Äänipää – Through A Pre-Memory (CD)

Ein eigener Projektname hebt die Bedeutung / soll das tun; aber: möglicherweise verschleiert er auch (unnötigerweise?) mit wem oder was es die geneigten Hörer zu tun haben. Äänipää ist im Kern das Duo aus Stephen O’Malley und Mika Vainio (und ohne James Plotkin und Tim Wyskida herabwürdigen zu wollen); auf seine ganz eigene Art aber vielmehr das neue Khanate-Album…

Bevor ich mich jetzt deswegen vor entrüsteten Fans (und auch Hassern) rechtfertigen muss, das Ganze von einer anderen Seite aufgerollt: Elektronik und Gitarre, das waren mal richtige Gegner; von Haltungen in dieser Form hochstilisiert. Zu einer bestimmten Zeit. Dies ist längst nicht mehr der Fall, im Grunde geht alles mit allem, wenn es nur Sinn macht. Was aber in diesem Zusammenhang unabhängig der alten Stellungskriege weiterhin tricky bleibt, ist die Vermischung von in ihrer Ästhetik sehr unterschiedlichen Klängen. Und spätestens (und gerade was die Ausführung von „Through A Pre-Memory“ betrifft) dieser Fakt stellte vielleicht die größte Schwierigkeit in der Umsetzung dieser Kollaboration dar: Mika Vainio ist seit Pan(a)sonic und Ø so etwas wie der Held der Reduktion; auf dem Punkt, asketisch im Klangbild, aber immer mit einer fokussierten Kraft, die ihresgleichen sucht. Stephen O’ Malley ist im Grunde in seiner Haltung vergleichbar, kommt aber mit seinem Trademark-Instrument aus einer, eben auch klangästhetisch ganz anderen Ecke. Aller dieser Vorrede zum trotz: beide Protagonisten sind fast schon jenseits dessen, was mit „erfahren“ allgemein beschrieben werden kann; es überrascht also nicht, dass sie eine überzeugende Kollaboration hingelegt haben.

Was aber nicht wenig überrascht (zumindest mich), ist die Art und Weise, wie diese beim Hörer ankommt. Und das hat nicht wenig mit dem dritten im Bunde zu tun, dem Gast(sänger) Alan Dunbin, seines Zeichen vormals Sänger von Khanate (mit Stephen O’ Malley als Gitarrist). Und ein weiteres Mal zeigt sich, wie sehr die menschliche Stimme, erst recht, wenn sie so eindrücklich genutzt wird wie bei Alan Dunbin, in der Lage ist, alles um sich herum zu dominieren. Heißt: gleich das erste Stück, „Muse“, mit Mika Vainio am Rhythmus und (tiefer) Elektronik und Stephen O’ Malley an der Gitarre klingt via dem Trademark-„Gesang“ von Alan Dunbin wie eine modernisierte Version von Khanate, mit der gleichen destruktiv / nihilistischen Grundhaltung wie auf den „echten“ Platten der damaligen Band. Aber, aufgrund der Umsetzung, fast noch brutaler, noch mehr „Fuck You“. Ist das jetzt ein Manko? ist Äänipääs „Through A Pre-Memory“ damit nicht ausreichend eigenständig? Ich denke nein.

„Through A Pre-Memory“ ist eine Veröffentlichung, die mit ihrer creepy Aggressivität ihresgleichen sucht, die fordert und gibt zugleich. Eine Veröffentlichung, die auch zeigt, dass es Sinn macht, individuelle Konzepte immer wieder in neue Kontexte zu setzen. Die Ergebnisse können wirklich atemberaubend sein. Mehr davon, bitte.

Also: phantastische Veröffentlichung, eigentlich Teil meiner Top 10 2013, hier also nachgeschoben; 2013 demnach Top 11.

(N)