KAUAN – Pirut (CD)

Die russische Band Kauan kann man getrost als absoluten Geheimtipp werten, schaffte man bereits mit dem dritten .Album „Aava…“ einen Meilenstein vor Jahren, der auf ganz eigenwilligste melancholisch, auf eine tief naturromantische Weise zu verzaubern wusste. Diese Platte ist von der ersten bis zur letzten Sekunde stimmig und läuft seitdem in meinem Player erneut immer wieder rauf und runter in jedem Winter.

Winter (oder die kalten Jahreszeiten) ist hier das Stichwort, schaffen die Russen es mit jeder Note, jeder Melodie und jedem Arrangement unendliches Weiß, dichte Wälder…einfach die Einsamkeit und Schönheit der Natur in Klänge zu verpacken. Auf dem neuen fünften. Album fächert man die eigene Bandbreite erneut wieder in alle Richtungen auf, soll heißenen, dass doomige Metalparts ( ie ersten beiden LPs) wieder Einzug in den Sound der Russen erhalten ,verbannte man diese so gut wie komplett aus den letzten beiden CDs. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern, auf denen wenige, dafür unendlich lange Stücke (bis zu 15 Minuten) prägend waren, lässt man es beim neuen Album mit der reinen Bezifferung von I-VIII, und wenn man den Kern der Platte nach mehrmaligen Hören gefunden und erneut lieben gelernt hat, verwundert diese Taktikänderung nicht wirklich, atmet „pirut“ die Aura eines einzigen langen Tracks. Kauan klingen so unglaublich tief, und sind es nicht wirklich die einzelnen Genreelemente wie Doom Metal, Postrock,70´s Prog ,Ambient ,Folk und Klassik, die als solches vermischt noch nicht des Rätsels Lösung darstellen, so ist es in jedem Fall wieder diese die nicht greifbare romantische, spirituelle Aura, die die Russen auf ganz ureigene Weise beschwören, was durch den akzentuierten finnischen Gesang, extrem in Hall getauchten Slo-Mo Drums, den schluchzenden Streichern,d en perlenden Klavierakkorden zu jeder Sekunde des Albums die Synapsen schweifen lässt, die Gedanken Ruhe finden lässt.

Die Russen verstehen es, jedes Instrument, jeden Part durch die Transparenz im Klang wirken zu lassen, sei es Klavier, Cello oder die immer wieder raumgreifenden Hall unterlegten Drums, die sich mit der lautmalerischen Art des finnischen Gesangs symbiotisch perfekt ergänzen, was vor allem des Nachts oder unter Kopfhörer Tiefenwirkung erzielt. Atmosphäre ist hier in jedem Fall das Schlüsselwort, naturverbunden, romantisch…introspektiv und doch mit jeder Note den Hörer an die Hand nehmend. Es findet eine Entschleunigung statt, wie es eben nur die Stille eines Sees im Sonnenuntergang oder die klare Winterluft in eisiger Weite schafft. Wie die Russen im Rahmen ihrer Instrumentierung diese Bilder kreieren, lässt mich an Klassiker wie die ersten beiden Third And The Mortal denken, die auf ähnliche Weise skandinavisch klare Pinselstriche schufen, dies seinerzeit eben auch durch die Art und Weise, wie die Drums akustisch mit viel nächtlichen Hall etwas monolithisches in sich trugen, dass über das stereotype Maß an Doom-Metal Klischees hinausging. Kauan mit Genreetiketten zu belasten, würde dieser unglaublich trendfreien, in sich ruhenden, in gewisser Weise naturromantisch angehauchten Kunst nicht ansatzweise gerecht werden.

Sicher findet man Bands wie die Finnen von Tenhi, Empyrium, Ulver, My Dying Bride, Anathema, Pink Floyd in dieser Musik wieder, oder die Romantiker von Oberon (tolle Norweger ,die in den 90s tolle Musik veröffentlichten), in jedem Falle die o.g. Third And The Mortal, welche sich damals schon über Genregrenzen hinausschlängelten und es schafften, ein ganz individuelles Soundbild zu kreieren, was so wahnsinnig nach Norden, Weite, Skandinavien klang und eben nicht auf Schubladenzuordnung angewiesen war.

Innerhalb der eigenen Historie sind auf „pirut“ wieder vermehrt harsche, zum Teil auch treibendere rockige Parts eingewoben worden, was der Dynamik der Russen nur entgegen kommt, verfängt man sich so nicht in reiner Lautmalerei bzw. Slow-motion. Was bleibt ist Musik, die stetig in sakraler Weise fließt, anmutig in sich verweilt, permanent Bilder-/Kopfkino-Momente schafft, ein verwaschenes Foto wie aus einer anderen Welt, fernab der nichts sagenden Zeitgeistlichen Leere.

(R.Bärs)