Ausstellungstipp: LLYN FOULKES im Museum Kurhaus Kleve

Mit der Präsentation einiger ausgewählter malerischer Arbeiten sowie seiner Musikmaschine gehörte Llyn Foulkes 2012 zu den großen Entdeckungen der Documenta 13. Als erstes Museum in Europa präsentiert nun das Kurhaus Kleve eine umfassende Retrospektive des 1934 geborenen Malers und Musikers. Die Musikmaschine, ein gigantisches Ein-Mann-Orchester aus Trommeln, Hörnern, Pfeifen und Bässen, an dem Foulkes seit 1979 baut, ohne es wohl wirklich vollenden zu wollen, ist bedauerlicherweise nur in einem Video zu bestaunen. Umso mehr Raum widmen die Ausstellungsmacher Foulkes’ malerischem Werk.

Die Schau setzt ein mit Foulkes’ frühen, dem Surrealismus eines Salvador Dali verpflichteten Gemälden, ihnen folgen die in den späten 1950er Jahren enstandenen düster-apokalyptischen Materialcollagen sowie die Werkgruppen „Rock Paintings“ „Postcard Paintings“ und „Bloody Heads“. Allen Werken gemein ist, dass Foulkes oftmals auch abgenutze Alltagsgegenstände in seine Arbeiten integriert und so die malerische Dimension um eine plastische Komponente erweitert. In den seit den frühen 1980er Jahren entstehenden Tableau-Gemälden hat er diese Technik so weit perfektioniert, dass für den Betrachter kaum noch zu erkennen ist, wo die Grenzen zwischen Malerei und realen Gegenständen verlaufen: Foulkes kreiert die Illusion eines raffinierten 3-D-Effekts mit erstaunlicher Tiefenwirkung. Höhepunkt dieser Arbeitsweise ist das zwischen 1997 und 2005 entstandene Tableau The Lost Frontier, die Vision eines postapokalyptischen Los Angeles, in dem nahezu alle Relikte der westlichen Zivilisation ausgelöscht sind, eine ausgemergelte Aschelandschaft, die nur von einem verarmten Ureinwohner und einer Siedlerfrau mit Micky-Maus-Kopf bevölkert wird. In diesem Panorama verdichtet Foulkes seine Konsum- und Gesellschaftskritik und zeigt, was von einer Welt übrigbleibt, über die eine hedonistische, auf totaler Ressourcenverschwendung und instrumenteller Vernunft basierende Zivilisation hinweggegangen ist. Zugleich markiert die Lost Frontier den Tod des amerikanischen Traums.

Den Abschluss der Ausstellung bilden Arbeiten aus dem Zyklus „The Legend of Mickey Rat“, in denen dämonische Mickey Mäuse und ihr Schöpfer Walt Disney ihr Unwesen treiben. Der Zyklus ist Ausdruck von Foulkes fast schon obsessivem Kampf gegen den Disneykonzern mit seinen manipulativen und gehirnwäscheartigen Methoden der Massenbeeinflussung. Foulkes vehemente Abneigung gegen Disney wurde ausgelöst durch die Lektüre des „Handbuchs des Micky-Maus-Clubs“ aus dem Jahr 1934, einer detaillierten Anleitung zur subtilen geistigen Beeinflussung von Kindern und derem Denken und Verhalten.

Foulkes kritische Auseinandersetzung mit den destruktiven Aspekten der Popkultur und den Schattenseiten des American Way of Life rückt ihn in die Nähe seines Malerkollegen Joe Coleman, dem großen Chronisten des anderen, dunklen Amerikas, zu dessen Anti-Ikonen Massenmörder wie Ed Gein oder fragwürdige Gurus wie Charles Manson oder David Koresh gehören. Was Foulkes und Coleman, neben ihrer Rolle als Außenseiter des Kunstbetriebs, aber vor allem verbindet, ist das Sammeln von Kuriositäten und Relikten des Makabren mit der besonderen Aura von Tod und Vergänglichkeit, die beide Künstller dann auch gerne in Kabinetten der ausgefalleneren Art zur Schau stellen.

Die Klever Schau, die noch bis zum 02.03.2014 läuft, besticht durch eine sorgfältige und repräsentative Auswahl aus dem Gesamtwerk von Llyn Foulkes sowie einer Präsentation, in der Architektur und Exponate eine harmonische Symbiose eingehen. Einmal mehr beweist das Museum Kurhaus, dass es auch jenseits der großen Metropolen aufregende Kunst zu entdecken gibt und eine Reise an die Peripherien des Kulturbetriebes immer wieder lohnenswert ist.

Bild: Llyn Foulkes, The Lost Frontier, 1997-2005, Hammer Museum, Los Angeles (Photo: Randal Urbauer)

www.museumkurhaus.de

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M. Boss