MÄUSE – Das Judasevangelium (LP/CD)

MÄUSE war die dreckige Hobby-Spaß-Band von Tex Rubinowitz und Gerhard Potuznik aus Wien, die nach drei Alben und rund 150 Konzerten in den 90ern schnell wieder aufgelöst wurde. Das erste Album „John Lennon beim betreten einer Bar in New York“ erschien damals beim FALCO-Label Gig Records und war der Legende nach ein Riesen-Flop mit nur 171 verkauften Exemplaren. Allerdings erfand man damit gleich das Genre Electroclash, die Lorbeeren dafür ernteten aber erst Jahre später Projekte wie CHICKS ON SPEED oder PEACHES. Beide gründeten danach das zumindest in Österreich bekannte Label Angelika Köhlermann und Gerhard widmete sich seinem Solo-Projekt GD LUXXE und später mit einem weiteren Label namens Phlox dem Dubstep. Da GD LUXXE gerade pausiert und auch der Hype um den Dupstep längst verflogen ist, haben sich beide nun völlig überraschend wieder an ihre alte Band erinnert und hauen mal locker aus der Hüfte ein Album raus, welches nicht schnoddriger hätte ausfallen können. Ein rumpelnder JOY DIVISION/NEW ORDER-Bass, schepperndes Schlagzeug und der sympathische Nicht-Gesang von Tex bzw. seine skurrilen Texte im Stile von FOYER DES ART machen „Das Judasevangelium“ zu einer ungemein treibenden und lustig-makaberen Angelegenheit. Titelnamen wie „Nichts ist besser als gar nichts“, „Herbst auf Heroin“, „Sie kommt aus Sibirien“ oder „Ich weine lieber im Taxi als im Bus“ sagen da ja wohl alles und müssen nicht weiter kommentiert werden. Natürlich könnte man nach diesen Fakten eventuell auch Parallelen zu TOCOTRONIC, DIE STERNE, BLUMFELD oder DIE GOLDENEN ZITRONEN ziehen, aber das sind nun mal alles politisch korrekte Arschlöcher und dumme Schweine, weshalb die hier keine Relevanz haben! MÄUSE sind nämlich echter „Vienna Wildstyle“ und in diesem Sinne mögen sie ewig schrammeln… (Marco Fiebag)