BRUME – Two Characters (10")

Die neue 10“ von BRUME bildet einen weiteren Teil der Substantia Innominata Reihe und erscheint auf weiß-hellgrau/blau marmoriertem Vinyl in einem in den selben Farben, jedoch deutlich dunkler gehaltenen Cover, auf welchem klare Augen durch verwittertes Grau schauen. Die A-Seite der „Two Characters“, so der Titel der Platte, bildet „Zaklasta-Ae, the Beautiful“. Und beginnt zunächst sehr leise und – wie Schönheit? – geheimnisvoll. Langsam erheben sich leicht diffuse, neblige Klangschleier, in dem ein Blasinstrument zu vernehmen ist, welches allerdings deutlich mehr nach einem modifizierten Saxophon als nach einem Nebelhorn klingt. Die erhabene, uferlose Klangfläche steht so gewissermaßen im Gegensatz zu dem eher organisch-fragilen Klang des einzeln auftretenden Instruments, gewinnt so jedoch auch an Kontur bzw. ist Hintergrund für den stellenweise fast klagenden Laut. Ansonsten mit nur ganz zaghaften Rhythmusansätzen und wenigen Samples garniert, entsteht so eine Klanglandschaft, die, gewiss durch den Titel angeregt, die Frage aufwerfen kann, inwieweit das/die/der als schön empfundene womöglich unter dieser Schönheit leidet, die wie ein Nebel verhüllen kann.

Auch „Clazüük, the Dreamer“ ist zunächst ein leises, fast meditatives Stück. In die ruhig wabernden Klangflächen stimmen indes bald kürzere, befremdend wirkende Sprachfetzen und andere kurze Samples ein, die die Atmosphäre des „Träumens“, wenn man daran denken mag, deutlich von der eines sorgenlosen, friedlichen Schlummerns abgrenzt. Nicht unbedingt alptraumhaft verströmt die erste Hälfte Track doch eine unheimliche Atmosphäre, die gewiss zum Teil auch als Soundtrack bei Gruselfilmen oder privaten, gruseligen Gedanken wirken könnte. Dann erheben sich indes Harmonien, die wohl zu ganz anderen Gedanken und Assoziationen anregen, auch wenn im Hintergrund etwas unreinere Klänge weiterhin vernehmbar sind, welche, zunächst sehr leise, bald gleichberechtigte „Mitklinger“ werden und die harmonischen Loops zunehmend überlagern.

Viel mehr als nur Hintergrundmusik – zumal das Vinylformat ja schon alleine durch das notwenige Umdrehen der Scheibe eine gewisse Interaktion erfordert. Interessante Klänge, schön zum Hören und potenziell gewiss auch zum luziden Träumen anregend. Fein.

(flake777)