KROHN JESTRAM LIPPOK – Dear Mister Singing Club (CD)

Alexander Krohn war (und ist?) der Kopf von BRITANNIA THEATRE, eine Band aus Ostberlin, welcher leider nie ein größerer Bekanntheitsgrad vergönnt war, wie ihre drei empfehlenswerten Alben kaum Käufer fanden. Bernd Jestram und Ronald Lippok haben es dagegen schon besser erwischt, denn ihre beiden Projekte TARWATER und TO ROCOCO ROT sind zumindest weltweit Kritiker-Lieblinge. Alle drei eint aber auch ihre Vergangenheit im kulturellen DDR-Untergrund des Berliner Prenzelberg und ihre namhaften Band-Stationen hießen damals AUFRUHR ZUR LIEBE, ROSA EXTRA, THE LOCAL MOON ORNAMENT & VERBRECHEN und BLEIBEIL. Im Zuge der Aufnahmen zum letzten TARWATER-Album „Inside The Ship“ luden Bernd Jestram und Ronald Lippok dann Alexander Krohn für einen Gastauftritt ein, welches übrigens eine DAF-Coverversion von „Sato Sato“ war. Bei den völlig zwanglosen Treffen wurde natürlich auch getrunken und gejamt und das Ergebnis dieser leicht schnoddrigen Sessions kann man jetzt auf der CD „Dera Mister Singing Club“ nachhören. Musikalisch ist hier natürlich die Handschrift ihrer eigenen Bands nicht zu verleugnen, aber auch ein Vergleich mit einer Mischung aus ELEMENT OF CRIME, FOYER DES ART und NOTWIST sind nicht ganz abwegig. Ein Großteil der deutschsprachigen Songs bedient sich dabei der Texte von Bert Papenfuß, Stefan Döring, Jochen Berg und Andreas Paul, welche allesamt übrigens ebenfalls aus dem Prenzlauer Berg stammen. Melancholisches wie aberwitziges wechselt sich hier ab und Songtitel wie „Über die Klebrigkeit von Sprengstoff“, „Gasherd anzünden“ und „Wann kommst du zurück“ sprechen eigentlich für sich. Bei zwei Songs ist noch der bekannte wie umstrittene palästinensisch-israelische Regisseur Mohammad Bakri als stimmlicher Gast vertreten und sorgt damit für nahöstliches Flair. Am Ende ist „Dear Mister Singing Club“ einfach nur eine launige Fingerübung aller beteiligten Akteure – nicht mehr und nicht weniger! (Marco Fiebag)