STEPHEN O`MALLEY – Tempestarii + DISintegration (TAPE)

Tape mit echten, 16 seitigen Booklett, sw, Meeresbrandung gegen Felsen. Und genau so fängt „Tempestarii + DISintegration“ auch an, als ein anbrandendes Rauschen, aus dem sich langsam ein dunkler Drone herausschält und irgendwann beginnt, sich ganz allmählich zu verschieben, seine inneren Harmonien zu wechseln, so wie auch das Meer immer wieder anders klingt, selbst wenn es schwerfallen würde, die Unterschiede zu beschreiben. „Tempestarii + DISintegration“ erinnert dabei viel mehr an ein Stück wie „Keep An Eye Out“ (2009 auf dem Label Table Of The Elements erschienen) als an das, was Stephen O‘ Malley mit Sunn o))) oder KTL macht: ein dunkler Strom puristisch wirkender Gitarren-Amp-Korrespondenz, unbelastet von allen (auch möglicherweise selbstauferlegten) Zwängen zu (in diesem Sinne je nach Sichtweise auch mal unnötigen) Erweiterungen oder Variationen, statt dessen komplett in sich selbst versunken, über beide Seiten des Tapes und gerade so seine innere Vielschichtigkeit anbietend. Erst gegen Ende der zweiten Seite des über 88 Minuten langen Tapes kehrt mehr und mehr das Rauschen wieder, beginnt den körperlichen Drone abzulösen und lässt „Tempestarii + DISintegration“ plötzlich wie durch (un)menschliche Schreie erweitert klingen, bevor alles in reines Rauschen versinkt. Schlicht perfekt. Noch ein paar Eckdaten: das Ganze ist gedacht und gemacht als Musik zu einem Film („Tempestarii“) und einer Ausstellung („DISintegration“), letztere als neuntägiger Videoloop, der sich während der Aufführung dauernd selbst kopiert und dabei korrodiert… in die Dunkelheit; natürlich (die Bilder des Bookletts werden vermutlich aus diesem Video stammen). Die Musik aufgenommen in Bukarest im Control Club, das Rauschen sind tatsächliche Fieldrecordings des Meeres aus Island, aufgenommen von Nadine Hilbert…

(N)