OF MERCY, erscheint hier ohne Drums (bzw. Dr. Avalanche) allerdings in einem anderen Kontext, es bleibt indes das Soghafte, Bedrohliche und Faszinierende. Das Flächige und Vielschichtige ist bestimmend, wird also nicht nur atmosphärisches Element, wird dichter und zugleich tiefer, sodass der geneigte Zuhörende sich wirklich durch den vielschichtigen Drone gleiten lassen kann wie der Fisch (oder das Meeressäugetier) im Wasser, wobei man durchaus nicht – wie der sprichwörtliche tote Fisch – nur passiv hören kann, sondern sein Ohrenmerk auch aktiv auf die ihn am meisten ansprechenden Schichten ansprechen kann, schließlich ist hier „das Meer“ eben nicht verschlingende Naturgewalt, sondern akustisches Kunstwerk. So verweisen denn auch womöglich die an Atemgeräusche erinnernden Töne in einem weiteren „Part“ von „Mare Idiophonika“ auf die Präsenz des Menschen in oder am Meer, aus dem er ja stammt, aber in dem er nicht (mehr) so ohne Weiteres leben kann. Oder es mag an etwas völlig anderes oder nichts erinnern, jedenfalls gibt es auf diesem „One-track“ Album vieles zu entdecken und zu erhören.

TROUM ist somit ein weiterer schöner Beitrag zum Kosmos der Drones gelungen, eine weitere klangvolle Welle im Meer der Musik – oder, wie man auch sagen könnte „in an ocean of sound“. Gerade Pflicht für alle Freunde des Drone und gewiss auch ein empfehlenswert für Anhänger der (Neo-)Klassik sowie eigentlich für so alle, die mit guter Musik was anfangen kann – bewegen wird es wohl jeden, der sich darauf einlässt.

(flake777)


Troum „Mare Morphosis“ (CD)

Am Anfang ist es ein Loop, fast maschinell und dabei trotzdem auf eigenartige Weise sphärisch. So der Beginn von „Mare Morphosis“, dem dritten (und somit logischerweise abschließendem) Teil der „Power-Romantic“ Trilogie, die Troum 2010 mit „Mare Idiophonika“ (in zwei Versionen erschienen, auf Tourette und Silken Tofu) und „Grote Mandrenke“ (2012, Beta-lactam Ring Records) gestartet bzw. fortgesetzt hatten.

Und dann der abrupte Halt und ein weit ausgreifendes Melodiethema; wie Wellen, wie ein Loop; aber einer, der sich bei der Wiederholung verändert, erweitert, bewegt. Und als wäre das nicht genug, plötzlich ein Schlagzeug (das so dermaßen live eingespielt klingt, dass ich immer noch nach den Credits des Drummers suche), das das Stück plötzlich wie das musikalische Abbild eines durch schwer(st)e See stampfenden Schiffs erscheinen lässt. Ein musikalischer Kampf mit den Naturgewalten, jedoch ganz ohne die (dabei irgendwie erwarteten) Vorboten eines Unheils, vielmehr bereits im Angesicht des Lichts an der Kimm, hinter den schwarzen Sturmwolken des hier und jetzt; so, dass die schweren Wellen „bloß“ noch abgeritten werden müssen. Und wenn der Schlagzeugsound so akustisch wie echt klingt, so gilt dies für die Flächen dieses ersten Teils von „Mare Morphosis“ mindestens ebenso; fast so, als hätten Troum diesmal ein ergänzendes Orchester bemüht.

Und erst das Freikommen aus dem Sturm findet sein Abbild in den von Troum bekannteren Ästhetiken. Und eine Ruhe, die wieder Erwarten doch nicht die Sicherheit zu geben scheint, sondern das Ankommen im unwirklichen Auge des Sturms bedeutet; in einer trügerischen Stille mit den tosenden Elementen um diesen Ort herum. Und dem Abwarten der Mannschaft, welcher Kurs als sicherster aufzunehmen ist. Und wie in einem Buch das unvermittelte Öffnen eines neuen Kapitels, den Faden wieder aufnehmend, aber ohne alles, was dazwischen geschah zu erklären. Wie am nächsten Morgen, nach einer Nacht, die wenig Veränderung gebracht hat, aber dennoch alles anders aussehen lässt. Und irgendwann dann der Beschluss, sich wieder zu stellen, dem Sturm, turbulenter noch als zu Beginn, Ausgang ungewiss. Auch dann noch, als das Schiff (wie das Schlagzeug) langsam verschwindet. Im Vordergrund der korrodierten Coda: Wrackteile? Oder nur ein paar Reste einer nicht ganz sicher befestigten Ladung?

Die drei Veröffentlichungen der „Power-Romantic“-Trilogie, wie immer man auch zu dem Titel der Serie in seiner Wortwahl stehen mag, bilden als gedachte/ tatsächliche/ so nach und nach entstandene Einheit tatsächlich einen Abschnitt innerhalb der Troum-Diskografie, der aufgrund seiner bildhaften musikalischen Sprache dann wohl doch genau richtig überschrieben wurde. Und sind damit deutlich anders als die „Tjukurrpa“ Trilogie (entstanden von 2001 bis 2003), mit der Troum das erste Triptychon ablieferten; passend zum damaligen Stand der musikalischen Entwicklung und Instrumentierung deutlich minimalistischer und konzeptuell ein wenig technischer (Melodien/ Drones/ Rhythmen). Aber auch mit dieser damaligen Trilogie hatten Troum bereits bewiesen, was sie aus dem eigenen musikalischen Spartenthema herauszuholen in der Lage sind. Und genau das haben sie mit der „Power-Romantic“-Trilogie auch ein weiteres Mal getan. Nur ein wenig anders, diesmal. Aber mit einem mindestens ebenso guten Ergebnis.

(N)